Staatssekretär Heidl betont gemeinsame Verantwortung von Staat und Kirchen für Gesellschaft - Konsulationen mit Kirchen und Religionsgemeinschaften für neues Kirchengesetz laufen
Budapest, 04.09.2026 (KAP) Der Staatssekretär für gesellschaftliche Beziehungen der neuen Regierung in Ungarn, György Heidl, will im Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften auf Dialog und inhaltlicher Abstimmung setzen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress (Freitag) betonte er die gemeinsame Verantwortung von Staat und Kirchen für die Gesellschaft. Gleichzeitig bekräftigte er das von der Tisza-Partei von Ministerpräsident Péter Magyar schon im Wahlkampf geforderte Ende einer "unreflektierten Alimentierung" der Kirchen durch den Staat.
Einer Praxis, formlose Anträge auf Millionen- oder gar Milliardenbeträge per einfachem Schreiben einzureichen, erteilte Heidl eine Absage. Staatliche Unterstützung solle künftig strengen, transparenten Kriterien folgen und als Hilfe zur Selbsthilfe dienen. Anstatt kirchliche Strukturen in "feudale Abhängigkeiten" zu drängen, sei eine Stärkung der Autonomie der lokalen Gemeinschaften das Ziel. Wenn eine Gemeinde für ein Projekt eigene Mittel oder Arbeit einbringe, festige dies den inneren Zusammenhalt und befähige die Gläubigen zur aktiven Mitgestaltung.
Heidl äußerte sich auch über das geplante neue Kirchengesetz. Man befinde sich derzeit in einer intensiven Phase des Nachdenkens und der Konsultationen mit allen Beteiligten, von den verschiedenen christlichen Konfessionen bis hin zu den jüdischen Gemeinden. "Das Kirchengesetz ist eine so schwerwiegende Frage, dass wir sie auf keinen Fall überstürzen möchten", sagte der Staatssekretär und kündigte an, dass in der Herbstsitzungsperiode des Parlaments noch kein Entwurf eingebracht werde.
Das Kirchengesetz von 2011 habe selbst die katholische Kirche überrascht. "Wir werden sicher nicht unvorbereitet handeln, sondern gehen stets in Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Betroffenen vor", sagte Heidl. Was ausgearbeitet werde, solle als Grundlage für den Dialog dienen. Die Aufgabe sei sehr schwierig und es gebe keine perfekte Lösung. Man sehe jedoch bessere Wege als die derzeitigen.
Der "Mehrwert" der Kirchen
Ausdrücklich betonte Heidl den unschätzbaren "Mehrwert" der Kirchen für Kultur, Sprache und das historische Gedächtnis des Landes. Aufgabe der staatlichen Stelle sei es daher in beide Richtungen zu wirken: das Vertrauen der kirchlichen Amtsträger zu gewinnen und die Kirchen zugleich vor ungerechtfertigten, kirchenfeindlichen Angriffen in der Öffentlichkeit in Schutz zu nehmen.
Heidl, selbst katholischer Kulturhistoriker und Philosoph, hatte schon in der Regierungszeit von Viktor Orbán immer wieder eine zu enge Verflechtung von Kirche und Staat in Ungarn kritisiert. Seit dem politischen Umbruch im Frühjahr ist der 58-Jährige als Staatssekretär für gesellschaftliche Beziehungen auch für Kultusangelegenheiten verantwortlich.
"Ehrliche Selbstreflexion"
Mit Blick auf die gesellschaftlichen Spannungen und schwindendes Vertrauen für die Kirchen in der Bevölkerung spricht sich Heidl für eine "ehrliche Selbstreflexion" in den Kirchen aus. Die Kirchen hätten im vergangenen Jahrzehnt massiv an Zuspruch verloren, meinte der Staatssekretär unter Hinweis auf Daten der Volkszählung von 2022. Dabei war etwa die Zahl der sich beim Zensus zur katholischen Kirche bekennenden Menschen im Vergleich zu 2011 um rund 985.000 oder knapp neun Prozentpunkte zurückgegangen. Mehr als 40 Prozent der Befragten beantworteten die Frage zur Religionszugehörigkeit gar nicht.
Ganze Generationen betrachteten die Kirchen nicht mehr als Autorität. Dies müsse die kirchlichen Verantwortlichen zur Einkehr bewegen, denn politische Maßnahmen allein könnten hier keine Abhilfe schaffen, so Heidl. "Ihnen selbst muss klar werden, dass es ein Problem gibt." Eine echte Erneuerung setze voraus, dass man sich eigener Versäumnisse stellt, statt Fehler nur bei einer säkularisierten Umwelt zu suchen.