Armenien: Katholikos Karekin II. erhält Solidaritätsbesuch aus Moskau
09.09.202610:54
Armenien/Kirche/Konflikte/Justiz/Orthodoxie
Rückendeckung für armenisches Kirchenoberhaupt vom russisch-orthodoxen Außenbeauftragten Metropolit Antonij - Schon der dritte Richter in Armenien weigert sich, Prozess gegen Katholikos Karekin und weitere Bischöfe aufzunehmen
Jerewan, 09.09.2026 (KAP) Katholikos Karekin II., Oberhaupt der Armenisch-apostolischen Kirche, hat dieser Tage den Außenbeauftragten der Russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Antonij (Sewrjuk), an seinem Amtssitz in Etschmiadzin bei Jerewan empfangen. Wie das Armenische Katholikosat mitteilte, bekräftigte der russische Metropolit die Unterstützung des Moskauer Patriarchen Kyrill und der Russischen Kirche für die Armenische Kirche, die sich im eigenen Land derzeit schwer unter Druck sieht. Metropolit Antonij betonte in diesem Zusammenhang, dass jegliche Einmischung weltlicher Autoritäten in die inneren Angelegenheiten der Kirche inakzeptabel sei.
Der Katholikos hob seinerseits die guten Beziehungen zur Russisch-orthodoxen Kirche hervor und zeigte sich zuversichtlich, dass die brüderliche Verbundenheit weiter bestehen und gestärkt werde.
Die Armenisch-apostolische Kirche bzw. ihre Kirchenleitung steht derzeit in Armenien schwer unter Druck. Anfang August begann in Armenien der Strafprozess gegen das Kirchenoberhaupt Katholikos Karekin II. und weitere Bischöfe. Ihnen wird vorgeworfen, gegen eine gerichtliche Anordnung zur Wiedereinsetzung eines von der Kirche abgesetzten Bischofs verstoßen zu haben. Es drohen Geldstrafen oder bis zu zwei Jahre Haft. Die armenische Regierung unter Ministerpräsident Nikol Paschinjan hat zudem die Absetzung des Katholikos offiziell in ihr Regierungsprogramm aufgenommen.
Justizverfahren stockt
Der Prozess gegen den Katholikos und die weiteren Bischöfe entwickelt sich unterdessen allerdings zu einer juristischen Posse. Der Fall wurde Anfang August vom Landgericht Armavir in erster Instanz aufgenommen. Richter Hakob Manukyan lehnte allerdings ab, den Prozess zu führen, weil er sich für befangen erklärte. Der nächste Richter, Serzh Rushanyan, entschied am 28. August, dass der Fall vor einem Gericht in der Hauptstadt Jerewan behandelt werden sollte. Dort entschied nun aber Richter Vahagn Melikyan, dass das nächst höhere Kassationsgericht entscheiden soll, wo die Verhandlung stattfindet. Eine Entscheidung wird demnächst erwartet.
Sowohl hinter dem Justizverfahren als auch der Regierungserklärung steht ein Machtkampf zwischen Paschinjan und Karekin. Für Paschinjan ist Karekin II. ein "Agent Russlands"; das Kirchenoberhaupt wehrt sich vehement gegen diese Behauptung. Er wirft seinerseits der Regierung vor, die nationale Einheit Armeniens für kurzfristige politische Interessen zu gefährden und sich etwa nicht vehement genug für die Bewahrung des christlich-armenischen Erbes in Berg-Karabach einzusetzen, das 2023 von Aserbaidschan erobert wurde. Die gesamte armenische Bevölkerung, mehr als 100.000 Menschen, mussten damals fliehen. In der Region werden seither Kirchen und weitere christliche Kulturgüter systematisch zerstört, so die armenische Kirchenleitung und viele weitere internationale Organisationen.