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Seniorin mit Pflegerin im Pflegeheim
Bild Copyright: © kathbild.at/Rupprecht

Caritas: Sozialbetreuung dringend gesetzlich aufwerten

10.09.2026 11:30
Österreich/Soziales/Politik/Pflege/Sozialbetreuung/Caritas
Präsidentin Tödtling-Musenbichler bei Pressekonferenz in Wien: Fachkräfte der Sozialbetreuung in Personalschlüsseln und Tarifsystemen nicht länger diskriminieren - Versorgung braucht auch Betreuung, nicht nur Pflege
Wien, 10.09.2026 (KAP) Für eine gesetzliche und bundesweit einheitliche Aufwertung der Sozialbetreuung spricht sich die Caritas aus. Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler und der Kärntner Caritas-Direktor Ernst Sandriesser betonten am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Caritas-Ausbildungszentrum Seegasse in Wien am Beispiel der Altenarbeit, dass Pflege und Betreuung Hand in Hand gehen müssten und es dafür gesetzliche und finanzielle Anpassungen braucht.

Bis zum Jahr 2050 werde die Zahl der Menschen, die in Österreich Pflegegeld beziehen, auf rund 750.000 steigen, während zugleich bis zu 70.000 Fachkräfte fehlen werden. Tödtling-Musenbichler warnt davor, diese Herausforderung rein medizinisch einzuordnen. "Wer nur nach Pflegepersonal sucht, verkennt die Lebensrealität der Menschen. Ein Großteil der Menschen - vor allem im Alltag, in Familien oder bei Demenz-Erkrankung - braucht Betreuung und keine medizinische Pflege", sagte die Caritas-Präsidentin: "Wenn wir über das Älterwerden sprechen, reden wir meistens über Pflegegeldstufen und Krankheiten. Das greift jedoch viel zu kurz. Alter ist nicht die Summe von Defiziten. Es geht um Fähigkeiten, Talente und Lebensqualität."

Es gehe darum, die Selbstständigkeit der Menschen so lange wie möglich zu erhalten. Die Altenarbeit als Teil der Sozialbetreuung schenke Zeit und Kompetenzen für diese Beziehungsarbeit. Tödling-Musenbichler wies in diesem Zusammenhang auf die steigenden Zahl der Demenzerkrankten hin: "Ein Mensch mit Demenz braucht in den ersten Jahren meist keine Spritzen oder Behandlungspläne, sondern Orientierung, Halt und verlässliche Begleitung. Das schafft Lebensqualität für die Betroffenen und entlastet gleichzeitig das System spürbar."

Dennoch ignorierten Gesetzgeber und Bundesländer diese Realität und diskriminieren Fachkräfte der Sozialbetreuung in ihren Personalschlüsseln und Tarifsystemen, kritisierte die Caritas-Präsidentin.

Sie stellte vier Reformforderungen an die Politik: Erstens gelte es, Altenarbeit gesetzlich anzurechnen: Die Bundesländer müssen ihre Personalschlüssel und Tarife anpassen, damit Pflege und Sozialbetreuung bzw. konkret Altenarbeit Hand in Hand zusammenarbeiten können.

Für die Zahlreichen Berufsumsteigerinnen brauche es zweitens verlässliche finanzielle Unterstützung für die gesamte Ausbildungszeit. Zudem müssten drittens Praktikumsplätze ausgebaut und besser finanziert werden. Die Praktikantinnen und Praktikanten bräuchten eine bessere Begleitung und diese müsse auch bezahlt werden.

Viertens plädierte die Caritas-Präsidentin für eine bessere Finanzierung der Schulen für Sozialberufe. Sie benötigen finanzielle Unterstützung für ihre Infrastruktur, beispielsweise für Schulgebäude, Klassenräume und digitale Ausstattung. Dadurch könnten wesentlich mehr Personen ausgebildet werden.

Die Caritas betreibt österreichweit an 20 Schulstandorten Schulen im Sozial-, Gesundheits- und Pflegebereich. Rund 4.400 Menschen absolvieren derzeit eine Ausbildung im Bereich Pflege und Sozialbetreuung.

Pflege- und Betreuungskräfte in Ausbildung hoch motiviert

Ernst Sandriesser, Direktor der Caritas Kärnten und Vertreter der Caritas-Schulträger, sagte bei der Pressekonferenz: "Wir könnten morgen mehr Klassen eröffnen und damit dem Fachkräftemangel noch stärker entgegenwirken. Doch uns fehlen die Praktikumsplätze und die nötige finanzielle Unterstützung für die Schulinfrastruktur. Wenn Praxisanleitung nicht finanziert wird und wir als Schulträgerin auf Kosten für Gebäude und Ausstattung sitzen bleiben, lassen wir riesiges Potenzial ungenutzt."

Sandriesser berichtete zudem von einer aktuellen Caritas-Befragung unter 575 Auszubildenden an ihren Schulen für Berufsausbildung im Bereich Sozialbetreuung bzw. Pflege. Das Ergebnis zeige, so der Caritas-Direktor, wie groß die Motivation der angehenden Fachkräfte sei und wo es im Alltag Probleme gebe. 89,4 Prozent der Befragten wollten demnach langfristig im Beruf bleiben und seien hoch motiviert. Die Hauptgründe für die Ausbildung seien die Freude an der Arbeit mit Menschen (26 Prozent), eigene Vorerfahrungen (16 Prozent) und der Wunsch, einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten (ebenfalls 16 Prozent). Auf die Frage, was sich ändern müsse, nannten 24 Prozent mehr Personal, 21 Prozent echte gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung sowie 20 Prozent bessere Arbeitsbedingungen und verlässlichere Dienstpläne als wichtigste Punkte.

Bei der Pressekonferenz im Caritas-Zentrum bestätigten zwei Auszubildenden in ihren Statements die Aussagen von Tödling-Musenbichler und Sandriesser bzw. auch die Ergebnisse der Befragung.
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