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Expertin: Italiens Mafia längst auch im Norden aktiv

10.09.2026 13:38
Italien/Kriminalität/Kirche/Orden
Staatsanwältin ermutigt bei Salesianer-Treffen zu kirchlicher Bildungsarbeit, Unterstützung von Opfern und Begleitung von Aussteigern
Rom, 10.09.2026 (KAP) Italiens organisierte Kriminalität ist nach Einschätzung der stellvertretenden Mailänder Staatsanwältin Alessandra Cerreti längst auch im Norden des Landes aktiv. Mafia, 'Ndrangheta und Camorra suchten dort nach Möglichkeiten für Investitionen und Geldwäsche und knüpften Kontakte zu Unternehmern und Fachleuten, sagte die Juristin bei einem kürzlich abgehaltenen Treffen der Salesianer im piemontesischen Avigliana. Laut einem Bericht des Salesianer-Nachrichtendienstes ANS vom Mittwoch wurden dabei Strategien für den Kampf gegen die Mafia besprochen.

Die Mafia baue Beziehungen auf, nutze gesellschaftliche Grauzonen und strebe nach sozialer Anerkennung, berichtete Cerreti. Ihre Bekämpfung sei daher nicht allein Aufgabe von Justiz und Sicherheitsbehörden. Notwendig seien auch Bildungsarbeit, die Unterstützung von Opfern und die Begleitung jener, die sich aus kriminellen Strukturen lösen wollten.

Als Beispiel für einen solchen Ansatz wurde das Projekt "Liberi di scegliere" vorgestellt. Die Initiative, gestartet von einem Jugendrichter und der Organisation "Libera", soll Minderjährigen, jungen Erwachsenen und Eltern den Ausstieg aus dem Umfeld der organisierten Kriminalität ermöglichen. "Salesiani per il sociale" unterzeichnete dazu im März 2024 gemeinsam mit staatlichen und kirchlichen Partnern ein entsprechendes Protokoll. Das Modell wurde im Juli 2026 gesetzlich verankert. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche aus mafiösen Familienmilieus herauszulösen und ihnen Perspektiven etwa bei Wohnen, Schule und Beruf zu eröffnen.

Neben der organisierten Kriminalität ging es bei dem Treffen auch um den Krieg im Gazastreifen, Flucht und Aufnahme, Suchterkrankungen und die Situation junger Menschen, sowie um Angstzustände, Depressionen, Selbstverletzung, Abhängigkeiten und sozialen Rückzug bei Jugendlichen. Solche Probleme seien nicht allein als Sicherheitsfragen zu betrachten, hieß es. Gefordert wurden verlässliche Beziehungen und pädagogische Begleitung.
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