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Tschechien: Kirchenkommission warnt vor prorussischer Desinformation

05.09.2026 13:56
Tschechien/Russland/Ukraine/Krieg/Kirche/Menschenrechte/Ethik
Iustitia et Pax: Menschlichkeit gebietet, an der Seite der Angegriffenen zu stehen - Bischof Holub ruft zu Solidarität, konkreter Hilfe und kritischer Unterscheidung auf
Prag, 05.09.2026 (KAP) Die tschechische Kommission Iustitia et Pax hat vor der zunehmenden Verbreitung prorussischer Positionen und Desinformationen über den Krieg in der Ukraine gewarnt. Es sei alarmierend, wie viele Menschen - darunter Nachbarn und sogar Verwandte - die russische Aggression relativierten und Falschinformationen unkritisch übernähmen, heißt es in einer Erklärung. Die Kommission ruft zu Solidarität, konkreter Hilfe für die Ukraine und einer klaren Unterscheidung zwischen Angreifer und Angegriffenem auf.

Die Ukraine und ihre Bevölkerung seien "Opfer der Aggression Putins" und benötigten "unsere Gebete, konkrete Hilfe, Solidarität und Unterstützung", betont die von Kommissionsvorsitzendem und Pilsner Bischof Tomás Holub unterzeichnete Erklärung. Die russische Aggression erfülle alle Kriterien eines ungerechten Krieges. Die Verteidigung der Ukraine könne hingegen anhand der im Katechismus der Katholischen Kirche genannten Kriterien "mit moralischer Gewissheit als gerecht bezeichnet werden".

"Allein die Menschlichkeit gebietet es, auf der Seite der Angegriffenen, der Leidenden und der Opfer zu stehen - und nicht auf der Seite des Aggressors", so die Kommission. Dennoch würden auch Politiker, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Geistliche weiterhin widerlegte Behauptungen verbreiten. Dazu zählten Aussagen, wonach die Ukrainer selbst für den Krieg verantwortlich seien, die Kämpfe absichtlich verlängerten oder nicht über Frieden verhandeln wollten.

Als einen wesentlichen Grund für die Verbreitung solcher Positionen nennt Iustitia et Pax die zunehmende Informationsisolation eines Teils der tschechischen Gesellschaft. Unter Berufung auf den Jahresbericht des tschechischen Inlandsgeheimdienstes BIS für 2025 heißt es, ein Teil der Bevölkerung habe Kanäle, die Desinformation und Verschwörungserzählungen verbreiten, zu seiner regelmäßigen Informationsquelle gemacht. Dies erhöhe die Anfälligkeit für "Einflussoperationen fremder Mächte".

Zugleich verweist die Kommission auf psychologische Ursachen. Der brutale Krieg wecke Angst, Beklemmung und Unsicherheit über die Zukunft. Menschen neigten deshalb dazu, nach schnellen und einfachen Lösungen zu suchen - etwa nach einem "Frieden nach russischen Vorgaben". Der Instinkt, sich in einer Krise einer autoritären Führung zuzuwenden, sei zwar verständlich. Reifer sei es jedoch, die eigenen Ängste anzuerkennen, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen.

Enormes Ausmaß des Leides

Die Erklärung erinnert auch an das Ausmaß des durch den Krieg verursachten Leids. Nach den darin angeführten Angaben des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte wurden mindestens 16.431 getötete und 48.613 verletzte Zivilisten verifiziert, darunter 803 getötete und 2.960 verletzte Kinder. Mehr als 20.000 Kinder seien deportiert oder gewaltsam verschleppt worden; nur rund 2.500 von ihnen hätten bisher zurückkehren können. Rund 3,7 Millionen Menschen seien innerhalb der Ukraine vertrieben, weitere 4,41 Millionen aus der Ukraine geflüchtete Menschen hätten in der Europäischen Union vorübergehenden Schutz erhalten.

Russland greife zudem wiederholt zivile Infrastruktur, Einkaufszentren, Schulen, Krankenhäuser und Kirchen an und bedrohe die Ukraine sowie andere europäische Staaten mit Atomwaffen, so die Kommission. Ein wirklicher Frieden müsse die Würde jedes Menschen schützen. Er sei "weder in der Ukraine noch anderswo möglich, ohne das Unrecht beim Namen zu nennen und klar zwischen Aggressor und Angegriffenem zu unterscheiden".

Abschließend zitiert Bischof Holub Papst Leo XIV.: "Die Wahrheit ist subtil. Sie offenbart sich uns in unserem inneren Dialog mit Gott ebenso wie im offenen und respektvollen Dialog mit unseren Mitmenschen. Die Wahrheit ist kein Territorium, das verteidigt werden muss, sondern ein Gut, das geteilt werden soll."
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