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Kardinal Reinhard Marx
Bild Copyright: © COMECE

Kardinal Marx: Patriotismus nicht der AfD überlassen

17.09.2026 11:09
Deutschland/Kirche/Gesellschaft/Politik/Parteien
Münchner Erzbischof wirbt in Zeitungsinterview für Stolz auf das eigene Land, gemeinsame Feiern und ein solidarisches Zusammenleben
München, 17.09.2026 (KAP/KNA) Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx will Patriotismus nicht der in Teilen rechtsextremen AfD überlassen. "Die AfD schürt das Misstrauen, indem sie etwa behauptet, sogenannte Eliten hätten das Vaterland verraten und müssten weg", sagte Marx laut Nachrichtenagentur KNA dem "Münchner Merkur" von Donnerstag.

"Ihre Protagonisten geben sich als die wahren Patrioten aus", fügte der deutsche Kardinal hinzu. "Dagegen sollten wir gemeinsam das Gefühl stärken, dass man gerne hier lebt, stolz auf sein Land ist - und auch miteinander feiert und solidarisch zusammenlebt." Diese Haltung sei in Bayern gut ausgeprägt, so der Erzbischof von München und Freising. "Deswegen hoffe ich, dass wir resistent genug sind und die AfD draußen halten."

Die nächsten Landtagswahlen im Freistaat stehen turnusgemäß 2028 an. 2023 erzielte die AfD in Bayern einen Stimmenanteil von 14,6 Prozent. Bei der jüngsten deutschlandweiten Bundestagswahl 2025 waren es 19 Prozent.

Übernationaler Einsatz für Europa

Bei der Verleihung des Freisinger Dialogpreises verlangte Kardinal Marx derweil ein verstärktes Engagement der Bevölkerung für Europa. "Wir müssen sehr daran arbeiten, dass es weiter funktioniert", sagte der Münchner Erzbischof von München am Mittwochabend laut seiner Pressestelle. "Wir brauchen die Kräfte, die Menschen übernational zusammenbringen, die wissen, es gibt keine Nation, die über der anderen steht, keine Menschen erster und zweiter Klasse."

Solch eine Kraft sei die Preisträgerin, die Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung, sagte Marx in seiner Laudatio. "Eine große Begegnungsstätte, besonders für junge Menschen, eine Stiftung, die Versöhnungsarbeit, Dialogarbeit macht, die Menschen auf Augenhöhe zusammenbringt. Wie nötig ist das gerade heute!"

Begegnung und Dialog seien "für die Zukunft nicht nur Europas, sondern für die Zukunft der Demokratie entscheidend", betonte der Erzbischof. Es könne keine Demokratie geben ohne "das, was wir eine Zivilgesellschaft nennen: Das ist das Unterfutter, dass es engagierte Menschen gibt, die sich begegnen, die feiern, die sich verständigen, die einen Dialog führen." Da sei auch die Kirche gefordert, "auf der Seite der verantwortlichen Freiheit zu stehen".

Grenzüberschreitender Austausch

Die 1990 gegründete Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung mit Sitz im polnischen Krzyzowa (Kreisau) engagiert sich den Angaben zufolge für internationale Begegnung, demokratische Bildung und grenzüberschreitenden Austausch. Rund 16.000 junge Menschen nehmen demnach jährlich an ihren Projekten teil.

Der Freisinger Dialogpreis ist mit 10.000 Euro dotiert. Mit der erstmals vergebenen Auszeichnung würdigen das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis, die Stadt Freising und die Erzdiözese München und Freising das herausragende Engagement der Stiftung für Verständigung, Versöhnung und demokratische Bildung in Europa. Der Preis wird an Personen, Institutionen und Initiativen verliehen, die sich in Mittel-, Ost- und Südosteuropa oder in Verbindung mit diesen Regionen für Verständigung, Zusammenarbeit und Versöhnung einsetzen.
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