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Weltkirche
Bild Copyright: © Georg Pulling

Scheuer: Christen im Irak brauchen internationale Solidarität

20.09.2026 12:08
Österreich/Irak/Kirche/Religionsfreiheit/Scheuer/ICO
Linzer Bischof zieht gegenüber Kathpress Bilanz seiner jüngsten Reise in den Irak - Es braucht politische Unterstützung, wirtschaftliche, pädagogische und soziale Projekte und das Gebet - Obmann der "Initiative Christlicher Orient, Dadas: Hilfsprojekte funktionieren
Linz, 20.09.2026 (KAP) Beeindruckt vom Lebensmut und Glaubenszeugnis der christlichen Gemeinschaften im Irak hat sich der Linzer Bischof Manfred Scheuer gezeigt. Gegenüber Kathpress bilanzierte er seine jüngste Irak-Reise, die ihn vor allem in eine geopolitisch besonders heikle Region führte: die Ninive-Ebene. In der Ninive-Ebene lebten vor 2014 noch rund 100.000 Christen. Im August 2014 musste alle vor der anrückenden IS-Terrormiliz fliehen. Nach der militärischen Niederlage des IS 2016/17 kehrte nur ein Teil der Geflüchteten wieder zurück, um die geplünderten und zerstörten Häuser wieder aufzubauen und noch einmal einen Neuanfang in der Heimat zu wagen. Schätzungen zufolge sind weniger als 50 Prozent zurückgekehrt.

Die zurückgekehrten Christinnen und Christen bräuchten vielfältige Hilfe, warb der Linzer Bischof für politische Unterstützung und konkrete wirtschaftliche, pädagogische und soziale Projekte, "damit die Christen im Irak eine Zukunft haben". Ebenso bedeutsam sei das Gebet, so Scheuer und er hob auch die Notwendigkeit hervor, die Menschen vor Ort zu besuchen, "damit sie nicht das Gefühl haben, von den Christen im Westen vergessen, im Stich gelassen, ja fallen gelassen zu sein".

Scheuer leitete gemeinsam mit dem Obmann der "Initiative Christlicher Orient" (ICO), Bischofsvikar Slawomir Dadas, eine kleine Delegation von Vertreterinnen und Vertretern der ICO, der Linzer Pro Oriente-Sektion und der Kardinal König Stiftung. In der Kleinstadt Karakosch traf die Delegation mit dem syrisch-katholischen Bischofs Mar Benedictus Younan Hanno zusammen. Einst lebten in der zur Gänze christlichen Stadt 11.000 Familien. Davon sind rund 5.000 zurückgekehrt. Inzwischen leben aber auch Muslime vor Ort. Das verändert das gesellschaftliche Gleichgewicht, so der Bischof. Nichtsdestotrotz berichtete er von einem regen christlichen Leben. Die Sicherheitslage sei derzeit ganz gut, befand der Bischof. Aber die politische Gesamtsituation sei schwierig.

Die Delegation besuchte in Karakosch u.a. die große syrisch-katholische Kathedrale, die von den IS-Terroristen schwer beschädigt wurde. Sie verbrannten im Kircheninneren das gesamte Interieur, verursachten so bewusst ein "Höllenfeuer". Die gesamte Konstruktion wurde so schwer beschädigt, dass die Kirche von Grund auf erneuert werden musste, was inzwischen geschehen ist. Im Innenhof der Kirche führte der IS regelmäßig Schießübungen durch. Die Einschusslöcher an der Wand einer weiteren kleinen Kirche wurden bis heute nicht verputzt.

Ein weiteres Mahnmal fand die Delegation beim Besuch der Marienkirche in Karakosch vor. Der IS hatte den Glockenturm der Kirche gesprengt. Nach der Rückeroberung der Stadt wurde die Kirche bis 2022 wieder aufgebaut und mit zwei neuen Türmen versehen. Die Reste des ursprünglichen Turms wurden neben der Kirche belassen.

