Ukraine: Moskauer Patriarchat setzt weiteren eigenen Bischof ein
12.09.202609:44
Ukraine/Russland/Kirche/Krieg/Orthodoxie
Neuer russischer Bischof für besetzten Teil der Region Cherson
Zürich/Moskau, 12.09.2026 (KAP) Die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) hat für den von Russland besetzten Teil der ukrainischen Region Cherson einen Bischof geweiht, wie der "Nachrichtendienst Östliche Kirchen" (NÖK) in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Am 28. August weihte demnach der Moskauer Patriarch Kyrill Archimandrit Iosif (Paschentsev) zum Bischof von Skadovsk und Aljoschki (ukr. Oleschki). Die Eparchie von Skadovsk hatte die ROK bereits im Dezember 2023 gegründet.
Mit der Einrichtung eigener Strukturen in den besetzten Gebieten der Ukraine konkurriert die ROK direkt mit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), mit der diese Neugründungen nicht abgestimmt sind. Die UOK hat sich nach eigenem Bekunden bereits im Mai 2022 wegen des Angriffs Russlands auf die Ukraine von Moskau losgesagt. In der Ukraine wird ihr dies aber von vielerlei Seiten, darunter auch den Behörden, nicht abgenommen und die Kirche bzw. einzelne Proponenten werden regelmäßig der Konspiration mit Russland bezichtigt bzw. auch angeklagt und teils verurteilt. Die ROK betrachtet die UOK offiziell immer noch als Teil der eigenen Strukturen, was den Moskauer Patriarchen aber nicht daran hindert, auf eigentlichem UOK-Territorium eigene Diözesen zu gründen und Bischöfe einsetzen.
Der neue Bischof Iosif hatte bisher keine Verbindungen zur Ukraine. Er wurde 1964 im zentralrussischen Tambov geboren, absolvierte eine Militärschule und diente in einer Abteilung des sowjetischen Verteidigungsministeriums, die für Atomwaffen zuständig war. Zum Bischof für das besetzte Gebiet wurde er am 16. Juli vom Hl. Synod der ROK gewählt.