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Theologin Klara Csiszar beim Internationalen Symposium 'Shaping Synodality in Europa - von der Vision zur Roadmap' in Puchberg bei Wels
Bild Copyright: © MIG-Pictures e.U. / Michaela Greil

Wels: Synodalitäts-Gespräche mit Fokus auf Taufe, Zuhören und Leitung

16.09.2026 21:45
Österreich/Kirche/Glaube/Religion/Gesellschaft/Theologie
KU-Linz-Theologin Klara Csiszar fasst Ergebnisse des europäischen Synodalitätssymposiums zusammen - Tischberichte sollen als "geistlicher Resonanzraum" weiterwirken - Vorschlag eines "Europäischen Kirchenforums"
Linz, 16.09.2026 (KAP) Die aktive Teilhabe aller Getauften, ein stärkeres Zuhören in der Kirche sowie eine neue Kultur von Beziehungen und Leitung: Diese Themen haben sich nach den Worten der Theologin Klara Csiszar in den Tischberatungen des europäischen Synodalitätssymposiums "Shaping Synodality in Europe" als wichtige Anliegen der Vertreter aus allen 31 Ortskirchen Europas herauskristallisiert. Veranstaltet wurde das viertägige Symposium von der Katholischen Privat-Universität Linz (KU Linz), deren Vizerektorin Csiszar ist und an der sie die Abteilung für Synodalität leitet; der Rat der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) hatte die Schirmherrschaft übernommen.

Die Beratungen fanden an den drei Arbeitstagen in 21 Tischgruppen mit jeweils acht bis neun Teilnehmern statt. Bei der Zusammensetzung sei bewusst auf eine breite Durchmischung geachtet worden, erklärte Csiszar. Norden und Süden sowie Osten und Westen Europas sollten ebenso zusammenkommen wie unterschiedliche Generationen, Geschlechter und kirchliche Erfahrungen. An jedem Tisch waren auch ein Bischof und Studierende vertreten. Gesprochen wurde auf Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch mit durchgehender Simultanübersetzung bei Vorträgen.

Ein wiederkehrendes Element waren die aus dem weltweiten Synodenprozess bekannten "Conversations in the Spirit". Dabei hören die Teilnehmer zunächst einander zu, bevor sie auf die Beiträge reagieren. Auch persönliche Erfahrungen und geistliche Einsichten sollten Raum bekommen. Zu den jeweiligen Tagungsthemen erhielten die Gruppen konkrete Fragen; Berichterstatter fassten die Gespräche anschließend zusammen.

Taufe und Zuhören

Bei der Auswertung der Berichte betonte Csiszar, darin hätten sich "Erfahrungen, Spannungen, Hoffnungen, Widersprüche und viele offene Fragen" verdichtet. Die Texte seien für den weiteren Weg wichtig, weil sie eine Richtung aufzeigten. Was in Puchberg entstanden sei, sei "kein Protokoll, sondern ein geistlicher Resonanzraum".

Besonders deutlich sei die Frage nach der Bedeutung der Taufe geworden. Sie sei Grundlage gemeinsamer Würde und Verantwortung und "Anfang unseres gemeinsamen Kirchseins". Zugleich werde diese Taufwürde in der kirchlichen Wirklichkeit oft zu wenig bewusst und gewinne "zu wenig konkrete Gestalt". Die Frage bleibe daher bestehen: "Wenn wirklich nichts größer ist als die Taufe, warum prägt sie unser kirchliches Leben dann oft so wenig sichtbar?"

Mehrfach sei zudem die Sorge geäußert worden, die Kirche könne Antworten auf Fragen geben, die niemand gestellt habe. Csiszar formulierte: "Er [Gott] stellt uns nicht zuerst vor die Frage, ob wir die richtigen Antworten haben, er stellt uns vor die Frage, ob wir die wirklichen Fragen gehört haben." Synodalität beginne dort, "wo wir nicht zuerst erklären, sondern zuhören". Zuhören bedeute dabei mehr als höfliches Anhören: "Hören heißt, sich unterbrechen zu lassen" und sich von dem, was man hört, auch verändern zu lassen.

Beziehungen und die Wunden Europas

Als weitere Konsequenz beschrieb Csiszar eine "Umkehr der Beziehungen". Die Tische hätten nicht zuerst weitere Programme gefordert, sondern "Gastfreundschaft, Nähe, Begleitung" und eine Kirche, die Menschen nicht nur anspricht, sondern wahrnimmt. Die Kirche müsse nicht zuerst fragen, "wie kommen die Menschen wieder zu uns", sondern: "Wie gehen wir zu ihnen, wie werden wir dort gegenwärtig, wo sie leben?"