IS-Herrschaft in Mossul

Younan Hanno ist eigentlich Bischof von Mossul. Er hat seinen Amtssitz aber in Karakosch, weil sein Sitz in Mossul zerstört ist und es dort auch kaum syrisch-katholische Christen gibt. Mossul war die Hochburg des IS. In Mossul rief Abu Bakr al-Baghdadi das IS-Kalifat aus. Es folgten Jahre des Grauens, des Mordens und des Versuchs, die christliche Präsenz auszulöschen. Alle 35 Kirchen Mossuls hat der IS entweder völlig zerstört oder zumindest schwer verwüstet. Einige Kirchen wurden als Bombenwerkstätten missbraucht, in einer anderen Kirche hatte der IS einen Strafgerichtshof eingerichtet, Menschen abgeurteilt und gefoltert. Nur fünf Kirchen wurden bisher wieder errichtet bzw. renoviert.

Die Ö-Delegation besuchte die Altstadt von Mossul, die immer noch zu 90 Prozent in Trümmern liegt. Rund um jenen Platz, den Papst Franziskus bei seinem Besuch in der Stadt im März 2021 aufsuchte und wo er eindringlich zum Frieden aufrief, gibt es gleich fünf Kirchen unterschiedlichster Konfessionen. Die syrisch-katholische Kirche wurde inzwischen wieder aufgebaut, die anderen vier Kirchen liegen immer noch in Trümmern, wie die Delegation mit eigenen Augen sehen konnte. Kirchenvertreter vor Ort berichteten, dass bisher maximal 100 christliche Familien nach Mosul zurückgekehrt seien.

Die Delegation besuchte in Mossul u.a. auch die renovierte Pauluskirche, in der eine kleine Ausstellung zum Papstbesuch eingerichtet wurde; u.a. mit dem Kreuz, vor dem der Papst betete, zahlreichen Fotos oder auch dem Stuhl, auf dem das Kirchenoberhaupt Platz genommen hatte.

Hilfe zur Selbsthilfe

In Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan war, die Delegation u.a. mit dem chaldäischen Patriarchen Paul III. Nona und seinem Vorgänger Altpatriarch Louis Sako zusammengetroffen. Nona betonte, dass es ohne Unterstützung aus dem Ausland für die letzten Christen kaum möglich sein werde, in ihrer Heimat zu bleiben. Die Menschen bräuchten Hilfe zur Selbsthilfe, plädierte der Patriarch für Hilfsprojekte, die es den Menschen ermöglichten, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Altpatriarch Sako erinnerte u.a. an den Besuch von Papst Franziskus 2021 im Irak. Der Papst habe den Christen vermittelt, dass sie nicht vergessen sind und dass es Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt, so Sako.

Hilfsprojekte im Irak

Die ICO setzt jedes Jahr im Irak zwischen 15 und 20 Hilfsprojekte um. So wird etwa in abgelegenen Dörfern in der bergigen Region im Norden des Landes Heizöl an die verarmte Bevölkerung geliefert. Weiters werden Kindergärten, Schüler und Studenten unterstützt und auch ein Flüchtlingslager, in dem Jesiden untergebracht sind. In der Ninive-Ebene wurden Projekt mitfinanziert, die Christinen und Christen dabei halfen, selbst kleine Betriebe zu eröffnen, um auf eigenen Beinen zu stehen.

ICO-Obmann Dadas hielt gegenüber Kathpress fest: "Es ist schön zu sehen, dass unsere Hilfsprojekte funktionieren: Kinder und Jugendliche werden in ihrer Schulbildung unterstützt, und das Überleben mehrerer Pfarrgemeinden ist gesichert." Das Land entwickle sich spürbar weiter, die Menschen würden langsam das Trauma der IS-Terrorherrschaft überwinden. Dennoch, so Dadas, "werden sie unsere Solidarität noch lange Zeit benötigen".

(Infos und Spenden: www.christlicher-orient.at)
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