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Diözese Feldkirch: Kirchliche Heimat für "spirituell Obdachlose"

08.09.2026 10:56
Österreich/Kirche/Wissenschaft/Religion/Glaube
Herbstsymposion 2026 diskutierte über neue Formen kirchlicher Zugehörigkeit - "Obdachlos katholisch"-Autorin Laudage-Kleeberg plädiert für "Angebot statt Gesetz" - Religionswissenschaftler Rötting: Pastoral als Unterstützung eigenes Lebens-"Navi" zu entwickeln
Feldkirch, 08.09.2026 (KAP) Die Suche nach kirchlicher Heimat für "spirituell obdachlose" Menschen war zentrales Thema des Herbstsymposions der Diözese Feldkirch. Mehr als 120 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Religionslehrkräfte beschäftigten sich am Montag im Bildungshaus St. Arbogast unter dem Titel "Auf der Suche nach Obdach - Wie kann Kirche Menschen heute Heimat geben?" mit den Bedingungen kirchlicher Gemeinschaft. Thema war zudem Spannungen zwischen Verbundenheit mit der katholischen Kirche und Kritik an deren Institutionen. Als Referenten sprachen die Autorin des Buchs "Obdachlos katholisch", Regina Laudage-Kleeberg, sowie der Salzburger Religionspädagoge und Religionswissenschaftler Martin Rötting. Eröffnet wurde das Herbstsymposion von Pastoralamtsleiterin Petra Vonier-Pösel.

Weder Heimat noch Identität seien starren Größen, sondern verändere sich im Lauf des Lebens, machte Rötting laut Bericht auf dem diözesanen Online-Portal "kath-kirche-vorarlberg.at" in seinem Vortrag deutlich. Er verglich sie mit einem Navigationssystem und verwies auf Familie, Religion, persönliche Erfahrungen und spirituelle Vorbilder als prägende Faktoren. Gerade Religionslehrkräfte und Mitarbeiter der Jugendpastoral könnten Biografien nachhaltig beeinflussen.

Für die Pastoral bedeute das, Menschen nicht einfach einen "richtigen" Weg vorzugeben, sondern sie bei der Suche nach ihrer eigenen Orientierung zu begleiten, so Rötting. Es gehe um Unterstützung das eigene "Navi" für das Leben zu entwickeln. Zugleich warnte er vor einer Religion, die sich angesichts gesellschaftlicher Veränderungen in eine "Bastion" zurückziehe. Stattdessen brauche es Begegnungsräume, in denen Religion, Kunst, Musik und Gesellschaft miteinander ins Gespräch kommen.

Sehnsucht und Widerstand

Die Autorin und Theologin Laudage-Kleeberg, die über ihr Buch "Obdachlos katholisch" sprach, beschrieb Zugehörigkeit zur Kirche als ambivalent. Menschen könnten sich dem Glauben und seinen Werten verbunden fühlen und zugleich wegen institutionellen Versagens, insbesondere im Umgang mit Missbrauch, Wut und Widerstand empfinden. Diese "Zerrissenheit", so Laudage-Kleeberg, erlebten viele Menschen, die katholisch bleiben wollten und zugleich mit ihrer Kirche ringen. Kritik müsse dabei nicht das Gegenteil von Zugehörigkeit sein, sondern könne Ausdruck tiefer Verbundenheit sein.

Für eine offenere Form kirchlicher Präsenz plädierte Laudage-Kleeberg mit dem Leitgedanken "Angebot statt Gesetz". Kirche solle weniger darauf warten, dass Menschen zu ihr kommen, und sich stärker dorthin bewegen, wo diese leben. Zugehörigkeit könne bereits durch einfache Gesten entstehen, etwa durch einen freundlichen Empfang an der Kirchentür oder zugängliche Formen des Gebets. Der Auftrag der Kirche sei nicht Mitgliederwerbung, sondern glaubwürdiges Anbieten dessen, was Christen selbst trägt, ohne es anderen aufzudrängen.

Das Symposium fragte zudem nach dem Umgang von Kirche mit neuen Technologien wie KI. Als positives Beispiel nannte Laudage-Kleeberg den KI-Chatbot Antonius der Diözese Feldkirch; so sei Künstlicher Intelligenz eine Möglichkeit, Seelsorgern Zeit für persönliche Begegnungen zu verschaffen. Technologie könne Sachinformationen und Routinen unterstützen, persönliche Gespräche und Empathie aber nicht ersetzen.
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