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Stanislav Pribyl
Bild Copyright: © Anička Guthrie / Člověk a Víra

Prager Erzbischof räumt Vertrauenskrise der Kirche ein

07.09.2026 14:33
Tschechien/Kirche
In seinem ersten Hirtenwort geht Stanislav Pribyl auch auf Kirchenskandale und die wirtschaftliche Zukunft der Kirche in Tschechien ein
Prag, 07.09.2026 (KAP) Der neue Prager Erzbischof Stanislav Pribyl räumt im ersten Hirtenbrief seit seinem Amtsantritt eine Krise des Vertrauens in der katholischen Kirche ein. Dieses Vertrauen sei "in vielerlei Hinsicht erschüttert", schreibt Pribyl in dem am Sonntag (6. September) veröffentlichten Brief an die Gläubigen der Erzdiözese Prag. Besonders schwer hätten zuletzt Verdachtsfälle "verwerflicher moralischer und vermögensrechtlicher Vergehen, sogar von Gewalt" in der Erzdiözese sowie der Fall sexuellen Missbrauchs durch einen Priester gewogen.

Er habe angesichts der Vorwürfe "unverzüglich und entschieden" gehandelt, versichert Pribyl. Nun müssten die zuständigen Behörden und Institutionen die Verdachtsmomente gründlich untersuchen und daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen, so der Erzbischof von Prag. Der 54-jährige Pribyl ist seit Ende April als Nachfolger von Jan Graubner offiziell als Diözesanbischof der tschechischen Hauptstadtdiözese im Amt. Zuvor leitete er als Bischof seit 2024 die Diözese Leitmeritz.

Nach Amtsantritt ließ Pribyl neben der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen sämtliche wirtschaftlichen Abläufe der Prager Erzdiözese überprüfen. Vor wenigen Wochen sorgte ein Bericht der Zeitung DennikN für Aufsehen, wonach externe Experten bei den Überprüfungen offenbar erhebliche finanzielle Verluste der Erzdiözese durch nachteilige Verträge festgestellt haben und es in mehreren Fällen auch einen Verdacht auf strafbares Handeln gebe. Zuvor waren auch Missbrauchsvorwürfe gegen einen früheren leitenden Mitarbeiter der Erzdiözese bekanntgeworden.

Er teile mit den Gläubigen Schmerz, Frustration und Scham, so Pribyl in seinem aktuellen Hirtenwort. Als Beitrag zur Aufarbeitung und zur Wiederherstellung des Vertrauens kündigt der Erzbischof eine Bußwallfahrt nach Hajek bei Prag für den 5. Oktober an. Es genüge nicht, ausschließlich nach menschlichen Lösungen zu suchen, betont Pribyl. Die Kirche müsse Gott auch um die Heilung der Wunden der Vergangenheit und um die Gnade eines Neuanfangs bitten.

Nicht Geld, sondern Beteiligung der Menschen entscheidend

Ausführlich befasst sich Pribyl in dem Schreiben auch mit der wirtschaftlichen Zukunft der Kirche in Prag und ganz Tschechien. Die vollständige finanzielle Trennung vom Staat rücke unaufhaltsam näher, erinnert der Prager Erzbischof. Hintergrund ist, dass sich der tschechische Staat im Rahmen der schon vor Jahren mit der Kirche geschlossenen Restitutionsvereinbarungen bis 2030 schrittweise von der Finanzierung der Priestergehälter zurückzieht.

Die Kirchen-Verantwortlichen müssten daher zwar gute Verwalter des kirchlichen Vermögens sein. Ihre Aufgabe bestehe jedoch nicht darin, aus der Kirche einen Rentier zu machen, der ausschließlich von den Erträgen seiner Immobilien, Aktien oder anderer Investitionen lebe. Für das Leben und Gedeihen der Kirche sei nicht in erster Linie materielles Kapital entscheidend, sondern die Beteiligung der Menschen, gegenseitiges Vertrauen, Zusammengehörigkeit und die Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung zu tragen, betont Pribyl.

Auch die wirtschaftliche Beteiligung und Mitverantwortung der Gläubigen gehörten zur synodalen Dimension der Kirche. Diese setze jedoch Vertrauen voraus. Der synodale Weg dürfe nach den Worten des Erzbischofs keine bloße Formalität bleiben, sondern müsse zu einer gelebten Wirklichkeit werden.

Frieden als Programm der Amtszeit

Als Leitmotiv seines bischöflichen Dienstes nannte Erzbischof Pribyl im Hirtenwort den Gruß des auferstandenen Christus "Der Friede sei mit euch!" In einer von Spaltungen, Unruhe, innerer Zerrissenheit und zahlreichen Verletzungen geprägten Zeit brauche die Gesellschaft den Frieden Christi dringend. Die erste Aufgabe der Christen bestehe weder darin, vollkommen zu sein, noch alle Probleme der Welt zu lösen, sondern Frieden im Herzen zu tragen und selbst zu Friedensstiftern zu werden.

Seine Aufgabe als Bischof bestehe darin, die Gemeinschaft der Gläubigen in ihrem Zusammenhalt zu stärken und ihr zugleich Orientierung zu geben, schreibt Pribyl. Die zentrale Aufgabe eines kirchlichen Leitungsverantwortlichen liege nicht in erster Linie darin, Strukturen, Aktivitäten oder Prozesse zu verwalten. Vielmehr müsse er Zeuge Christi sein und die ihm anvertrauten Menschen zur Freiheit der Kinder Gottes führen. Er wolle "Bischof für euch und Christ gemeinsam mit euch" sein, erklärte Pribyl abschließend und bat die Gläubigen um ihr Gebet.

(Website Erzdiözese Prag: https://apha.cz/, Hirtenwort von Erzbischof Pribyl, tschechisch: https://apha.cz/novinky/pastyrsky-list-na-zacatku-skolniho-roku-a-na-pocatku-spolecne-cesty/)
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