Marketz: "Alle wollen einen Aufbruch - man muss aber auch etwas tun"
16.09.202616:41
Österreich/Kirche/Religion/Synodalität
Kärntner Bischof: Synodalität als Chance, Kirche stärker auf die Menschen auszurichten - Zuhören, Beteiligung und Mut zur Umsetzung von Veränderungen als Vorbedingung
Linz, 16.09.2026 (KAP) Der Kärntner Bischof Josef Marketz sieht im synodalen Weg eine Möglichkeit, die katholische Kirche durch eine Zeit des Umbruchs zu führen. "Wir alle sind ein bisschen ratlos in dieser Situation, in der wir jetzt leben", sagte Marketz im Interview mit Kathpress beim derzeit laufenden Internationalen Symposium "Shaping Synodality in Europe" in Puchberg. Synodalität könne helfen, "diese Transformation leichter zu meistern" und mit Mut etwas Zukunftsweisendes anzugehen.
Im Zentrum steht für Marketz das Zuhören. "Wir meinen nicht, alles mit unserer Vernunft lösen zu können, sondern auch zunächst einmal mit dem Zuhören", sagte der Mitverantwortliche in der Österreichischen Bischofskonferenz für den "Synodalen Prozess", der auch der Arbeitsgruppe zur Umsetzung der Synodalität in Österreich angehört. In der Diözese Gurk-Klagenfurt werde dafür häufig das "Gespräch im Geist" eingesetzt. Dabei gehe es nicht darum, jedes Problem sofort zu Ende zu diskutieren. Vielmehr müsse man innehalten und andere Perspektiven wahrnehmen.
Notwendiges Zuhören
Diese Haltung beobachte er inzwischen auch außerhalb der Kirche. Erst kürzlich bei Gesprächen in Brüssel mit Diplomaten, EU-Beamten und Vertretern der NATO habe er erlebt, dass auch dort die Frage nach dem nächsten gemeinsamen Schritt und den Erwartungen der anderen eine wichtige Rolle spiele. "Wir merken auf allen Ebenen, dass wir, wenn wir nicht aufeinander hören, zu gar keinen Lösungen kommen", so der Bischof. Die Alternative dazu sei zunehmend der Krieg, "doch dem werden wir uns nicht überlassen".
Für seine Diözese verbindet der Bischof Synodalität vor allem mit Beteiligung. Nach seinem Amtsantritt habe man rund 5.000 Menschen gefragt, wie die Kirche künftig aussehen solle, welche Inhalte sie brauche und was sie störe. Aus den Antworten seien Themen entstanden, an denen anschließend weitergearbeitet wurde. Erst danach sei das Thema von Rom aus forciert worden. Dass man sich damals in Kärnten entschieden habe, im Unterschied zu Deutschland auf die Weltkirche zu warten, habe sich aus seiner Sicht ausgezahlt, so Marketz.
Beteiligung und Laien-Verantwortung
In der Diözese Gurk soll die stärkere Beteiligung auch konkret Aufgaben neu verteilen. Neben den bereits bestehenden Diensten von Lektoren und Akolythen will die Diözese künftig auch Katecheten einsetzen. Dabei gehe es auch darum, Aufgaben nicht allein bei den Priestern zu belassen. "Wir haben jetzt genau in dieser Zeit gelernt, dass wir Laien viel anvertrauen können, dass sie gute Arbeit machen", sagte Marketz.
Priester und Diakone würden dadurch nicht überflüssig. Im Gegenteil: "Das Geistliche in der Kirche, das ist ja gerade in Europa jetzt wirklich die größte Herausforderung." Priester würden weiterhin für die Sakramente und andere geistliche Aufgaben gebraucht. "Kein Priester braucht Angst haben, dass er keinen Job kriegt bei uns", sagte Marketz. Zugleich müsse die Kirche anerkennen, dass es "viel mehr zu tun" gebe, als die vorhandenen Priester leisten könnten. Laiendienste könnten deshalb Verantwortung übernehmen und die Priester entlasten.
Kirche am Zug
Marketz sieht den synodalen Prozess trotz der bereits angestoßenen Veränderungen noch nicht ans Ziel gelangt. "Eine große Erfolgsbewegung, denke ich, ist das noch nicht geworden", sagte er mit Blick auf Europa. Zugleich sei der Austausch zwischen den Ländern hilfreich. Bei dem dieswöchigen Treffen mit fast 200 Teilnehmenden aus 31 europäischen Ländern in Puchberg bei Wels habe er zahlreiche Anregungen für die eigene Diözese erhalten.
Als persönliche Lehre aus Puchberg formulierte Marketz schließlich einen Appell zum Handeln: "Alle wollen einen Aufbruch. Wenn man Aufbruch will, muss man auch etwas tun, sonst bleibt man am Fleck und die Welt dreht sich rundherum um einen. Man darf nicht glauben, dass die Leute uns dann verstehen, wenn die Kirche selbst nicht ins Handeln kommt."