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Ludmila Javorová
Kirche
Bild Copyright: © Dušan Kadlec / Člověk a Víra

Tschechien: "Untergrundkirche-Pionierin" Ludmila Javorová gestorben

18.09.2026 11:14
Tschechien/Kirche/Leute/Geschichte/Untergrundkirche
Enge Mitarbeiterin von Geheimbischof Davídek wurde 94 Jahre alt - Zu kommunistischen Zeiten 1970 im Untergrund zur Priesterin geweiht - Vatikan erklärte Weihe nach der politischen Wende für ungültig
Brünn, 18.09.2026 (KAP) Die tschechische Katholikin Ludmila Javorová, eine der bekanntesten Persönlichkeiten der kirchlichen Untergrundstrukturen in der früheren kommunistischen Tschechoslowakei, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Sie starb in der Nacht auf Donnerstag in einem Hospiz in Rajhrad bei Brünn. Javorová war 1970 von dem geheim geweihten Bischof Felix Maria Davídek (1921-1988) zunächst zur Diakonin und anschließend zur Priesterin geweiht worden. Der Vatikan erklärte die Weihe nach der politischen Wende für ungültig.

Der Brünner Bischof Pavel Konzbul würdigte Javorová als "außergewöhnliche Frau", die ihr Leben dem Dienst an anderen Menschen und an der Kirche gewidmet habe. Er habe sie wegen ihrer Bildung, ihres tiefen Interesses am Leben der Kirche und ihres langjährigen aufopferungsvollen Einsatzes in der Pfarrgemeinde sehr geschätzt, schrieb Konzbul in den Sozialen Netzwerken. Eine Begegnung mit ihr wenige Wochen vor ihrem Tod sei für ihn sehr persönlich und bereichernd gewesen.

Javorová wurde am 31. Jänner 1932 in Brünn geboren und wuchs in einer katholischen Familie auf. Ein von ihr erwogener Eintritt in ein Kloster war unter den Bedingungen des kommunistischen Regimes nicht möglich. Sie arbeitete daher in zivilen Berufen und engagierte sich zugleich in den vom Staat nicht kontrollierten kirchlichen Strukturen.

Seit 1964 gehörte sie zum engsten Mitarbeiterkreis Davídeks, der wegen seiner kirchlichen Tätigkeit 14 Jahre in kommunistischen Gefängnissen verbracht hatte und 1967 heimlich zum Bischof geweiht worden war. Javorová wirkte am Aufbau der Untergrundgemeinschaft "Koinótés" mit. Diese organisierte im Geheimen theologische Studien, bereitete Kandidaten auf den priesterlichen Dienst vor und sollte das kirchliche und sakramentale Leben auch im Fall einer weitgehenden Zerschlagung der offiziellen Kirchenstrukturen sichern.

Weihe zur Priesterin

Davídek übertrug Javorová weitreichende organisatorische Aufgaben, die nach ihren späteren Angaben der Funktion einer Generalvikarin entsprachen. Am 28. Dezember 1970 weihte er sie heimlich zunächst zur Diakonin und einen Tag später zur Priesterin. Davídek begründete diesen Schritt unter anderem mit der Lage inhaftierter Ordensfrauen und anderer weiblicher Gefangener. Diese hätten keinen Zugang zu männlichen Priestern gehabt und seien deshalb ohne seelsorgliche und sakramentale Begleitung geblieben.

Die Weihe Javorovás war allerdings bereits innerhalb der Untergrundkirche heftig umstritten und wurde lange geheim gehalten. Die römisch-katholische Kirche lässt Frauen nicht zum Weihesakrament zu. Nach dem katholischen Kirchenrecht kann die Priesterweihe gültig nur ein getaufter Mann empfangen.

Nach dem Ende des kommunistischen Regimes 1989 begann die kirchenrechtliche Aufarbeitung der im Untergrund vorgenommenen Weihen. Dabei mussten zahlreiche geheim geweihte Bischöfe und Priester ihren Status klären lassen; bei manchen Männern verlangte Rom eine erneute, bedingungsweise Weihe. Für Javorová gab es eine solche Möglichkeit nicht. 1996 wurde ihr offiziell mitgeteilt, dass ihre Weihe nach katholischem Kirchenrecht ungültig sei und sie keinen priesterlichen Dienst ausüben dürfe. Dabei handelte es sich kirchenrechtlich nicht um die nachträgliche Aberkennung einer zuvor als gültig anerkannten Priesterweihe. Der Vatikan betrachtete den 1970 vollzogenen Akt vielmehr von Anfang an als ungültig. Papst Johannes Paul II. (1978-2005) hatte 1994 im Apostolischen Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" bekräftigt, die Kirche habe keine Vollmacht, Frauen die Priesterweihe zu spenden.

Javorová blieb dennoch Mitglied der katholischen Kirche und war nach 1989 unter anderem als Religionslehrerin sowie in ihrer Pfarrgemeinde tätig. Zugleich hielt sie bis zu ihrem Lebensende an ihrer persönlichen Überzeugung fest, zum priesterlichen Dienst berufen und von Davídek wirksam geweiht worden zu sein. Mitte der 1990er-Jahre begann sie, öffentlich über ihre Weihe und die Erfahrungen der Untergrundkirche zu sprechen.

Auch in ihren letzten Lebensjahren setzte sich Javorová für eine stärkere Beteiligung von Frauen an kirchlichen Entscheidungsprozessen ein. Ihre Lebensgeschichte wurde in Büchern und Dokumentationen aufgearbeitet. 2023 widmete ihr der Tschechische Rundfunk den Radiodokumentarfilm "Ona je knez" ("Sie ist Priester"). Darin sprach Javorová über ihren Glauben, ihre Berufung und die Stellung der Frau in der katholischen Kirche.
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