Ordensfrau: Anhaltender Ausnahmezustand auf Flores nach Erdbeben
04.09.202614:06
Indonesien/Kirche/Erdbeben/Naturkatastrophe/Orden
Prekäre Zustände nach verheerendem Beben auf der indonesischen Insel - In Wien tätige Steyler Missionsschwester liefert als Augenzeugin Eindrücke vor Ort
Wien, 04.09.2026 (KAP) Nach einem Erdbeben der Stärke 7,7 auf der indonesischen Insel Flores am 15. August herrscht noch immer Ausnahmezustand. Dies berichtet die Steyler Missionsschwester Lelia Surtina, seit 17 Jahren Krankenhausseelsorgerin im Orthopädischen Spital Wien-Speising. Im Sommer 2026 befand sie sich gerade auf besagter Insel im Heimaturlaub, als sich die Naturkatastrophe ereignete. Zurück in Wien schildert sie nun auf der Internetseite der Steyler Missionare ihre Erfahrungen. Obwohl ihre Gemeinschaft auf Flores zum Teil selbst mit den Folgen des Erdbebens zu kämpfen hätten, setzen sich die Schwestern für die betroffene Bevölkerung ein, etwa bei der Verteilung von Hilfsgütern.
Das Dorf, in dem Sr. Surtinas Familie lebt, liegt in Westflores. Das Erdbeben begann um 5:20 Uhr, was laut der Ordensfrau gewissermaßen Glück im Unglück war: "Die meisten Dorfbewohner waren bereits aufgestanden und unterwegs zur Arbeit auf den Reisfeldern und Kaffeeplantagen." Auch sie selbst und ihre gehbehinderte Mutter befanden sich gerade im Freien, als die Erde bebte. Nur der Vater lag noch im Bett. Etwa eine Minute dauerte das Hauptbeben. Ihr sei es wie eine Ewigkeit vorgekommen.
Die Schäden im Heimatdorf der Steyler Missionsschwester seien zwar nicht allzu gravierend, aber dennoch lebten die 23 Familien dort weiterhin im Ausnahmezustand und schliefen aufgrund der täglichen Nachbeben im Freien. Aus Bambusstangen und Planen seien notdürftige Unterkünfte errichtet worden. Die Hilfe der Regierung komme nur langsam in die Dörfer. Zugleich hebt Sr. Surtina den Zusammenhalt in der Gemeinde positiv hervor: "Jeder bringt Lebensmittel, es wird gemeinsam am offenen Feuer gekocht und gegessen." Da sich im Dorf selbst keine Kapelle befindet und der Weg dorthin zu gefährlich wäre, versammelten sich die Bewohner in einem offenen Haus zum Gebet.
Die Kommunitäten und Einrichtungen der Steyler Missionsschwestern auf Flores wurden unterschiedlich stark vom Erdbeben getroffen. Völlig zerstört wurde das Haus der Schwestern und die Polyklinik in Reo an der Nordküste, wo das Epizentrum des Bebens war. Etwas weniger prekär ist die Situation in Labun Bajo, wie sich Sr. Surtina bei einem Besuch selbst überzeugen konnte. Die dortigen Schwestern führen mehrere Schulstandorte sowie ein Haus für Waisenkinder und Frauen in Not. Aufgrund der Risse in den Mauern schliefen auch sie in behelfsmäßigen Unterkünften, seien aber nichtsdestotrotz an der Verteilung von Hilfsgütern beteiligt, berichtet die Ordensfrau.
Die Sorge um ihre Familie sowie ihre Mitschwestern beschäftigt Sr. Surtina seit ihrer Rückkehr nach Wien ständig. Außerdem treibt sie auch die Frage um, warum in erster Linie immer die Armen von Naturkatastrophen betroffen sind. Ihre Antwort darauf: "Wer es mit Mühe und in jahrelanger Arbeit schafft, ein einfaches Haus zu errichten, hat nicht die finanziellen Mittel, um erdbebensicher zu bauen."