Schwertner: Sonderpädagogische Förderung ausweiten - 1.500 betroffene Kinder in Wien warten auf passenden Kindergartenplatz - "Warum leisten wir es uns noch immer, Kinder auszuschließen?"
Wien, 04.09.2026 (KAP) Mehr Tempo bei der Inklusion von Kindern mit Behinderung hat zum Beginn des neuen Schuljahres der Wiener Caritas-Direktor Klaus Schwertner gefordert. Für viele Kinder sei das Versprechen auf Bildung und Teilhabe noch immer nicht erfüllt, kritisierte Schwertner am Freitag in einem Beitrag auf der Social-Media-Plattform Bluesky. Die zusätzlichen Mittel für Bildung im neuen Bundesbudget seien zwar "eine gute Nachricht". Nun komme es aber darauf an, diese auch gezielt für Inklusion einzusetzen.
Besonders deutlich zeige sich der Handlungsbedarf bei der sonderpädagogischen Förderung (SPF), so Schwertner. Die Ressourcen orientierten sich noch immer an einer Quote aus den 1990er-Jahren, obwohl der tatsächliche Unterstützungsbedarf inzwischen höher sei. Die angekündigte Anhebung der entsprechenden Deckelung müsse daher "verlässlich umgesetzt werden". Auch beim Rechtsanspruch auf ein 11. und 12. Schuljahr für Kinder mit Behinderung brauche es endlich Planungssicherheit. Die für 2027/28 angekündigte Umsetzung dürfe "nicht erneut verschoben werden", forderte der Caritas-Direktor.
Schwertner sprach sich zugleich gegen eine stärkere Trennung von Kindern mit und ohne Behinderung aus. "Eine moderne Bildungspolitik trennt nicht, sondern schafft die Voraussetzungen dafür, dass alle Kinder gemeinsam lernen können", schrieb er. Statt neue Sonderschulen zu bauen, sollten jene Modelle gestärkt werden, in denen Kinder gemeinsam lernen und aufwachsen.
Inklusion funktioniere, "aber sie braucht die richtigen Rahmenbedingungen", so Schwertner. Als Beispiel verwies er auf die Caritas-Einrichtung "Schule am Himmel". Dort lernten auch im neuen Schuljahr 135 Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam. Das Angebot könne allerdings nur mit zusätzlicher Unterstützung durch Spenden aufrechterhalten werden. "Was in unserer Schule am Himmel gelingt, sollte überall möglich sein", so Schwertner. Dafür brauche es ausreichende Ressourcen, mehr pädagogisches Personal und multiprofessionelle Teams.
Der Bedarf beginne allerdings bereits vor der Schule, betonte Schwertner. Für viele Kinder mit Behinderung sei es schwierig, einen passenden Kindergartenplatz zu bekommen. Allein in Wien warteten rund 1.500 betroffene Kinder auf einen Platz, der ihren Bedürfnissen entspreche. Wenn ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr mehr Chancengleichheit schaffen solle, müsse es daher allen Kindern offenstehen. "Verpflichtend gilt hier nicht nur für Familien, sondern auch für die öffentliche Hand", schrieb der Caritas-Direktor.
Darüber hinaus forderte Schwertner mehr Freizeit- und Ferienangebote für Kinder mit Behinderung. Im Caritas-Kinderhotel am Himmel zeige sich jeden Sommer, wie groß der Bedarf sei und wie sehr Familien von solchen Angeboten profitierten. "Jedes Kind hat das Recht auf Bildung, Betreuung und Teilhabe", so Schwertner. Zwischen diesem Anspruch und der Realität liege allerdings noch immer eine große Lücke. "Die Frage ist nicht, ob wir uns Inklusion leisten können. Die Frage ist, warum wir es uns noch immer leisten, Kinder auszuschließen."