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Glettler: Brandls Staatsopern-Vorhang lädt zur Höhen- und Tiefensicht

10.09.2026 11:19
Österreich/Kunst/Malerei/Kirche/Staatsoper/Brandl/Glettler
Bischof beeindruckt von großformatigem "Eisernen Vorhang" des 2025 verstorbenen Künstlers: "Spirituell anmutendes Vermächtnis"
Wien, 10.09.2026 (KAP) Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hat den neuen "Eisernen Vorhang" der Wiener Staatsoper als "spirituell anmutendes Vermächtnis" des 2025 verstorbenen Malers Herbert Brandl gewürdigt. In einem Instagram-Beitrag bezeichnete Glettler die Präsentation des Werks als "bewegenden Moment" und zeigte sich beeindruckt von dessen "schöner, fast zärtlicher Dynamik". Der auch selbst kunstschaffende Bischof war einer der 1.000 geladenen Gäste der Enthüllung von Brandls Gemälde am Mittwoch.

Das großformatige Werk mit einem satten pazifischen Blau und weißen, gestisch-abstrakten Formen stammt aus Brandls "Pazifik"-Serie von 2022/23. Glettler deutete das Motiv als Einladung zu einer "Höhen- und Tiefensicht des Lebens". Der Vorhang könne, so der Bischof, "nicht trennen, sondern verbinden" - etwa "mit dem Himmel" oder "mit dem Kosmischen". Es handle sich um ein Bild, auf das man sich "ergreifen lassen" könne.

Für Glettler gibt es auch eine persönliche Verbindung zu Brandl. Der Bischof hatte den Künstler zu Lebzeiten gebeten, die Glasfenster der Kirche St. Johann im Walde in Osttirol zu gestalten. Dieses Werk sei nun ebenfalls ein "kostbares Vermächtnis".

Der sogenannte "Eiserne Vorhang" bezeichnet die Fläche, die den Bühnenraum der Staatsoper vor und nach den Vorstellungen verdeckt. Der einst aus Brandschutzgründen erstellte historisch erste Vorhang stammt von Rudolf Hermann Eisenmenger (1902-1994), der Mitglied der NSDAP war. Seit 1998 wird sein "Orpheus und Eurydike"-Motiv jährlich durch zeitgenössische Kunst verhüllt. In der 29. Ausgabe der Reihe ist bis Juni 2027 erstmals das Werk eines bereits verstorbenen Künstlers zu sehen. Die Entscheidung für Brandl war allerdings noch zu dessen Lebzeiten gefallen.

Staatsoperndirektor Bogdan Roscic bezeichnete Brandl bei der Präsentation als "einen der größten Meister dieses Landes". Der Kunsthistoriker Daniel Birnbaum, Mitglied der internationalen Jury, sprach angesichts des neuen Vorhangs zugleich von Freude und Trauer: "Herbert Brandl ist nicht bei uns." Brandl hatte sich bei der Gestaltung von Fotografien von Wasser und dem Weltall inspirieren lassen. Birnbaum beschrieb das Werk als eine Art Verbindung von Wasser und Himmel und fragte: "Schauen wir nach unten? Nach oben? In den Himmel? Oder ins Meer?" Dazu zitierte er Friedrich Hölderlin: "Man kann auch in die Höhe fallen."
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