Wie die St. Pauls Kapelle in New York den 11. September überstand
09.09.202614:13
USA/Terrorismus/Geschichte/Kirche
Zufluchtsort, Hoffnungssymbol, Gedenkstätte - Von Tobias Käufer (KNA)
New York, 09.09.2026 (KAP/KNA) Es war der Tag, der die Welt für immer verändern sollte. Die Terroranschläge des 11. September 2001 in New York, Washington und Pennsylvania sorgten vor 25 Jahren weltweit für Entsetzen. Nach offiziellen Angaben starben am Tag der Attacke auf die beiden Türme des World Trade Centers in New York fast 3.000 Menschen.
Nur einen Steinwurf entfernt von den Twin Towers liegt die St. Pauls Kapelle. Das älteste Kirchengebäude in Manhattan aus dem Jahr 1766 soll Berichten örtlicher Medien zufolge nur deshalb der Zerstörung durch herabstürzende Trümmerteile standgehalten haben, weil es durch die mächtigen Äste einer nahen Platane geschützt wurde. Diese war viele Jahre zuvor auf dem Friedhof der Kapelle gepflanzt worden und wuchs im Laufe der Zeit zu einer Art natürlichem Schutzschild.
Pfarrer: "Ich rannte um mein Leben"
"Vor 25 Jahren stand ich in New York City unter den einstürzenden Türmen des World Trade Centers", berichtet Lyndon Harris auf der Website Charleston City Paper. "Ich war als stellvertretender Pfarrer für die St. Pauls Kapelle zuständig, die episkopale Kirche direkt gegenüber vom World Trade Center. Als das zweite entführte Flugzeug den Südturm rammte, stand ich direkt an dessen Fuß. Das Flugzeug schlug in das Gebäude ein und verwandelte sich in einen apokalyptischen Feuerball. Als Trümmer und Asche herabregneten, rannte ich um mein Leben."
Schon unmittelbar nach dem Anschlag wurde der Pfarrer zum Helfer. Als Leiter einer bunt zusammengewürfelten Gruppe von Freiwilligen organisierte er den Aufbau einer Verpflegungsstation vor der Kapelle. Aus dieser Initiative entwickelte sich ein florierender Hilfsdienst für die Ground-Zero-Gemeinde. In den folgenden achteinhalb Monaten servierten mehr als 15.000 Freiwillige über eine halbe Million Mahlzeiten.
Mediziner, Massagetherapeuten und Trauerbegleiter kümmerten sich um erschöpfte Bergungskräfte. Einige der besten Musiker New Yorks kamen, um zu trösten, Mut zu machen und zu inspirieren. "Es war eine außergewöhnliche Gemeinschaft des Mitgefühls, die im Schatten der Katastrophe entstand", erinnert sich Harris.
Auf der Internetseite 911memorial.org heißt es zu den ersten Stunden und Tagen nach dem Attentat: "Mehr als 5.000 Freiwillige arbeiteten viele Stunden lang in der Kirche, räumten auf, servierten warme Mahlzeiten und spendeten allen Trost, die in die Kirche kamen, um sich auszuruhen und Zuflucht zu finden."
Kapelle wurde zum Symbol der Heilung
In den Tagen nach dem 11. September war Lower Manhattan von Staub und Trümmern bedeckt. Die zur Trinity Church gehörende Kapelle öffnete so schnell wie möglich wieder ihre Türen, um einen Ort des Gebets und der Besinnung zu bieten. Die Kapelle wurde so in einem der dunkelsten Momente der Stadt zu einem Symbol des Mitgefühls und der Heilung.
Ein Vierteljahrhundert nach den Anschlägen zeigt die Kapelle nun eine Origami-Installation. Die Ausstellung mit dem Titel "Ever Present" zeigt 2.977 Papierkraniche, die an die Menschen erinnern, die am 11. September getötet wurden. Sie wurden von Freiwilligen gefaltet. Der leitende Künstler Talo Kawasaki arbeitete am 11. September in einer New Yorker Werbeagentur und erinnerte sich in einem Gespräch mit CBS: "Ich hörte die Schreie der Menschen auf der Straße, die auf das Geschehen reagierten." Nun soll die Ausstellung an die damals bei dem Terroranschlag getöteten Menschen erinnern.
Mychal Judge war nah bei den Menschen bis in den Tod - Der Franziskaner und Seelsorger der New Yorker Feuerwehr starb am 11. September 2001 im World Trade Center - Von Christiane Laudage (KNA)