Erzbischof Gallagher bei Seminar in Assisi: Verhandlungen schaffen allerdings Voraussetzungen dafür - "Echter Dialog" ermöglicht Zusammenarbeit trotz Unterschiede
Assisi/Vatikanstadt, 09.09.2026 (KAP) Diplomatie allein reicht nach Ansicht des vatikanischen Außenbeauftragten, Erzbischof Paul Richard Gallagher, nicht aus, um Frieden zu schaffen. Sie könne jedoch politische, rechtliche und gesellschaftliche Voraussetzungen dafür schaffen, dass Frieden dauerhaft Bestand habe. "Die Diplomatie schafft den Frieden nicht aus sich selbst heraus", sagte Gallagher laut einem Bericht von Vatican News am Montag bei einem Seminar in Assisi. Sie könne aber "die menschlichen, politischen und rechtlichen Voraussetzungen schaffen, damit er Wurzeln schlagen kann".
Gallagher eröffnete das viertägige Seminar der Mailänder katholischen Universität Sacro Cuore zum Thema "Der heilige Franziskus und die Wege der Versöhnung". Mit Blick auf den heiligen Franz von Assisi bezeichnete er Frieden als Geschenk, dem menschliches Handeln den Weg bereiten könne. Zentral sei dabei ein echter Dialog. Dieser lasse Unterschiede bestehen und ermögliche dennoch "loyale Zusammenarbeit", sagte Gallagher. Keine Vereinbarung komme ohne Dialogbereitschaft zustande. Politische Gesten müssten allerdings in "gerechte und dauerhafte Regeln" überführt werden.
Als Beispiel für die Bedeutung diplomatischer Schritte verwies Gallagher auf ein Treffen in Assisi aus dem Jahr 1926 zwischen Kardinal Rafael Merry del Val und dem italienischen Minister Pietro Fedele. Es habe zur Annäherung zwischen dem Heiligen Stuhl und dem italienischen Staat beigetragen. "Eine Geste kann einen Weg ebnen, das Recht kann ihm Stabilität verleihen", sagte Gallagher.
Zugleich unterstrich der Erzbischof die Bedeutung der Unabhängigkeit der Kirche und der Religionsfreiheit. Die "Libertas Ecclesiae" sei Voraussetzung dafür, dass die Kirche ihren Auftrag frei erfüllen könne. Auch vertragliche Beziehungen zwischen Staat und Kirche müssten an veränderte gesellschaftliche Bedingungen angepasst werden können. "Stabilität ist nicht mit Unbeweglichkeit gleichzusetzen", sagte Gallagher.
Kirche und Staat könnten trotz ihrer unterschiedlichen Aufgaben in Bereichen von gemeinsamem Interesse zusammenarbeiten, etwa bei Bildung und dem Schutz des kulturellen Erbes. "Authentischer Dialog löscht Unterschiede nicht aus", sagte Gallagher. Er suche vielmehr nach Bedingungen, unter denen unterschiedliche Überzeugungen "in loyaler Zusammenarbeit nebeneinander bestehen können".