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Sozialethiker fordert Moral als Teil des KI-Codes

12.09.2026 11:59
Deutschland/Internet/Kirche/Ethik/KI
Nach autonomem Hackerangriff durch KI: Kölner Theologe Elmar Nass warnt davor, dass Regeln im Ernstfall versagen - besser moralische Gründe tief in Entscheidungen der KI einbauen
Köln, 12.09.2026 (KAP/KNA) Moral darf der KI nicht von außen aufgetragen werden, sondern muss Teil von ihr werden. Das unterstreicht der deutsche Sozialethiker Elmar Nass in einem Gastbeitrag beim Kölner Onlineportal "domradio.de", über den die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) jetzt berichtete. "Begründete Moral muss Teil der KI-DNA sein", forderte der in Köln lehrende Theologe und Priester. Der Fall eines von Menschen nicht erlaubten Hackerangriffs zahlreicher "KI-Agenten" aus jüngerer Vergangenheit zeige, dass flankierende Regeln allein nicht ausreichten.

Die moralische Orientierung solle deshalb in die Ziel- und Entscheidungsstruktur eingehen. Dazu müsse "der innere KI-Code selbst verändert werden". Wenn Moral lediglich von außen an die KI herangetragen werde, würde sie laut Nass mit der Nutzenoptimierung konkurrieren.

Um die KI entsprechend anzupassen, fordert Nass, ethische Expertise in die weitere Entwicklung neuer KI-Technik mit einzubeziehen: "Wir brauchen Ingenieure, die Philosophen sind. Das Ergebnis von solchem Fortschritt ist dann hoffentlich dies: Rechnet die KI in ihren grundlegenden Kalkülen humane Ziele und Regeln mit ein, dann wird ihre Optimierung am Ende gerade nicht mehr dem Nutzen, nicht dem Recht des Stärkeren und auch nicht dem Hacker folgen."

"Moralischer Käfig" für KI hilft nicht

Nass verweist auf Papst Leos Forderung nach einer moralischen Entwaffnung der KI. Der Papst fordere, die weitere KI-Entwicklung aus der Logik des Wettbewerbs zu befreien und sie einer Ethik-Aufsicht zu unterstellen. Aus Sicht des Sozialethikers birgt das die Gefahren potenzieller ideologischer Kontrolle und Innovationshemmnisse. "Die KI-Entwicklung lässt sich nicht einfach in einen moralischen Käfig stecken. Und China wird sich daran eh nicht halten", schreibt er.

Moralische Regeln würden für die KI gegenüber optimaler Zielerreichung zu schwachen Gründen. Auch eine Stärkung der Whistleblower-KI-Agenten, die auf die Illegalität des Hackerangriffs verwiesen hatten, führt laut Nass nicht zum gewünschten Effekt. Denn diese Minderheit würde schnell vom dominierenden Agenten-Kollektiv aussortiert werden. Und auch eine einprogrammierte "künstliche Moral" konkurriere in der Entscheidung mit dem inneren Code. "Sie ist schwach, weil sie letztlich als synkretistisches Modell zwar Grenzen, aber keine Gründe einbringen kann. Die Nutzenlogik ist im entscheidenden Kalkül stärker", schreibt der Sozialethiker.
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