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Großdemos in Indonesien: Kirche unterstützt "Ruf nach Gerechtigkeit"

08.09.2026 11:05
Indonesien/Demonstration/Korruption/Kirche/Unruhen
Vertreter der Bischofskonferenz: Protestbewegung hat "keine religiöse, sondern eine ethische Grundlage" - Kirchenvertreter betonen gemeinsame Anliegen wie Menschenwürde, Gemeinwohl und Sorge um Frieden
Jakarta/Rom, 08.09.2026 (KAP) Tausende Menschen haben in den vergangenen Wochen vor dem indonesischen Parlament in Jakarta gegen Korruption demonstriert. Für die katholische Kirche des mehrheitlich muslimischen Landes spiegeln die Proteste eine breitere gesellschaftliche Forderung wider. Vor allem gehe es um transparentere Institutionen, mehr demokratische Beteiligung und eine Politik, die dem Menschen dient, erklärten Vertreter der Ortskirche dem Portal "Vatican News".

"An den Demonstrationen der vergangenen Tage nahmen nicht nur Studenten teil, sondern auch ganz normale Menschen", sagte Aloysius Budi Purnomo, Sekretär der Kommission für interreligiöse Beziehungen der Indonesischen Bischofskonferenz. Er sprach von einem "Ruf nach Gerechtigkeit". Besonders viele Demonstranten seien aus Zentraljava gekommen, wo es Fälle schwerer Korruption gegeben habe. Die Bewegung habe keine religiöse, sondern eine "ethische Grundlage".

Bereits am 17. August hatten Indonesiens Bischöfe vor einer "multidimensionalen Krise" gewarnt, die Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Umwelt und Moral betreffe. Sie nannten Korruption, Ungleichheit und den Verfall öffentlicher Ethik als zentrale Probleme. Die Kirche wolle sich nicht an die Stelle der Politik setzen, sondern sie an ihren eigentlichen Auftrag erinnern: dem Menschen und der Gemeinschaft zu dienen.

Der Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke, Alfonsus Widhiwiryawan, betonte gegenüber "Vatican News", dass viele Anliegen der Proteste unmittelbar zum Auftrag der katholischen Kirche gehörten, darunter "die Verteidigung der Würde des Menschen, die Förderung des Gemeinwohls und die Sorge um den Frieden".

Stellung bezog Widhiwiryawan auch zu den Ausschreitungen, zu denen es nach dem großen Protestzug vor dem Parlament in Jakarta seit dem 28. August gekommen war. Die Behörden machten dafür Gruppen verantwortlich, die nicht zur eigentlichen Protestbewegung gehörten. Mehr als 300 Menschen wurden festgenommen, ein Zivilist starb nach einem Schlag während der Unruhen. "Die Forderung nach Gerechtigkeit verliert ihre Kraft, wenn sie in Gewalt umschlägt", warnte Widhiwiryawan. Zugleich dürfe der Schutz der öffentlichen Ordnung nicht zum Vorwand werden, "die Beteiligung der Bürger zu ersticken".

Unter dem Druck der Straße verpflichtete sich die Parlamentsführung, bis zum 15. Dezember ein Gesetz zur Beschlagnahmung illegal erworbenen Vermögens zu verabschieden.

In Indonesien leben mehr als 270 Millionen Menschen. Rund 87 Prozent der Bevölkerung sind Muslime; daneben gibt es bedeutende christliche Gemeinschaften sowie Hindus, Buddhisten und Angehörige weiterer religiöser Traditionen. Die Forderungen nach mehr Transparenz, Gerechtigkeit und einer Politik im Dienst des Menschen verbinden dabei Menschen unterschiedlicher religiöser und gesellschaftlicher Herkunft.
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