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Budapest: Bartholomaios eröffnete neues orthodoxes Kirchenzentrum

07.09.2026 09:13
Ungarn/Österreich/Kirche/Orthodoxie/Ökumene/Bartholomaios/Arsenios
Neue Zentrum "Fanarion" dient als Hauptsitz des Exarchats von Ungarn, das von Metropolit Arsenios (Kardamakis) geleitet wird - Patriarch Bartholomaios: "Fanarion" wird "Fenster zur Ökumene" und Stätte des Dialogs und der Begegnung
Budapest/Wien, 07.09.2026 (KAP) Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel hat am Wochenende in Budapest das neue Kirchenzentrum "Fanarion" und die dazu gehörende Kirche der Drei Hierarchen feierlich geweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Das neue Zentrum des Ökumenischen Patriarchats in Budapest beherbergt u. a. eine große Kirche, zwei Kapellen sowie Veranstaltungsräume und Büros. Das neue Zentrum dient als Hauptsitz des Exarchats von Ungarn, das von Metropolit Arsenios (Kardamakis) geleitet wird. Der Metropolit von Austria ist nicht nur für die griechisch-orthodoxen Gläubigen in Österreich zuständig, sondern als Exarch des Ökumenischen Patriarchats auch für Ungarn. Zu den Feierlichkeiten waren auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Politik, der Kirchen und der Diplomatie gekommen.

Bartholomaios dankte in seiner Ansprache dem ungarischen Staat und dem ungarischen Volk für die "großherzige materielle Gabe" und das Vertrauen in das Patriarchat von Konstantinopel. Das Gebäude (Múzeum utca 11) ist nicht nur offizieller Sitz des Exarchats von Ungarn, sondern auch ein liturgisches, pastorales, karitatives und kulturelles Zentrum. Im Zentrum Budapests öffne sich nun ein "Fenster zur Ökumene" und eine Stätte des vielfältigen Dialogs und der Begegnung.

Der Patriarch hob zudem hervor, dass sich das Ökumenische Patriarchat vehement gegen die Beschneidung der menschlichen Würde einsetze, sei es etwa im Blick auf Rassismus oder moderne Formen der Sklaverei. Es widersetze sich mit ganzer Kraft gegen Tendenzen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergraben. Der Rückgang der Religiosität schwäche das Empfinden für die Unantastbarkeit der Würde des Menschen und seiner Rechte, warnte der Patriarch. Zugleich unterstrich er, dass recht verstandene Religiosität nicht mit Fundamentalismus zu verwechseln sei. Die Religion sei eine Kraft des Friedens, erklärte Bartholomaios und er bekräftigte: "Krieg im Namen der Religion ist Krieg gegen die Religion."

Ungarn und Konstantinopel

In seiner Ansprache an den Patriarchen während der Göttlichen Liturgie dankte Metropolit Arsenios für dessen Anwesenheit und hob die historische Verbindung zwischen Ungarn und dem Patriarchat von Konstantinopel hervor. Die griechische orthodoxe Tradition in Ungarn habe nicht nur eine große Vergangenheit, sondern auch eine große Zukunft, zeigte sich der Metropolit überzeugt.

Im Blick auf das Exarchat von Ungarn sagte Kardamakis: "Heute dienen wir Gemeinden verschiedener Sprachen, bewahren wir das orthodoxe Kulturerbe Ungarns, schützen wir Kunstwerke, unterrichten wir, geben wir Bücher heraus, helfen wir den Bedürftigen und nehmen jene auf, die der Krieg aus ihren Häusern entwurzelt hat, in dem Bemühen, ihnen nicht nur ein Dach zu bieten, sondern auch die Gewissheit, dass sie nicht allein sind." - Damit meinte er vor allem die ukrainischen Flüchtlinge in Ungarn.

Das "Fanarion" werde ein gastlicher und offener Ort der Begegnung und der Bildung an der Schwelle zwischen Ost und West sein, betonte der Metropolit. Und er fügte hinzu: "Von morgen an möge sich dieses Gebäude füllen mit Leben, Gebet, Büchern und Wissen, mit Musik und Kunst, mit Kindern und Jugendlichen, mit Wissenschaftlern, Klerikern, Künstlern, Pilgern, Fremden und Freunden; es mögen Begegnungen von Mensch zu Mensch geschehen, aus dem Osten und aus dem Westen, von Erinnerung und Zukunft, von Kultur und Glaube; es mögen Fragen aufbrechen und, wenn Gott es segnet, Antworten gegeben werden."

