Papst Leo XIV. betont Nähe der Kirche zur modernen Welt
02.09.202612:21
Vatikan/Papst/Theologie/Kirche
Kirchenoberhaupt betont bei Generalaudienz Bedeutung des Konzilsdokuments "Gaudium et spes" - Leo XIV. unterstreicht auch "Option für die Armen"
Vatikanstadt, 02.09.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat sich mit Nachdruck hinter das Abschlussdokument des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) gestellt. Bei der Generalaudienz am Mittwoch auf dem Petersplatz stellte er vor Zehntausenden Menschen den Text "Gaudium et spes" (Freude und Hoffnung) ins Zentrum seiner Ausführungen.
In diesem Text hatte die katholische Kirche ihr Verhältnis zur modernen Welt und Gesellschaft neu definiert. Sie betonte damals, sie wolle die Menschen begleiten und in ihren Hoffnungen wie auch in ihren Nöten nahe sein.
Gegen die Untergangspropheten
Papst Leo XIV. stellte sich hinter den Text, der beim Konzil und in den Jahrzehnten danach von einer konservativen Minderheit in der Kirche schroff abgelehnt wurde. Er erinnerte dabei explizit an die Worte von Johannes XXIII. (1958-1963), der sich schon bei der Eröffnung des Reformkonzils klar gegen ultra-konservative "Untergangspropheten" gewandt hatte.
Diese würden "zwar von religiösem Eifer brennen", zeigten aber nicht genügend Sinn für die rechte Beurteilung der Dinge noch ein kluges Urteil, hatte der damalige Papst gesagt. Leo XIV. zitierte den Konzilspapst weiter mit den Worten: "Sie meinen nämlich, in den heutigen Verhältnissen der menschlichen Gesellschaft nur Untergang und Unheil zu erkennen. Sie reden unablässig davon, dass unsere Zeit im Vergleich zur Vergangenheit dauernd zum Schlechteren abgeglitten sei."
"Kein naiver Optimismus"
Solchem Denken stellt das Konzilsdokument "Gaudium et spes" nach Ansicht von Leo XIV. eine ganz andere Sicht auf die gegenwärtige Menschheit gegenüber. Dabei handele es sich "nicht um einen naiven Optimismus", sondern um Treue zu dem, was Christus durch seine Menschwerdung zum Ausdruck gebracht habe.
Er erklärte, die Kirche sei "dazu berufen, aus jeglicher Passivität und Gleichgültigkeit gegenüber den gegenwärtigen Ereignissen herauszutreten". Dies gelte insbesondere "angesichts der raschen und tiefen Veränderung, die wir heute erleben".
Leo betont "Option für die Armen"
Weiter sagte der Papst: "Wir können unmöglich teilnahmslose Beobachter sein, vielmehr müssen wir mit dem Herzen zuhören, uns anfragen und uns involvieren lassen." Die Christen seien insbesondere aufgerufen, sich für jene einzusetzen, die Opfer von Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Gewalt werden.
In diesem Kontext unterstrich Leo XIV. auch die von lateinamerikanischen Theologen nach dem Konzil entwickelte "Option für die Armen". Diese hatte bereits sein Vorgänger Franziskus (2013-2025) zu einem Kernelement der christlichen Lehre erklärt. Auch dem schloss sich Leo XIV. in seinen Ausführungen ausdrücklich an.