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Synodalität in Europa: Beziehungskultur statt bloßer Strukturreform

16.09.2026 09:28
(zuletzt bearbeitet am 16.09.2026 um 10:34 Uhr)
Österreich
Podium in Puchberg: Synodale Kirche soll durch Zuhören, geistliche Unterscheidung und gelebte Beziehungen überzeugen - Europas Erfahrungen in Weltkirche einbringen
Linz, 16.09.2026 (KAP) Die Synodalität soll in Europa nicht bei Gesprächsformaten und kirchlichen Strukturfragen stehen bleiben. Entscheidend seien vielmehr neue Formen von Beziehungen, eine Kultur des Zuhörens und die Fähigkeit zur geistlichen Unterscheidung. - Das war Tenor einer Podiumsdiskussion, die am Dienstag bei einem von der Katholischen Privatuniversität (KU) Linz und der Task Force Synodalität veranstalteten Symposium über Synodalität in Puchberg bei Wels stattgefunden hat. Zugleich ging es um die Frage, was Europa in den weltweiten synodalen Prozess einbringen kann und wo die Kirche angesichts von Säkularisierung, Migration, Klimawandel und gesellschaftlicher Polarisierung gefordert ist.

Der ungarische Theologe Csaba Török rückte die Beziehung ins Zentrum. An seinem Tisch - bei der Versammlung von über 180 Delegierten aus 31 europäischen Ländern finden die Beratungen an insgesamt 21 gemischten Tischgruppen statt - sei man zunächst bei drei Begriffen gelandet: "Persönliche, wahre, tiefe Beziehung." Ohne innere Umkehr auf dieses Ziel hin liefen auch institutionelle Veränderungen und neue Prozesse Gefahr, zu bloßen Formalitäten zu werden. Synodalität sei weniger ein Programm als eine Existenzweise und ein "Stil", so Török. Die Kirche gebe der Welt "nicht nur, was wir denken", sondern vor allem: "Wir geben der Welt, was wir sind."

Gerade angesichts von Polarisierung, Hass und Krieg brauche es diese Beziehungskultur, so der in Budapest, Esztergom und Györ lehrende Theologe. Beziehung bedeute "Empfindlichkeiten, Empathie und Fähigkeit, einander mit anderen Augen zu sehen". Auch Konflikte innerhalb der Kirche könnten nicht einfach durch eine Entscheidung für die eine oder andere Seite gelöst werden. Nötig sei vielmehr ein gemeinsamer Weg der geistlichen Unterscheidung, im Gebet und im Gespräch. Dieser Weg könne bereits in den Pfarren beginnen.

"Grammatik und heilige Pflicht"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, bezeichnete Synodalität als "heilige Pflicht der Kirche" und als eine Art "Grammatik der katholischen Kirche". Papst Franziskus habe bereits gesagt, Synodalität sei die Grundform der Kirche. Für Wilmer ist der synodale Weg zugleich eine Chance für Europa: Die Kirche könne "gemeinsam als verwundete Menschen und verwundete Kirche" auf die "verwundeten Menschen in Europa und darüber hinaus" zugehen.

Zugleich plädierte Wilmer für eine stärkere ökumenische Zusammenarbeit. Grundlage sei die gemeinsame Taufe als das wichtigste Sakrament, von dem sich alle weiteren Sakramente ableiteten. Neben Lutheranern, Anglikanern und Reformierten müsse dabei in Westeuropa auch die Orthodoxie stärker in den Blick genommen werden. Als Vorbild nannte Wilmer die Gemeinschaft von Taizé, die zeige, "wie wir inklusiv Kirche sind, wie wir Menschen begleiten, ohne sie mit Macht zu beeinflussen".

Als weitere Aufgabe nannte Wilmer eine stärkere Hinwendung zur Bibel. Es müsse darum gehen, "wie Menschen aus der Bibel Kraft gewinnen" und wie die Heilige Schrift sie begleiten können, und das auch in Pfarren, Schulen, Familien und katechetischen Gruppen.

