Zisterzienser nach Todesstrafen-Forderung von Lehre ausgeschlossen - Innsbrucker Theologin Quast-Neulinger: "Integralistische Positionen widersprechen klar der katholischen Lehre und dem rechtlichen Rahmen eines demokratischen Verfassungsstaats" - Dekan Winkler: Handeln von Rektor Klausnitzer zu begrüßen - Erinnerung an Stellungnahme der Theologischen Fakultäten
Wien/Innsbruck/Salzburg, 04.09.2026 (KAP) Österreichische Theologinnen und Theologen zeigen sich erleichtert über die Beurlaubung von P. Edmund Waldstein als Lehrender der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz. "Integralistische Positionen widersprechen klar der katholischen Lehre und dem rechtlichen Rahmen eines demokratischen Verfassungsstaats", begrüßte etwa die Innsbrucker Theologin Prof. Michaela Quast-Neulinger gegenüber Kathpress den Ausschluss Waldsteins. Am Freitag hatte das Internetportal "Kirche und Leben" darüber berichtet, dass der Rektor der Hochschule Heiligenkreuz, Wolfgang Klausnitzer, eine Rückkehr Waldsteins zumindest während seiner Amtszeit ausgeschlossen hat. Waldstein hatte in Heiligenkreuz zuletzt Moraltheologie unterrichtet.
Die wachsenden amerikanisch-europäischen Netzwerke von Integralisten, zu denen zentral auch Waldstein zählt, würden eine "Gefahr dar für Demokratie und Kirche" darstellen, erklärte Quast-Neulinger. Zuletzt habe etwa Papst Leo XIV. in "Magnifica Humanitas" das integralistische Politik- und Gemeinwohlverständnis zurückgewiesen. Es sei "sehr zu begrüßen, dass Rektor Klausnitzer hier deutlich agiert und Grenzen an der Hochschule Heiligenkreuz zieht".
Deutliche Distanzierung der Theologischen Fakultäten
Begrüßt wird das Vorgehen Klausnitzers außerdem vom Dekan der Salzburger Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dietmar Winkler. Gegenüber Kathpress erinnerte Winkler an die jüngste Stellungnahme der Katholisch-Theologischen Fakultäten und Kirchlichen Pädagogischen Hochschulen in Österreich, mit der diese gegen rechte Tendenzen in Gesellschaft und Kirche Stellung bezogen hätten. Darin werden u.a. "christlich-nationalistische Strömungen" wie der von Waldstein vertretene Neo-Integralismus scharf verurteilt und vor wachsendem Einfluss gewarnt.
Diese Strömungen würden "religiöse Sprache, christliche Symbolik und das christliche Gottesbild" politisch missbrauchen, "um antidemokratische, antifeministische und ausgrenzende Ideologien zu legitimieren", heißt es in der Anfang Juli veröffentlichten Stellungnahme. Man trete seitens der die Erklärung tragenden Fakultäten entschieden "jeglicher Form von Diskriminierung, Antifeminismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit entschieden entgegen", so die damalige Erklärung.
Keine Distanzierung Waldsteins
Grund für den Ausschluss Waldsteins waren Aussagen in dessen Blog "Sancrucensis", in dem dieser die Todesstrafe für Häretiker gefordert hatte. In der darauf folgenden Debatte hatte Rektor Klausnitzer eine wissenschaftliche Darlegung von Waldstein gefordert. Nun habe Waldstein seine laut Klausnitzer "unsäglichen Aussagen über die Tötung von Häretikern" allerdings nicht zurückgezogen, sondern vielmehr versucht, sie theologiegeschichtlich zu rechtfertigen. "Die von ihm dabei verwendete Theologische Prinzipienlehre würde ich keinem Erstsemesterstudenten durchgehen lassen", so der Rektor gegenüber "Kirche und Leben".
Das Stift Heiligenkreuz stellte Waldstein den Angaben zufolge für die kommende Zeit zum philosophischen Promotionsstudium in Rom frei. Der Rektor erklärte, er sei nicht befugt, Waldstein den Dozententitel abzuerkennen. Dafür brauche es einen Beschluss des Senats der Hochschule, der im Wintersemester wieder zusammentrete.
Waldstein gilt vielen Beobachtern als zentrale Figur bei der Entstehung des katholischen Neo-Integralismus. Nach Ansicht von Experten soll er Teil eines rechtskonservativen und reaktionären Netzwerks mit guten Beziehungen in oberste Kreise der US-Politik sein. Der Integralismus ist eine Machtideologie, die darauf zielt, die Gesamtheit des öffentlichen und privaten Lebens den moralischen und dogmatischen Vorgaben der katholischen Kirche zu unterwerfen.
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