Fragmente von Markus-Evangelium-Abschrift nach 700 Jahren vereint
11.09.202614:27
Italien/Kirche/Kultur/Geschichte/Bibel
Ausstellung im friaulischen Aquileia zeigt Teile einer der bedeutendsten Handschriften des mittelalterlichen Europa
Udine, 11.09.2026 (KAP) Drei erhaltene Fragmente des Markus-Evangeliums aus dem sogenannten "Codex Foroiuliensis" werden erstmals seit rund 700 Jahren wieder gemeinsam gezeigt. Die aus Cividale del Friuli, Venedig und Prag stammenden Teile sind ab Samstag im norditalienischen Aquileia zu sehen, wo die Geschichte des frühmittelalterlichen Manuskripts ihren Ausgang nahm, wie die Austria Presse Agentur (APA) berichtet. Die Ausstellung "Das Markus-Evangelium: Sieben Jahrhunderte, drei Fragmente. Eine europäische Geschichte" läuft bis 25. April 2027 im Palazzo Meizlik.
Die drei Handschriften-Fragmente gehen auf den sogenannten "Codex Foroiuliensis" zurück, ein Evangeliar aus dem 6. Jahrhundert, das die Evangelien von Matthäus, Lukas und Johannes enthält und ursprünglich auch das Markus-Evangelium umfasste. Das Manuskript gelangte vermutlich Mitte des 9. Jahrhunderts nach Aquileia. Wahrscheinlich im 12. oder 13. Jahrhundert wurden die Seiten des Markus-Evangeliums aus dem Codex herausgelöst und begannen ein eigenständiges Dasein.
Als Reliquie verehrt, war das Markus-Evangelium eng mit der Überlieferung verbunden, wonach Markus als erster Missionar der nordadriatischen Region gewirkt habe. Die besondere Verehrung der Handschrift trug schließlich auch zu ihrer Aufteilung bei: 1354 verlangte der böhmische König Karl IV. vom damaligen Patriarchen von Aquileia mehrere Seiten des Evangeliums für den Prager Dom. Nach der Eroberung des Patriarchats von Aquileia nahm die Republik Venedig die verbliebenen Teile an sich und ließ sie am 24. Juni 1420 in die Markusbasilika überführen. Mit diesem symbolischen Akt wurde die Unterwerfung Aquileias unter die Herrschaft Venedigs besiegelt.