Papst bereitet Debatte zu strittigen Lehren seines Vorgängers vor
05.09.202614:52
Vatikan/Papst/Familie/Kirche
Zehn Jahre nach "Amoris laetitia" sollen Vorsitzende der Bischofskonferenzen unter anderem den Ist-Stand des Umgang der Weltkirche mit Paaren in "irregulären" Situationen erörtern
Vatikanstadt, 05.09.2026 (KAP) Im Vatikan wird weiter an der Vorbereitung einer weltweiten Bischofsversammlung über das moraltheologisch umstrittene Dokument "Amoris laetitia" von Papst Franziskus gearbeitet. Wie das vatikanische Presseamt am Samstag mitteilte, empfing Papst Leo XIV. den Präfekten der für Familienthemen zuständigen Vatikan-Behörde, Kardinal Kevin Joseph Farrell, sowie den Generalsekretär der weltweiten Synode, Kardinal Mario Grech, in Audienz.
Eine offizielle Mitteilung über den Inhalt des Gesprächs gab es zunächst nicht. Im April hatte der Papst die beiden Kardinäle damit beauftragt, das für den Zeitraum vom 7. bis 14. Oktober in Rom geplante internationale Treffen aller Bischofskonferenz-Vorsitzenden vorzubereiten. Bei dem Treffen geht es um eine Bestandsaufnahme der seelsorgerischen Lage von Paaren und Familien zehn Jahre nach dem Papst-Dokument "Amoris laetitia".
Treffen aller Bischofskonferenz-Vorsitzenden sind ein äußerst seltenes Format in der katholischen Kirche. Kirchenrechtlich gelten sie nicht als Synoden, sie werden aber ähnlich wie Synoden organisiert.
In dem Text "Amoris laetitia" hatte Papst Franziskus seinerzeit eine vorsichtige Öffnung der Kirche für wiederverheiratete Geschiedene und einen anderen Umgang mit Paaren in "irregulären" Situationen angestoßen. Darauf hatten einige konservative Kardinäle und Bischöfe mit scharfer Kritik reagiert. Das nun anberaumte Treffen wird Aufschluss darüber geben, wie dies heute in verschiedenen Regionen der Erde gesehen wird.
Zur Debatte stehen auch die Text-Passagen von "Amoris laetitia" über gleichgeschlechtliche Paare. Damals schrieb Papst Franziskus: "Was die Pläne betrifft, die Verbindungen zwischen homosexuellen Personen der Ehe gleichzustellen, gibt es keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn."
Zugleich rief er damals dazu auf, Menschen mit homosexueller Orientierung in ihrer Würde zu achten und ihnen mit Respekt zu begegnen. Die innerkirchliche Debatte um den Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren hat sich seither weiterentwickelt. Hierzu hat vor allem das Papier "Fiducia supplicans" des vatikanischen Glaubenspräfekten Víctor Fernández von 2023 beigetragen, das eine formlose kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglicht.