Bischof Scheuer fordert Solidarität mit heimischer Landwirtschaft
15.09.202614:22
Österreich/Kirche/Natur/Agrar/Umwelt/Religionsfest oder Feiertag/Erntedank
Linzer Bischof vor Erntedank-Festmesse am 20. September im Mariendom: Bauern ringen wegen Klimawandel und Trockenheit um wirtschaftliche Zukunft - Diözesane Umweltreferentin Göbesberger mahnt langfristige Klimamaßnahmen ein
Linz, 15.09.2026 (KAP) Klimawandel und zunehmende Trockenheit überschatten nicht nur in Oberösterreich das diesjährige Erntedankfest. Angesichts der zum Teil dramatischen Situation und spürbaren Ernteeinbußen hat der Linzer Bischof Manfred Scheuer zu gesellschaftlicher Solidarität mit der heimischen Landwirtschaft, einem bewussteren Konsumverhalten und dem Kauf regionaler Produkte aufgerufen. Felder trockneten aus, Wiesen brachten zu wenig Futter hervor, Hausgärten verdorrten, Bäche und Flüsse führten kaum noch Wasser. Hinter den harten Zahlen der Dürreberichte stünden existenzielle Sorgen von Bäuerinnen und Bauern um ihre wirtschaftliche Zukunft, betonte Scheuer in einer Aussendung der Diözese Linz am Dienstag.
Die sommerliche Dürreperiode habe gezeigt, dass nichts selbstverständlich sei, so Bischof Scheuer. "Wenn wir heute Erntedank feiern, dann tun wir das heuer mit anderen Gefühlen als in vielen Jahren zuvor", mahnte er Anerkennung, Wertschätzung, Dankbarkeit und Solidarität mit jenen Menschen ein, die täglich mit Boden, Pflanzen, Tieren und Wäldern arbeiten, für Nahrung sorgen, die Kulturlandschaft pflegen und "Verantwortung für einen Lebensraum tragen, den viele Menschen als selbstverständlich erleben".
Dankbar zu sein heiße auch, "jene nicht allein zu lassen, die unter den Folgen von Trockenheit und Klimaveränderungen besonders leiden", und mehr Bewusstsein für die Herausforderungen der Bauern und Bäuerinnen zu entwickeln. Kaum ein anderer Berufsstand sei in so hohem Maße zu Flexibilität und Innovation gezwungen, so Scheuer. Für diese Herausforderung brauche es ein verstärktes gesellschaftliches Bewusstsein und bestmögliche Unterstützung von der öffentlichen Hand.
Erntedank im Linzer Mariendom
Bischof Scheuer leitet am kommenden Sonntag (20. September, 10 Uhr) die Festmesse beim traditionelle Erntedankfest der Linzer Pfarrgemeinde Mariendom, der Landwirtschaftskammer OÖ und der oberösterreichischen Bäuerinnen und Bauern. Musikalisch gestaltet wird die Messe im Dom vom Bäuerinnen-Chor des Bezirks Linz-Land sowie dem Bauernchor aus Micheldorf. Im Anschluss werden zwischen 11 und 15 Uhr auf dem Domplatz beim Schmankerl-Markt bäuerliche Produkte aus Oberösterreich angeboten.
Das Erntedankfest wird in der Schöpfungszeit gefeiert, die am 4. Oktober, dem Gedenktag des heiligen Franziskus, endet. Sie erinnere daran, dass "wir nicht allein auf dieser Welt leben" und "unser Verhalten Auswirkungen auf uns und andere hat", betonte Lucia Göbesberger, Umweltreferentin der Diözese Linz und Leiterin des Fachbereichs Gesellschaft und Soziales.
Nötig seien langfristige Lösungen statt reiner Symptombekämpfung, um auch kommenden Generationen ein gutes Leben zu ermöglichen. Göbesberger sieht hier Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen gefordert, verlässliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu schaffen - regional, national wie international. (Info: www.dioezese-linz.at/erntedank)
Weihbischof Freitag bei Bauernbundwallfahrt in Mariazell: Trockenheit zeigt Verletzlichkeit des Menschen auf - Bäuerliche Lebensweise erinnert an "Verwaltertätigkeit"
St. Pöltner Bischof in "Kirche bunt"-Interview: "Es hilft niemandem, Menschen pauschal als Klimaleugner oder umgekehrt als Klimahysteriker abzustempeln" - Klimaschutz soll sozial ausgewogen gestaltet werden