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Belgrader Patriarch leitet Trauerfeier für Kriegsverbrecher Mladic

07.09.2026 15:43
Serbien/Kirche/Orthodoxe/Mladic/Kriegsverbrechen
Tausende Sympathisanten ehren den "Schlächter vom Balkan" als Helden - Serbisch-orthodoxes Kirchenoberhaupt: "Die orthodoxe Kirche betet für alle Menschen"
Belgrad, 07.09.2026 (KAP) Der serbisch-orthodoxe Patriarch Porfirije (Peric) persönlich hat am Montag in Belgrad den Gedenkgottesdienst zur Beerdigung des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladic geleitet. "Die orthodoxe Kirche betet für alle Menschen" und überlasse Gott das Urteil über jeden Menschen, sagte der Belgrader Patriarch, der den als "Schlächter des Balkan" bekannten Mladic in seiner Predigt in der St.-Lukas-Kirche durchgängig "General Ratko" nannte. Das orthodoxe Belgrader Patriarchat veröffentlichte die Worte des Kirchenoberhaupts am Sarg von Mladic auf seinem Online-Portal.

Mladic sei Christ gewesen, so der Patriarch; sein Name werde "tief in der Erinnerung und in den Gebeten des Großteils des serbisch-orthodoxen Volkes verankert bleiben, das ihn als Soldaten und Befehlshaber betrachtet, der in einer schwierigen und tragischen Zeit an der Spitze der Armee seines Volkes stand und sein Leben für die Freiheit und das Überleben seines Volkes opferte", sagte Porfirije wörtlich.

"Wir stehen vor einem Leben, das untrennbar mit einer schrecklichen Epoche verbunden ist - einem grauenhaften Krieg, verlorenen Heimen, verlorenen Leben und Gräbern. Deshalb beten wir, während wir für die Seele des Verstorbenen beten, auch für all jene, deren Leben ausgelöscht wurde", so der Patriarch weiter.

Hauptverantwortlich für Massaker von Srebrenica

Mladic war am 27. August im Alter von 84 Jahren in einem UN-Gefängniskrankenhaus in Den Haag gestorben. In der Haftanstalt hatte er eine lebenslange Freiheitsstrafe für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord während des Bosnienkriegs (1992-1995) verbüßt. Als Armeechef der Republika Srpska war er einer der Hauptverantwortlichen etwa für das Massaker von Srebrenica mit mehr als 8.000 Ermordeten, ebenso für die knapp vierjährige Belagerung der Hauptstadt Sarajevo.

Nationalistische Kräfte und einige ethnische Serben verehren Mladic bis heute als Volkshelden. Auch am Begräbnis in Belgrad am Freitag nahmen Tausende Menschen teil. Mit Flaggen und Plakaten, die Mladics Porträt trugen, geleiteten sie den Sarg von der St.-Lukas-Kirche zu einem Friedhof.

Mehr als 300 Priester

Wie die Nachrichtenagentur KNA berichtet, nahmen an der Zeremonie nahmen laut örtlichen Medien mehr als 300 orthodoxe Priester, Mladics Familie und mehrere serbische Minister teil. Aus der bosnischen Teilrepublik Srpska waren der nationalistische Politiker Milorad Dodik sowie die ethnisch-serbische Vertreterin des bosnischen Staatspräsidiums, Zeljka Cvijanovic, angereist. Auch der Sohn von Staatspräsident Aleksandar Vucic, Danilo, wurde von Reportern gesichtet.

Die Ehrenbezeigungen für Mladic sorgten seit Tagen für Spannungen zwischen Serbien, seinen Nachbarstaaten und der EU. EU-Eweiterungskommissarin Marta Kos sagte ihren für diese Woche geplanten Besuch in Belgrad ab. Die Verherrlichung Mladics sei unvereinbar mit den Werten, auf denen der Weg in die EU gründe. Serbiens Präsident Vucic nannte die Kritik der EU-Vertreterin "dumm".
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