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Bild Copyright: © Brigitte Kobler-Pimiskern

St. Pölten würdigt Barockbaumeister Jakob Prandtauer

11.09.2026 09:20
Österreich/Religion/Kultur/Kunst/Kulturgeschichte/Architektur/Religiöse Bauwerke/Orden
Führungen, Stadtspaziergang und Podiumsdiskussion am 18. September zum 300. Todestag
St. Pölten, 11.09.2026 (KAP) Das Stift Melk, die Basilika Sonntagberg, Teile von Stift St. Florian und die Barockisierung zahlreicher Bauten wie das Stift Dürnstein: Der aus Tirol stammende Barockbaumeister Jakob Prandtauer (1660-1726) prägt bis heute das Erscheinungsbild der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten ebenso wie zahlreiche Klöster und Kirchen in Nieder- und Oberösterreich. Zum 300. Todestag (16. September) veranstalten das Land Niederösterreich, das Museum am Dom und das Stadtmuseum St. Pölten am 18. September Führungen, einen Stadtspaziergang und eine Podiumsdiskussion über den heutigen Umgang mit seinem Werk.

Gemeinsam mit Johann Bernhard Fischer von Erlach und Johann Lucas von Hildebrandt bildet Prandtauer das architektonische Dreigestirn des österreichischen Barock. Prandtauer war vor allem für die Ordensgemeinschaften der Benediktiner und Augustiner Chorherren tätig.

Prandtauers bekanntestes Bauwerk ist das Stift Melk, an dessen Neubau der Baumeister 24 Jahre arbeitete. In St. Pölten war er unter anderem an der Barockisierung des Doms und am Bau der Institutskirche der Englischen Fräulein beteiligt. Weitere Werke entstanden unter anderem in den Stiften Herzogenburg, Kremsmünster, Garsten, St. Florian und Dürnstein sowie an der Wallfahrtskirche Sonntagberg.

Architektur als sozialer Raum

Für die Leiterin des Museums am Dom, Barbara Taubinger, liegt die Bedeutung Prandtauers nicht allein in der repräsentativen Wirkung seiner Bauten. "Seine Kloster-, Kirchen- und Stiftsanlagen waren Orte der Begegnung, Bildung und Gemeinschaft", sagte Taubinger in der Kirchenzeitung der Diözese St. Pölten "kirche bunt" (9. September). Prandtauer habe Architektur damit auch als sozialen Raum verstanden.

Der 1660 in Stanz bei Landeck getaufte Prandtauer entstammte einer Maurerfamilie und absolvierte eine Maurerlehre. In den 1690er-Jahren übersiedelte er nach St. Pölten und erhielt dort erste Aufträge. Seine handwerkliche Ausbildung blieb für seine weitere Arbeit prägend: Er verband Entwurf und praktische Ausführung und arbeitete auch an bestehenden Gebäuden. 1726 starb der Baumeister.

"Prandtauer ist also heute nicht nur deshalb relevant, weil seine Bauwerke erhalten geblieben sind, sondern weil die Fragen, die ihn beschäftigten, noch immer dieselben sind: Wie bauen wir nachhaltig? Wie gehen wir mit historischem Bestand um? Und wie schaffen wir Räume, die Menschen zusammenbringen?", so die Leiterin des Museums am Dom. Gleichzeitig habe der Architekt ein Facettenreichtum barocker Baukunst gezeigt, "in der sinnenfreudige Prachtentfaltung durch Stein, Holz und Metall auf etwas Höheres verweist".

"Prandtauer brandaktuell"

Auch sein Umgang mit vorhandener Bausubstanz macht Prandtauers Werk aus Sicht Taubingers für die Gegenwart interessant. Diese Ganzheitlichkeit zeigt sich nicht nur in "ästhetischer Gefälligkeit, sondern auch Wohnlichkeit und Alltagstauglichkeit ihren Platz haben". "So etwas spürt man, wenn man in einen von ihm geschaffenen Raum tritt: Nicht nur der große Gestus ist da zu bemerken, auch Geborgenheit und Wärme", so die Museumsdirektorin.

Das Jubiläumsprogramm in St. Pölten am 18. September beginnt im Museum am Dom und im Stadtmuseum jeweils um 10 Uhr bei freiem Eintritt. Neben Spezialführungen und einem Stadtspaziergang zu den Barockfassaden St. Pöltens steht um 18 Uhr im Stadtmuseum das Podiumsgespräch "Prandtauer brandaktuell" auf dem Programm. Dabei geht es um den heutigen Umgang mit dem Werk des Barockbaumeisters.

Ausstellung in St. Florian

Im Augustiner-Chorherren-Stift St. Florian in Oberösterreich ist derweil noch bis 31. Oktober die Ausstellung "300 Jahre Prandtauer" zu sehen. Im Zuge der regulären Stiftsführung können in der Stiftsbibliothek ausgewählte Originaldokumente besichtigt werden. Zusätzlich laden frei zugängliche Ausstellungstafeln am Prälatengang unter dem Titel Prandtauer "to go" dazu ein, sich auch außerhalb einer Führung mit dem großen Baumeister und seinem Wirken im Stift St. Florian auseinanderzusetzen.

Prandtauers Kunst begegne den Stiftsbesuchern nicht nur in Mauern und Fassaden, sondern vor allem in einer meisterhaft inszenierten Folge von Räumen wie dem großen Stiegenhaus und im Marmorsaal, heißt es auf der Stiftswebsite. Architektur, Bewegung, Licht und festliche Pracht verbänden sich hier zu einem eindrucksvollen barocken Gesamterlebnis.
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