Evangelischer Pastor während eines Gottesdienstes bedroht, Hauskirche gestürmt
Neu-Delhi, 08.09.2026 (KAP) Im indischen Bundesstaat Westbengalen sind am Wochenende nach Angaben christlicher Vertreter zwei mutmaßlich religiös motivierte Angriffe auf Christen verübt worden. In einem Fall soll ein protestantischer Pastor während eines Gottesdienstes verschleppt, in einem anderen eine presbyterianische Hauskirche verwüstet worden sein, berichtet das Nachrichtenportal "Ucanews" (Montag).
Am Sonntag drangen demnach rund 25 Menschen in ein christliches Haus im Dorf Nandapurya ein, wo ein Pastor gerade einen Gebetsgottesdienst leitete. Der Geistliche sei bedroht und in ein örtliches Büro der regierenden Bharatiya Janata Party (BJP) gebracht worden, wo man ihn misshandelt habe, hieß es. Später sei er freigekommen, nachdem er laut dem Bengal Christian Council eine Erklärung unterzeichnet hatte, keine weiteren Gottesdienste in den umliegenden Dörfern abzuhalten. Zudem habe man ihn gezwungen, Christen zur Rückkehr zum Hinduismus aufzufordern.
Zeitgleich stürmten nach Angaben von Kirchenvertretern etwa 125 Menschen eine presbyterianische Hauskirche im Dorf Rangilabasan. Das Gebäude wurde beschädigt, ein Kreuz zerbrochen. Auch ein Christ soll angegriffen worden sein. Christliche Organisationen forderten eine schnelle und unabhängige Untersuchung sowie besseren Schutz für die betroffenen Gemeinden.
Auch Vertreter der katholischen Kirche reagierten mit Forderungen nach einem entschlossenen Vorgehen der Behörden. Der Kanzler der Erzdiözese Kalkutta, Dominic Gomes, betonte gegenüber "Ucanews", Gewalt, Einschüchterung und die Schändung von Gebetsstätten seien "inakzeptabel" und machten eine schnelle, unabhängige Untersuchung sowie die Bestrafung der Verantwortlichen verantwortlich.
John Dayal von der All India Catholic Union warnte, Häufigkeit und Ausmaß antichristlicher Gewalt in Westbengalen hätten ein alarmierendes Niveau erreicht. Das Bundesland drohe damit zu Staaten wie Chhattisgarh, Odisha und Uttar Pradesh aufzuschließen, in denen die Gewalt gegen Christen besonders ausgeprägt sei. Das Schweigen führender Regierungsvertreter verstärke zudem bei Christen den Verdacht, die Übergriffe könnten von Teilen der Politik und der hindu-nationalistischen BJP unterstützt werden.