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Blick vom Klosterwald auf die Gemeinde Kirchberg am Wechsel
Klimawandel
Bild Copyright: © Klosterwald.at

Trockenheit und Waldbrände: Kirchliche Forstbetriebe gefordert

09.09.2026 08:23
Österreich/Kirche/Wald/Wirtschaft/Feuer/Naturkatastrophe/Klimaveränderung/Klimaerwärmung/Umwelt
Regionalkoordinatorin im steirischen Projekt "Wald & Kirche", Laubreiter: Klimawandel braucht ethische und spirituelle Antworten - Forstverantwortlicher Stift Rein, Soritz: Waldbrandgefahr "keine theoretische Gefahr" mehr
Wien/Graz, 09.09.2026 (KAP) Ordensgemeinschaften und Diözesen sehen Wald und Forstwirtschaft angesichts des Klimawandels nicht nur als wirtschaftliche Ressource, sondern auch als Teil ihrer Schöpfungsverantwortung. Trockenheit und Waldbrände stellen die traditionell großen kirchlichen Waldbesitzer vor langfristige Herausforderungen. "Der Klimawandel braucht nicht nur technische, sondern auch ethische und spirituelle Antworten", sagt Martina Laubreiter, verantwortlich für den Bereich "Wald & Kirche" der Diözese Graz-Seckau, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress (Mittwoch). "Wir müssen wieder bewusst wahrnehmen, dass wir Teil der Natur sind." Die Kirche könne dabei eine "Brückenfunktion zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Fragestellungen" übernehmen.

Für Laubreiter geht es um mehr als um Forstwirtschaft. Die Entfremdung des Menschen von der Natur sei ein Grund dafür, "warum wir die Natur so behandeln, wie wir sie behandeln". Die Kirche könne helfen, Natur wieder unmittelbar erfahrbar zu machen. Der Wald könne auch "ein pastoraler und sozialer Ort" sein. Im Sinne der Enzyklika "Laudato si'" des verstorbenen Papst Franziskus (2013-2025) müsse die Verbundenheit mit der Natur nicht nur verstanden, sondern erfahren werden: "Das kann man nicht nur über den Kopf erfahren, sondern muss es spüren." Das Projekt "Wald & Kirche" gehört zu den sogenannten Pionierprojekten der Diözese Graz-Seckau.

Waldbrand und Trockenheit

Wie konkret die Folgen bereits sind, zeigt der Waldbrand am Mühlbachkogel im Wald des Stiftes Rein im April dieses Jahres. Rund 70 Hektar, überwiegend Jungbestände, waren betroffen. Der Brand dauerte 17 Tage, rund 2.000 Einsatzkräfte mit mehr als 500 Fahrzeugen und Hubschraubern waren im Einsatz. Die genaue Ursache ist nicht bekannt; laut Stifts-Förster Florian Soritz ist aber von einem menschlichen Auslöser auszugehen. Auf den zerstörten Flächen sollen ab Herbst rund 70.000 Forstpflanzen gesetzt werden, darunter trockenheitsresistentere Arten wie Kiefer und Eiche. Für die Wiederherstellung seien rund 10.000 Arbeitsstunden nötig, so Soritz.

Die Waldbrandgefahr müsse inzwischen anders wahrgenommen werden, so der Förster: "Die Waldbrandgefahr ist keine theoretische Gefahr, sondern in der Praxis schon da." Bereits im April sei es sehr trocken gewesen; selbst in rund 900 Metern Seehöhe trockne der Wald rasch aus. Bewusstseinsbildung - etwa zu Verschmutzung oder kleinen Feuern - werde deshalb wichtiger.

Wald für Generationen

Die Entscheidungen von heute reichen in der Forstwirtschaft weit in die Zukunft. "Erst in 50 bis 100 Jahren erkennt man, wie sich die Maßnahmen, die man gepflanzt hat, entwickeln", meint dazu Soritz. In der Planung müsse man deshalb nicht nur fragen, "was der Wald heute braucht, sondern auch, was er morgen braucht". Laubreiter verweist ebenfalls auf die langen Zeiträume: "Was wir jetzt pflanzen, hat Auswirkungen in 50 bis 60 Jahren."

Gerade für einen kirchlichen Forstbetrieb sieht Soritz darin eine Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Das Stift Rein - das älteste durchgehend bestehende Zisterzienserkloster der Welt - bewirtschaftet seine Wälder seit 900 Jahren; zugleich dienen sie als Naherholungsgebiet und zur Trinkwasserversorgung. "Man legt für die nächsten zwei Generationen einen Grundstein, dieser Verantwortung sollte man sich schon bewusst sein", so der Förster. Mithilfe von Klimamodellen werde mittlerweile untersucht, welche Baumarten an bestimmten Standorten unter unterschiedlichen Klimaszenarien künftig bestehen können. "Wir sind nicht nur Nutzer, sondern auch Teil des Systems", beschreibt der Förster die Verantwortung der Menschen für das Ökosystem.

Die Forstwirtschaft müsse stärker auf Mischwälder und Biodiversität setzen, betont dazu auch Laubreiter. "Je höher die Biodiversität, desto mehr können die Wälder mit dem Klimawandel umgehen." Denn auch abseits von Waldbränden sind die Folgen der Trockenheit sichtbar. Bäume leiden unter Wassermangel, wachsen weniger und werfen bereits Blätter ab. Auch die Bäche waren im Sommer ausgetrocknet und das Wild sowie die Bodenlebewesen erheblichen Trockenstress ausgesetzt. Die geringe Wasserverfügbarkeit beeinflusst etwa Lebensbedingungen, Aktivitäten und Nahrungsangebot des Wildes.

"Trockenheit betrifft den ganzen Wald, das ganze Ökosystem", so die ausgebildete Försterin und Waldpädagogin Laubreiter.

(Link: https://www.waldundkirche.graz-seckau.at/)
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