FAZ-Journalist Geyer auf "Communio"-Portal: "Kein Ulrich Siegmund ohne eine Wählerschaft, welche beide Augen zuzudrücken bereit ist, um mit dem Politischen ersatzreligiöse Bedürfnisse zu verbinden"
Freiburg, 05.09.2026 (KAP) Warum wählen Menschen eine in Teilen als gesichert rechtsextrem geltende Partei? Diese Frage treibt im Vorfeld der Landtagswahlen in mehreren deutschen Bundesländern - in Sachsen-Anhalt wird am 6. September gewählt - politische Beobachter, Journalisten und auch Theologinnen und Theologen um. Der Journalist Christian Geyer hat nun auf dem Portal "communio.de" in einem Gastbeitrag unterstrichen, dass Menschen ihr Kreuz nicht zuletzt aus "ersatzreligiösen Bedürfnissen" heraus bei der AfD machen. "Kein Ulrich Siegmund ohne eine Wählerschaft, welche beide Augen zuzudrücken bereit ist, um mit dem Politischen ersatzreligiöse Bedürfnisse zu verbinden", schreibt der Journalist der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) am Samstag auf dem Herder-Portal.
Man könne die AfD als eine politische Religion in dem Sinne verstehen, dass sie "ein Erweckungs- und Erlösungsdrama inszeniert, mit Heilserwartungen im Politischen" - und dabei zugleich auf eine leichte Beeinflussbarkeit und Leichtgläubigkeit der Masse setze. Dafür sei der AfD-Spitzenvertreter in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, ein gutes Beispiel, insofern er sich jeder "differenzierten Argumentation und Realitätstauglichkeit" entziehe, eine "Windmaschine des Wechsels" betreibe und sich gegen Kritik immunisiert.
Geyer: "Die Heilserwartung, die er als allmächtige gute Laune schürt, diese Heilserwartung wird in der Ausrichtung auf ihn als eine im Grunde allen diskursiven Rechtfertigungen enthobene Erlöserfigur ersatzreligiös bestimmt. Glaubet an Siegmund, und ihr werdet Berge versetzen - so das vorpolitisch-politische Erlösungsversprechen."
Doch dieses "Erlösungsversprechen" brauche auf der anderen Seite offene Ohren, die auf "autoritäre Heilsangebote" hören und denen "bestimmte psychologische Deformationen" vorausgehen, so Geyer unter Bezugnahme auf die Forschungen von Theodor W. Adorno zum "Autoritären Charakter". So sei die Wahl am Sonntag "auch eine Probe auf die Fähigkeit, Religion und Politik in ihren Eigengesetzlichkeiten unterscheiden zu können, statt den Mangel an differenzierter politischer Argumentation als ersatzreligiöses Heilsangebot zu lesen. Vielleicht beweist der religiöse Mensch gegen diese Versuchung sogar die besseren Nerven."
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