Auch Linzer Dom, Ursulinenkirche, Karmeliten-Krypta, Katholische Privat-Universität und Priesterseminar Veranstaltungsorte des Festivals, das heuer unter dem Motto "Zukunft beginnt - Negotiating Humanity" steht
Linz, 10.09.2026 (KAP) Kirchen, eine Krypta und das Priesterseminar werden beim diesjährigen Ars-Electronica-Festival in Linz zu Schauplätzen für zeitgenössische Medienkunst und gesellschaftliche Debatten. Unter dem Motto "Zukunft beginnt - Negotiating Humanity" setzt das Festival bis Sonntag auf mehr als 30 Spielorten in der Linzer Innenstadt einen Schwerpunkt zur Frage, was es angesichts technologischer und gesellschaftlicher Umbrüche bedeutet, Mensch zu sein. Mit einem Zusammenspiel von klassischer Orchesterkultur, Tanz und moderner Technologie ist das Festival am Mittwoch im und vor dem Linzer Mariendom eröffnet worden, u. a. mit einem Konzert des von Markus Poschner dirigierten Bruckner Orchester Linz.
Zu den kirchlichen Veranstaltungsorten zählen neben dem Mariendom und der Ursulinenkirche auch die Karmeliten-Krypta, die Elisabethinen und die Katholische Privat-Universität (KU) Linz. Ein "Festival Walk" führt vom Offenen Kulturhaus (OK) durch mehrere dieser Orte bis zur Universität.
Im Priesterseminar zeigt die Mediengruppe Bitnik die Video-Installation "Qwen Stefani Against Tech-Fascism". Die Arbeit setzt sich mit der Macht von Algorithmen und autoritären Entwicklungen auseinander. Bitnik greift dabei die Idee des während des Zweiten Weltkriegs verbreiteten "Feldhandbuchs zur einfachen Sabotage" auf und überträgt sie auf den Umgang mit algorithmischen Systemen.
Auch andere Arbeiten des Rundgangs beschäftigen sich mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Im alten Turnsaal des BRG Fadingerstraße ist das überdimensionierte weiße Nashorn des Berliner Künstlers Itamar Gov zu sehen. Die Arbeit nimmt Bezug auf Eugène Ionescos Drama "Die Nashörner", in dem sich die Bewohner einer Kleinstadt nach und nach in Nashörner verwandeln. Thematisiert wird die schleichende Normalisierung menschenverachtender Entwicklungen.
Im Festsaal der Elisabethinen zeigt der kolumbianische Künstler Paolo Almario "Marmelade". Aus Etiketten kolumbianischer Höchstrichter entstehen Mosaike, deren Teile nach und nach von einem Plotter entfernt werden. Die Arbeit verweist auf den in Kolumbien verwendeten Begriff "mermelada" für die Verteilung politischer Macht an Verbündete und damit auf Korruption und politische Willkür.
An der Katholischen Privat-Universität setzt sich "Wicked Mirror" des dänischen Duos Andreas Refsgaard und Sofie Burgos-Thorsen mit künstlicher Intelligenz und individueller Wahrnehmung auseinander. Eine KI erzeugt digitale Doppelgänger der Besucher, die deren Antworten widersprechen. Dadurch sollen die Besucher angeregt werden, ihre eigenen Positionen zu überprüfen.
Das Festival steht heuer auch im Zeichen des 30-jährigen Bestehens des Ars Electronica Centers. Dieses und das Ars Electronica Futurelab nahmen 1996 ihren Betrieb auf. Das Festival selbst wurde bereits 1979 gegründet. (Infos: https://ars.electronica.art/news/de/)