Frauen-Gleichberechtigung

Die Schweizer Synodenteilnehmerin Helena Jeppesen-Spuhler verwies auf die Bedeutung der persönlichen Begegnung. Die Erfahrungen aus der Weltsynode und den europäischen Treffen hätten deren Wichtigkeit aufgezeigt. Begegnungen und Austausch veränderten den Diskurs. Europa müsse deshalb auf dem synodalen Weg weitergehen und die Ergebnisse der Synode in den Ortskirchen umsetzen.

Eine zentrale Frage sei dabei die Stellung der Frauen in der Kirche: "Synodale Kirche kann nur ausstrahlen, wenn sie eine gleichberechtigte Kirche ist", so die Programmverantwortliche für die Philippinen beim Hilfswerk "Fastenaktion". Die Frage der Gleichberechtigung der Frau müsse deshalb auch in der Weltkirche weiter angesprochen werden.

Migration und Klimawandel

Eine weitere Spannung wurde beim Thema Migration und Europas Außengrenzen sichtbar. Jeppesen-Spuhler betonte, die Kirche müsse sich weiterhin für "Gerechtigkeit, Diakonie, die Schwächsten in unseren Gesellschaften" einsetzen. Auch die Frage der Migration müsse dabei eine wichtige Rolle spielen. Die Kirche verfüge zugleich über ein großes internationales Netzwerk kirchlicher und nichtkirchlicher Akteure, die sich für Gerechtigkeit und Transformation einsetzten.

Auch der Klimawandel wurde als Herausforderung benannt. Anja Appel von der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz (KOO) verwies darauf, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht einfach abgewehrt werden könnten. Die Kirche müsse die "Zeichen der Zeit" erkennen und die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft weiterführen. Zugleich brauche es die unterschiedlichen Begabungen und Perspektiven der Beteiligten: "Wir brauchen viele Sprachen, das Wort Gottes zu übersetzen."

Den synodalen Prozess verglich Appel mit einem Orchester: Wenn einer Geige und ein anderer Trompete spiele, müsse man darauf vertrauen, "dass es in Summe das richtige Konzert ist". Synodalität könne ein solcher Weg des Vertrauens sein.

Säkularisierung und die Kirche

Als besondere europäische Erfahrung wurde die Säkularisierung angesprochen. Török verwies auf die historische Entwicklung des Verhältnisses von Kirche und Staat und auf die von Papst Benedikt XVI. beschriebene "Entweltlichung" der Kirche. Die Säkularisierung könne auch als Freisetzung verstanden werden, die der Kirche helfe, ihre eigentliche Sendung neu wahrzunehmen. Europa habe durch seine Geschichte diesbezügliche Erfahrungen gemacht, die auch für andere Ortskirchen hilfreich sein könnten.

Gleichzeitig warnte der litauische Erzbischof Gintaras Grusas davor, gesellschaftliche Modelle unkritisch in die Kirche zu übernehmen. Als Beispiel nannte er die Gefahr, einen "gewissen Parlamentarismus" in kirchliche Strukturen zu übertragen. Die Kirche müsse sich gesellschaftlich engagieren, dürfe dabei aber "nicht zur NGO werden". Gerade in der digitalen Welt müsse sie darauf achten, "einen wirklichen christlichen und katholischen Ansatz" zu bewahren.

Auch in seiner Predigt bei einer Eucharistiefeier am selben Tag warnte Grusas davor, Synodalität auf Strukturfragen zu reduzieren. Strukturen, Prozesse und pastorale Pläne hätten zwar ihre Berechtigung, die Umsetzung der Synode werde aber "neue Formen des Zuhörens, Zusammenarbeit und Unterscheidung" erfordern. Bleibe sie "nur organisatorischer Natur", werde sie keine Früchte tragen. Maßstab sei nicht, "ob schnell voranschreitet", sondern "ob größere Übereinstimmung mit Jesus" erreicht werde, so der Präsident des Europäischen Bischofsrates CCEE, unter dessen Schirmherrschaft der Tagung stattfindet. Der synodale Weg müsse deshalb "unter dem Kreuz" beginnen, wo "Ehrgeiz dem Dienst weicht" und der Mensch lerne, "zu empfangen statt zu beherrschen".

(Laufend ergänzte Berichterstattung zum Synodenworkshop in Puchberg bei Wels unter www.kathpress.at/synodenworkshop2026; Honorarfreie Fotos stehen unter www.kathpress.at/fotos zum Download bereit)
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