Theologe: Auf Stocken der Synodalität gemeinsame Antwort finden
08.09.202610:03
Ungarn/Kirche/Wissenschaft/Synodalität
Ungarischer Experte Máté-Tóth: Zögerliche und "selektive" Rezeption der Synodalität kein osteuropäisches Sonderproblem, sondern auch in Westeuropa zu finden
Budapest, 08.09.2026 (KAP) Eine stockende Rezeption der Synodalität nimmt der ungarische Theologe András Máté-Toth in der katholischen Kirche wahr - und zwar nicht nur Ost- und Mitteleuropa, sondern auch in Europa insgesamt. Die Resonanz auf den synodalen Prozess sei "auffallend zurückhaltend", schreibt Máté-Tóth in einer Analyse auf der ungarischen Website "megujul.hu" mit Blick auf die bevorstehenden Beratungsgespräche über Synodalität im oberösterreichischen Bildungshaus Schloss Puchberg. Bislang konzentriere sich der Prozess vor allem auf die seelsorgliche und spirituelle Dimension. Die eigentliche Mitentscheidung der Laien werde dagegen "beharrlich ferngehalten". Die Rezeption sei deshalb nicht nur langsam, sondern "selektiv".
Als Ursache in Ost- und Mitteleuropa nennt Máté-Tóth eine "verwundete kollektive Identität", die durch historische Erfahrungen wie etwa die kommunistische Verfolgung geprägt worden sei. Diese Identität führe dazu, Neues eher als Bedrohung denn als Chance wahrzunehmen. Auch die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils sei in der Region vielfach auf die Liturgiereform konzentriert geblieben; Impulse wie das Verständnis der Kirche als Volk Gottes, ihr Verständnis als Gemeinschaft und das allgemeine Priestertum der Gläubigen seien dagegen kaum ausreichend in die Praxis umgesetzt worden.
Beide Reformimpulse stießen damit auf eine ähnliche kirchliche Grundstruktur. Dazu gehörten laut Máté-Tóth "die klerikal organisierte Theologie, die Kluft zwischen Laien und Theologen in Theorie und Praxis, die theologische Kultur, die sich 'von der Tradition zur Wiederholung' verengt, sowie eine Art fortwährende, kulturkämpferische Grundhaltung". Diese Faktoren beruhten auf einer Einstellung, "an der jede Reform gleichermaßen scheitert".
Bedrohungsreflexe
Nach Máté-Tóths Einschätzung verstärkt sich in als bedrohlich empfundenen Situationen die Tendenz, Entscheidungen stärker an die Spitze der Hierarchie zu verlagern. Zugleich wachse die Bindung an das Gewohnte und an klar abgegrenzte, hierarchisch und autoritär strukturierte Gruppen. Dadurch könne sich die für Synodalität notwendige Offenheit ins Gegenteil verkehren: An die Stelle gemeinsamer Beratung und Beteiligung trete die Ablehnung eines vermeintlichen "Parlamentarismus".
"Die Angst heute keine osteuropäische Besonderheit mehr", betont Mate-Toth. Auch Konflikte in westlichen Kirchen, die Spannungen um den "deutschen Synodalen Weg" und die zunehmende Polarisierung könnten Ausdruck derselben Angst sein. Das Stocken der Synodalität verlange daher nach einer gemeinsamen europäischen Antwort.
Komma statt Punkt
Als Ausweg nennt der ungarische Theologe lebendigen Glauben und tragfähige, barmherzige Gemeinschaften. Angst müsse in Zuversicht und Offenheit verwandelt werden. "Vergebung ist in erster Linie kein Gefühl, sondern eine Haltung und eine Entscheidung", schreibt Máté-Tóth. Entscheidend sei, "am Ende des Satzes des Leidens keinen Punkt, sondern ein Komma" zu setzen.
Unter diesen Voraussetzungen könne Synodalität als Ausdruck von Koinonia, also des gemeinsamen Unterwegsseins und der Synode, verstanden werden - nicht als "bedrohlicher Parlamentarismus". Dazu passe der Appell von Papst Leo XIV. vom 8. Mai 2025, es gelte "ohne Furcht, in Einheit, Hand in Hand mit Gott und untereinander" weiterzugehen.
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