Franziskanerpater Willibald Hopfgartner übersetzt Tugenden des Heiligen aus Assisi in gegenwärtige Alltagssprache
Wien, 11.09.2026 (KAP) Orientierungslosigkeit, gesellschaftliche Spannungen und eine konfliktgeladene Welt belasten heutige Menschen im Leben: Mit diesen Problemstellungen setzt sich der Franziskaner Willibald Hopfgartner in seinem neu erschienenen Buch "Wo Liebe ist, gibt es keine Furcht" auseinander. Pünktlich zum 800. Todestag des Hl. Franziskus (3. Oktober) predigt der Ordensmann auf 136 Seiten aber keinen schnellen Optimismus, sondern erklärt anhand von Tugenden des Heiligen, was im Alltag Halt geben kann. Ziel des Buches sei "die Vision des Hl. Franziskus in der Gegenwart näherzubringen", sagte Hopfgartner im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress.
Franz von Assisi ist für Hopfgartner ein "Prophet der Nähe und der Menschenliebe" und seine Tugenden würden in konfliktreichen Zeiten umso wichtiger. Das Buch umfasst daher einen ausgewählten Überblick über Kernlehren des Ordensvaters. Der Autor nutzt kleine Momente aus dem Leben des Hl. Franziskus, um die franziskanischen Lehren greifbar zu machen. Unter anderem thematisiert er die Besitzlosigkeit als einen Ausdruck der geistlichen Haltung und Gottesnähe oder den Kontakt von Franziskus mit den Aussätzigen als einen Aufruf jeden Menschen gleichzubehandeln.
Zugleich enthält das Buch auch thematisch überraschende Impulse, etwa wenn es um Pilgerreisen nach Assisi geht. Wie Hopfgartner ausführt, erleben Assisi-Pilger sehr unterschiedliche Erfahrungen, je nachdem ob sie die große Basilika mit dem Grab des Ordensvaters besuchen oder die kleine Kirche "San Domanio", wo Franziskus von Gott berufen wurde. Rein wegen ihrer Größe wurde die Basilika in der Vergangenheit zugespitzt als "Ordenspropaganda" bezeichnet. Nach dem Franziskaner brauche es aber beide Orte, um das Werk des Heiligen zu verstehen. San Domanio sei demnach der Ort, an dem man die tiefe Verbundenheit zu Franziskus spüren kann, aber die Basilika ist der Ausdruck, dass sein Werk und seine Liebe zur Kunst weiterleben.
Ungebrochen aktuell
Nach Hopfgartner bilde Franz von Assisi auf vielfache Weise "einen Bezugspunkt im Denken und Leben von Geistesmenschen unserer Zeit". In diesem Sinne verknüpft der 80-jährige Ordensmann seine Ausführungen häufig mit zeitgenössischer Literatur. Auszugsweise greift der Franziskaner auf Peter Handke, Emmanuel Levinas oder Simone Weil zurück. All dies dient dem Zweck die Impulse des Hl. Franziskus in der heutigen Zeit sichtbar zu machen.
Empfehlen würde Hopfgartner das Buch auf Nachfrage insbesondere jenen, die bereits eine Sympathie für Franziskus empfinden. Anderenfalls sei es schwer "in einen Dialog mit dem Heiligen zu treten". Etwas abschauen könne sich dennoch jeder aus den Lehren des Franziskus, so sein Credo. Der Ordensmann selbst würde sich beispielsweise mehr von der Disziplin des Hl. Franziskus wünschen, wenn es um das Fasten geht, wie er anmerkt.
Willibald Hopfgartner wurde 1946 in Lienz geboren und ist 1972 in den Franziskanerorden eingetreten. 1975 wurde er zum Priester geweiht. Seine franziskanische und theologische Ausbildung führte ihn nach Assisi, Straßburg und München. Seit 2011 begleitet er in Graz junge Franziskaner in ihrer Ausbildung. Er veröffentlicht zu Literatur, religiöser Kunst und Spiritualität.
Zum Nachlesen: Willibald Hopfgartner: "Wo Liebe ist, gibt es keine Furcht", erschienen im Tyrolia-Verlag, Wien/Innsbruck 2026