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Nora Tödtling-Musenbichler
Bild Copyright: © Caritas/Harald Eisenberger

Caritas fordert armutsfeste Kindergrundsicherung statt Zukunftsdepot

07.09.2026 13:16
Österreich/Hilfsorganisation/Politik/Kind/Soziales/Finanzen
Präsidentin Tödtling-Musenbichler: "Eine gute Zukunft beginnt nicht erst mit einem finanziellen Polster für später" - Erneuter Ruf nach Kindergrundsicherung, leistbarer Kindergarten- und Nachmittagsbetreuung und bundesweit einheitlicher Sozialhilfe
Wien, 07.09.2026 (KAP) Die Caritas hat einmal mehr eine armutsfeste Kindergrundsicherung gefordert und Kritik an dem von der ÖVP vorgeschlagenen Zukunftsdepot geäußert, mit dem Eltern für ihre Kinder steuerfrei Geld ansparen können sollen. Die Hilfsorganisation warnt nach dem Familienbonus vor einer neuen staatlichen Förderung für Kinder, von der ihrer Ansicht nach vor allem Familien mit größeren finanziellen Spielräumen profitieren würden. "Es ist richtig, in die Zukunft unserer Kinder zu investieren. Aber staatliche Unterstützung muss alle Kinder erreichen - unabhängig davon, wie viel Geld ihre Eltern selbst auf die Seite legen können", erklärte Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler in einer Aussendung am Montag. Wer selbst wenig oder gar nichts ansparen könne, profitiere weniger.

Nach den Plänen der ÖVP sollen Eltern ab der Geburt eines Kindes ein steuerfreies Depot anlegen können. Der Staat soll ab 2027 ein Startguthaben von 500 Euro beisteuern. Jährlich sollen bis zu 5.000 Euro eingezahlt werden können. Das an den Finanzmärkten angelegte Geld soll erst ab dem 18. Geburtstag entnommen werden dürfen. Bis dahin sollen weder Kapitalertragsteuer (KESt) noch Kontoführungsgebühren anfallen.

Ein Startguthaben von 500 Euro sei zwar eine Unterstützung, könne aber eine armutsfeste Absicherung, gute Bildung und verlässliche Betreuung nicht ersetzen, äußerte sich Tödtling-Musenbichler zum Zukunftsdepot. "Eine gute Zukunft beginnt nicht erst mit einem finanziellen Polster für später. Sie beginnt damit, dass Kinder heute ohne Armut aufwachsen und unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern echte Chancen bekommen. Genau daran muss sich eine Politik für Kinder messen lassen", so die Caritas-Präsidentin.

Die Bundesregierung habe eine Kindergrundsicherung angekündigt und sich zum Ziel gesetzt, Kinderarmut zu halbieren. Gleichzeitig erhöhten aber die weiterhin hohen Lebenshaltungskosten und Sparmaßnahmen - etwa die Nicht-Valorisierung der Familienbeihilfe - den finanziellen Druck auf armutsgefährdete Familien, hieß es seitens der Caritas. Das zeige sich gerade am Schulbeginn: Dann kämen zusätzliche Ausgaben für Schulsachen, Beiträge und Schulveranstaltungen hinzu, während die Kosten für Wohnen, Lebensmittel und Energie weiterhin hoch blieben.

Die Caritas fordert daher eine Kindergrundsicherung, die wirksam vor Armut schützt, sowie gute und leistbare Kindergarten- und Nachmittagsbetreuung inklusive Verpflegung, hieß es in der Aussendung. Gleichzeitig appelliert die kirchliche Hilfsorganisation an die Bundesregierung, die laufenden Verhandlungen über eine bundesweit einheitliche Sozialhilfe erfolgreich abzuschließen und dabei insbesondere die Situation von Kindern in den Mittelpunkt zu stellen.
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