Pfarren blieben dafür wichtige Orte. Entscheidend sei, "ob Menschen wahrgenommen werden, ob sie willkommen sind, ob Vertrauen wachsen kann". Auch junge Menschen sollten nicht lediglich als Zielgruppe pastoraler Angebote betrachtet werden, sondern als "Glaubende, Suchende, Fragende, Begabte", die Verantwortung übernehmen können.

Besonders stark sei in den Beratungen die Frage nach den "Wunden Europas" hervorgetreten. Europa sei geprägt von Krieg, Angst, Gewalt und Flucht, Polarisierung, Erschöpfung, Vertrauensverlust, Einsamkeit, Missbrauch und religiöser Entfremdung, zugleich aber von der Sehnsucht nach Frieden, Gemeinschaft, Würde, Gerechtigkeit und Hoffnung. Csiszar fragte: "Wo begegnen wir in den Wunden der Menschen Europas dem auferstandenen Christus?" Der Auferstandene sei "nicht der Unverletzte, er bleibt der Verwundete".

Von der Gesprächskultur zur Leitung

Synodalität dürfe laut den Berichten nicht bei einer gelungenen Gesprächskultur stehen bleiben. Gefragt worden sei nach klaren Wegen von Beratung, Verantwortung, Entscheidung und Rechenschaft: "Wer wird gehört? Wer berät? Wer entscheidet?" Beteiligung dürfe nicht nur symbolisch sein. Diese Fragen richteten sich laut Csiszar nicht gegen das Amt, sondern nach dessen Glaubwürdigkeit. "Amt ist nicht Besitzstand, Amt ist Dienst" - an der Einheit, an der Unterscheidung und "an der Sendung der ganzen Kirche".

Csiszar brachte deshalb konkrete Erprobungsräume ins Spiel, darunter "Berufungscoaching". Dieses solle nicht primär der Nachwuchsgewinnung dienen, sondern Menschen helfen, ihre Berufung und ihre unterschiedlichen Gaben zu entdecken und zu gestalten. Berufung könne Verantwortung in Familie und Beruf ebenso umfassen wie soziales, wissenschaftliches oder politisches Engagement, geistliche Gemeinschaften und kirchliche Ämter. Auch Bischöfe und andere Leitungspersonen bräuchten Begleitung, etwa durch kollegiale Beratung, geistliche Begleitung und ehrliche Rückmeldungen.

Persönliche Bilanz der Tagungsleiterin

Über die Auswertung der Tischberichte hinaus formulierte Csiszar auch eigene Schlussfolgerungen. Als mögliche "Roadmap" regte sie ein europäisches Kirchenforum an, einen "geistlichen und theologischen Raum", in dem die Kirchen Europas gemeinsam die "Zeichen der Zeit" deuten könnten. Nicht Strukturen sollten im Mittelpunkt stehen, sondern die Frage, "was geschieht mit Menschen" - wo Angst, Polarisierung und Einsamkeit wachsen, aber auch Hoffnung, Solidarität, neue Formen von Glauben, Berufung und Verantwortung.

Die Tage hätten gezeigt, wie wichtig es sei, Räume für Begegnung zu öffnen. "Wir reden weniger in Karikaturen übereinander, sondern wir haben Gesichter und auch Leidensgeschichten", sagte Csiszar. Wo Beziehungsarbeit stattfinde und Vertrauen entstehe, werde Angst abgebaut. Als mögliche Fortsetzung nannte sie einen Vorschlag aus Belgien für ein Symposium im Oktober 2027 an der Katholischen Universität Löwen (UCLouvain). Dies sei zunächst "ein Vorschlag, eine Einladung", den sie dem CCEE-Präsidium vorlegen wolle.

Weiterarbeit mit den Ergebnissen

Die Ergebnisse werden nach den Angaben Csiszars von der Forschungsgruppe Synodalität und der Taskforce Synodalität weiter ausgewertet. Beim Treffen des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) im Oktober in Salzburg sollen sie vorgestellt und weiter beraten werden. Die Ergebnisse und eine daraus entstehende "Roadmap" sollen zudem in die weiteren europäischen Beratungen im Vorfeld der gesamtkirchlichen Synodenversammlung in Rom 2028 einfließen. Ein fertiges Grundsatz- oder Abschlussdokument war für das Symposium nicht vorgesehen.

Zum Abschluss verwies Csiszar auf die "missionarische Freude", die sie in Puchberg erlebt habe: die Freude an Begegnung über Grenzen hinweg und daran, dass Verschiedenheit nicht notwendig zur Spaltung führen müsse. Darin könnte "der tiefste Ertrag dieser Tage" liegen. Für sie sei sichtbar geworden: "Kirche ist kein Museum", sei "nicht gerufen, das Evangelium hinter Glas auszustellen". Sie sei auch "kein fertiges Produkt, sondern ereignet sich tagtäglich unter uns - und die Zukunft ist vor uns und die Einladung diese Zukunft zu gestalten".
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