Ende September kommt Papst Leo XIV. in die französische Hauptstadt
Paris, 04.09.2026 (KAP/KNA) Knapp drei Wochen vor dem Papstbesuch in Frankreich wird Laurent Ulrich, seit April 2022 Erzbischof von Paris, am Montag (7. September) 75 Jahre alt. Er erreicht damit jene Altersgrenze, mit der Bischöfe dem Papst gemäß dem Kirchenrecht ihren Amtsverzicht anbieten müssen. Oft belässt der die Leiter wichtiger Diözesen aber noch einige Zeit darüber hinaus im Amt. Damit wird auch im Fall des amtierenden Pariser Erzbischofs gerechnet.
Der in Dijon in Burgund geborene Ulrich gilt als Mann des Dialogs, als umgänglich, zurückhaltend und doch entschlossen. In Paris wurde er qua Alter gleichwohl eher als ein "Erzbischof des Übergangs" wahrgenommen. Seiner Entsendung in die Hauptstadt durch Papst Franziskus (2013-2025) waren zwei Paukenschläge vorangegangen: Erst brannte im April 2019 die Pariser Kathedrale Notre-Dame. Und dann nahm der Papst sehr rasch den Amtsverzicht von Erzbischof Michel Aupetit (75), nachdem eine Reihe von Presseberichten seine Amtsführung und Privatleben in Zweifel gezogen hatten. Die Rede war von einer Affäre mit einer erwachsenen Frau vor seiner Zeit als Erzbischof.
Der Glanz von Notre-Dame
Ulrich sprang in die Bresche. Die liturgisch glanzvolle Feier der Wiedereröffnung der Bischofskirche Notre-Dame im Dezember 2024, in Anwesenheit der politischen Weltelite, markierte auch für den neuen Erzbischof eine wichtige Etappe. Erstmals konnte er damals den Bischofsstuhl in "seiner" Kathedrale in Besitz nehmen. Das war wegen der fünfeinhalb Jahre dauernden Sanierungsarbeiten zuvor nicht möglich gewesen.
Und zu Beginn seiner Amtszeit wartete auf Ulrich nicht nur die "Jahrhundertbaustelle" von Notre-Dame. Hinzu kamen diverse innerkirchliche Baustellen, etwa die Verwerfungen infolge kirchlicher Missbrauchsskandale.
Bischof von Paris - ein politisches Amt
Das Amt des französischen Hauptstadtbischofs ist auch ein sehr politisches. In der gesellschaftlichen Debatte werden vom Pariser Erzbischof konstruktive Beiträge erwartet. Die soziale und pastorale Positionierung Ulrichs seither sahen kirchliche Beobachter in Einklang mit Franziskus - und seinem Nachfolger Leo XIV., der Ende des Monats zu Besuch in Paris und in Frankreich erwartet wird.
Ulrich wurde 1979 für die Diözese Dijon zum Priester geweiht. Zunächst Pfarrer, dann Bischofsvikar und Generalvikar, wurde er 2000 von Johannes Paul II. (1978-2005) zum Erzbischof von Chambery, Maurienne und Tarentaise ernannt. Sein bischöfliches Motto lautet "Die Freude am Glauben". 2007 wurde Ulrich stellvertretender Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz (bis 2013). 2008 machte ihn Benedikt XVI. dann zum Erzbischof von Lille.
Eigentlich wartet der Kardinalshut
Absolvent in Philosophie und Theologie, widmete Ulrich seine Abschlussarbeit dem Thema Glaubensbekenntnis in der modernen Welt. Aus der nördlichen Metropole Lille ist er mit den Problemen in ärmeren ländlichen oder Arbeitervierteln und der dramatischen Situation von Migranten vertraut. Dort gehörte er zu den Initiatoren der Provinzialsynode für Lille, Arras und Cambrai (2013-2015).
Die Erzdiözese Paris gehört zu den renommiertesten Diözesen der katholischen Weltkirche. Traditionell erhält ihr Leiter im Lauf seiner Amtszeit den Kardinalsrang; zuletzt der im Juli 2025 mit 82 Jahren gestorbene André Vingt-Trois. Im Bereich der Pariser Diözese leben heute gut 2,2 Millionen Menschen; davon sind rund 1,35 Millionen katholisch getauft; dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von 60 Prozent.