Hilfsorganisation schlägt zum Weltkindertag am 20. September Alarm - Projektpartner berichtet von katastrophalen Zuständen in Gefängnissen und dem Leben auf der Straße von "Friedhofskindern"
Wien/Monrovia, 18.09.2026 (KAP) Auf schwere Kinderrechtsverletzungen in Afrika hat anlässlich des bevorstehenden Weltkindertags am Sonntag (20. September) die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt aufmerksam gemacht. Besonders dramatisch stelle sich die Situation in Westafrika dar. Die Salesianer Don Boscos, Projektpartner der Entwicklungshilfeorganisation, kämpfen dort aktiv gegen Missstände sowie Korruption im Polizei- und Justizwesen an und helfen Minderjährigen, die am härtesten vom System getroffen werden. Dazu gehören sogenannte "Friedhofskinder" - obdachlose Jugendliche, die mangels eines sicheren Zuhauses in verlassenen Gräbern schlafen müssen - sowie minderjährige Häftlinge, die teilweise wegen geringfügiger Vorwürfe oder gar völlig schuldlos im heillos überfüllten Zentralgefängnis der Hauptstadt Monrovia landen.
Im dortigen Stadtgefängnis, das ursprünglich für 325 Insassen gebaut wurde und heute mit über 1.500 Personen belegt ist, herrschen katastrophale Bedingungen. "In einer kleinen Zelle, die für zwei Insassen vorgesehen ist, sind acht bis zehn Jugendliche untergebracht. Geschlafen wird abwechselnd, weil diese Zellengröße ihren vielen Bewohnern nur stehend Platz bietet. Der ständige Hunger und die dramatische Raumsituation schwächen die Gesundheit der Kinder enorm", berichtete Lothar Wagner, der seit zehn Jahren als Projektpartner von Jugend Eine Welt vor Ort im Einsatz ist.
Da armen Familien das Geld für Kautionen oder rechtlichen Beistand fehlt, blieben die Jugendlichen oft jahrelang eingesperrt und verpassten wichtige Schuljahre. In seinem Büro stünden meterweise Ordner voller Dokumentationen über unvorstellbares Leid. "Über Kinder, die im Gefängnis eingepfercht sind und deren grundlegende Rechte nicht eingehalten werden."
Korruption
Es sei jedoch nicht einfach, gegen Korruption im Polizei- und Justizwesen anzukämpfen. "Denn jede Kritik am System, so leise sie ist, kann unseren sofortigen Rausschmiss aus dem Gefängnis bedeuten. Dann wären die Kinder völlig auf sich allein gestellt", so Wagner, der mit Polizei, Gerichten und Angehörigen spricht, Kinder im Gefängnis besucht und sie mit Trinkwasser und warmen Mahlzeiten versorgt. Darüber hinaus organisiert er medizinische Betreuung, psychologische Unterstützung und unabhängigen Rechtsbeistand.
Mehr als 1.000 junge Menschen hat der Jugend Eine Welt-Projektpartner in den vergangenen zehn Jahren begleitet. "Unser Handlungsspielraum ist begrenzt. Aber diese Ernüchterung bedeutet für mich niemals Resignation. Wir machen auf jeden Fall weiter, weil diese Kinder Rechte haben und wir sie auch niemals im Stich lassen", sagte Wagner.
Negativtrend im "KidsRights Index 2026"
Wie akut der Handlungsbedarf in der Region ist, untermauern die Daten des aktuellen KidsRights Index 2026, der die Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention in 194 Ländern misst. Die weltweite Bilanz fällt ernüchternd aus: Nur fünf Staaten konnten sich verbessern, während 31 Länder zurückgefallen sind. Besonders prekär ist die Lage in West- und Zentralafrika - kein einziges Land dieser Region schafft es unter die Top 100. Liberia rangiert aktuell auf Platz 167 und hat sich im Vergleich zum Vorjahr um fünf Plätze verschlechtert. Besonders niedrig wurden die Bereiche Überleben und Schutz von Kindern bewertet.
Jugend Eine Welt bittet anlässlich des Weltkindertags unter dem Leitgedanken "Bildung überwindet Armut" um Spenden und Aufmerksamkeit für das Thema. Heiserer forderte dazu auf, das Schicksal dieser Kinder in Pfarren, Schulen und Vereinen sichtbar zu machen: "Der Weltkindertag darf nicht nur ein Tag schöner Worte sein. Er muss uns daran erinnern, dass Kinderrechte jeden Tag und weltweit gelten." (Spendenkonto: AT66 3600 0000 0002 4000; Onlinespenden unter www.jugendeinewelt.at/spenden)