Kardamakis dankte Ungarn für die großzügige Unterstützung. Er verstehe diese Gabe nicht als Entschädigung für einen "alten Verlust", sondern als Vertrauensbeweis. - Mit "altem Verlust" meinte der Metropolit den Budapester orthodoxen Mariendom, der bis 1945 zum Ökumenischen Patriarchat gehörte, dann aber von den sowjetischen Besatzern an die Russisch-orthodoxe Kirche übergeben wurde.

Abgeschlossen wurden die Festlichkeiten in Budapest mit einer Großen Erzbischöflichen Vesper, der Erzbischof Eugenios von Kreta vorstand. Die Göttliche Liturgie wurde auf Ungarisch vom Chor des Exarchates und auf Griechisch vom Chor der Metropolis von Austria gesungen.

Exarchat von Ungarn

Die offizielle Bezeichnung der griechisch-orthodoxen Diözese von Österreich und Ungarn lautet "Metropolis von Austria und Exarchat von Ungarn und Mitteleuropa". In Ungarn gibt es zwischen 8.000 und 10.000 Gläubige, die dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel - der Griechisch-orthodoxen Kirche - zuzurechnen sind.

Als ständiger Vertreter von Metropolit Arsenios wirkt in Ungarn Weihbischof Paisios (Larentzakis). Kirchen und Kirchengemeinden gibt es in Budapest, Beloiannisz, Szigetszentmiklos, Karcag, Kecskemet und Szentes. In Budapest feierte die griechisch-orthodoxe Gemeinde bisher ihre Gottesdienste in einer kleinen Kapelle, die den Heiligen Hierotheos und Stephanus geweiht ist.

2014 kam es zum Abschluss einer Art Konkordat zwischen Ungarn und dem Patriarchat von Konstantinopel. 2016/17 wurde dem Exarchat von der ungarischen Regierung ein Gebäudekomplex in der Budapester Innenstadt übergeben, der nun das administrative, spirituelle und soziale Zentrum der griechischen Kirche in Ungarn ist.

Die Verbindungen zwischen Ungarn und Konstantinopel reichen mehr als tausend Jahre zurück, sichtbar an den Beispielen des heiligen Königs Stephan I. (975-1038) und des heiligen Bischofs Hierotheos, der im 10. Jahrhundert von Konstantinopel aus nach Ungarn kam, um zu missionieren. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat im Jahr 2000 Hierotheos und König Stephan I. zu Heiligen der orthodoxen Kirche des Patriarchats von Konstantinopel ernannt.

Die eigentliche Geschichte der griechisch-orthodoxen Gläubigen in Ungarn beginnt im 18. Jahrhundert. Nach der habsburgischen Wiedereroberung Ungarns Ende des 17. Jahrhunderts kamen viele orthodoxe Immigranten aus den weiterhin osmanischen Gebieten in das heutige Ungarn. Orthodoxe Kaufleute griechischer und balkanromanischer (Vlachen) Herkunft errichteten in Budapest eine erste Kirche - die Marienkirche. Diese wurde 1922 Sitz der neuen mitteleuropäischen Metropolis des Ökumenischen Patriarchats.

Die Metropolis hatte aber in dieser Form nur kurz Bestand. Nach der sowjetischen Besetzung Ungarns 1945 übergab dessen nun kommunistische Führung das Gotteshaus an das Moskauer Patriarchat. Das war auch das Ende für die griechisch-orthodoxe Metropolis in Ungarn. Zugleich erfolgte aber ein letzter Zuwachs an Griechisch-orthodoxen, als in den 1940er/50er Jahren nach dem Ende des griechischen Bürgerkriegs viele Anhänger der Kommunisten in die sogenannten "sozialistischen Länder" und damit auch nach Ungarn emigrierten.

Eine ungarische Jurisdiktion Konstantinopels wurde erst 1963 wieder errichtet und der Metropolis von Österreich als Exarchat angeschlossen. Dieses Exarchat bestand jedoch bis zur politischen Wende von 1990 nur auf dem Papier. Erst dann konnte der Wiener Metropolit Michail Staikos (1991-2011) eine Seelsorge für die zahlreichen Flüchtlinge aus dem griechischen Bürgerkrieg 1946-49 und ihre Nachkommen in Ungarn organisieren. Nicht zurückgegeben wurde Staikos aber der Budapester Mariendom, obwohl er sich an alle Instanzen der ungarischen Justiz wandte. Auch Metropolit Arsenios konnte in der Causa bislang keine Fortschritte erzielen.
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