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Kreuz mit Erntedankkrone
Bauern
Bild Copyright: © NÖ Bauernbund

Schwarz: "Erntedank muss nach Dürre-Sommer anders ausfallen"

20.09.2026 18:10
Österreich/Kirche/Agrar/Gesellschaft/Glaube
St. Pöltner Bischof bei Jubiläumswallfahrt des NÖ Bauernbundes in Mariazell: Das wenige Vorhandene annehmen, teilen und Gott dafür danken - Christen sollen "Hoffnung säen"
Mariazell, 20.09.2026 (KAP) Der heurige Dürre-Sommer mit anhaltend hohen Temperaturen und keinem Regen sollte sich nach Ansicht des St. Pöltner Bischofs Alois Schwarz auch im Erntedankfest widerspiegeln. "Man kann nicht die Erntekronen vom Vorjahr abstauben und wieder hernehmen", sagte Schwarz am Sonntag beim Pontifikalamt, das der Höhepunkt der traditionellen Wallfahrt des Niederösterreichischen Bauernbundes nach Mariazell war. Heuer sei weniger vorhanden. Gerade deshalb müsse das Wenige bewusst angenommen und geteilt werden: "Das, was da ist, wenn wir es dem Herrgott hinhalten und dafür danken, es wird reichen."

"Das Land hat gedürstet heuer", sagte der Bischof mit Blick auf die lange Trockenheit und das Warten auf den Wetterumschwung. Er selbst habe im Sommer zum Gebet um Regen aufgerufen und dafür Kritik geerntet. "Zeitungsmeldungen haben gesagt: Beten hilft nicht. Doch: Es hilft." Schließlich sei der ersehnte Regen gekommen, "Gott sei Dank".

Schwarz stellte die heurige Wallfahrt in eine längere Tradition. Mariazell sei "wie ein Heimkommen der Seele". In schwierigen Zeiten hätten auch frühere Generationen den Weg in den Marienwallfahrtsort gesucht. Schwarz erinnerte dabei an Leopold Figl und Josef Reiter. Sie hätten in unsicheren Zeiten gewusst: "Wir müssen nach Mariazell gehen, zur Gottesmutter, damit sie schützend die Hand über unser Land hält." Diese Menschen hätten "Hoffnung gesät". Heute könne man sagen: "Die Ernte ist aufgegangen."

"Kultur der Aussaat"

Der Bischof sah im Verhältnis von Saat, Wachstum und Ernte auch ein Sinnbild für die Gesellschaft. Die Landwirtschaft wisse, dass Entwicklung Zeit brauche. "Das Korn braucht die dunkle Erde, wächst dann von selbst", sagte der Bischof. Demgegenüber stehe eine Gesellschaft, in der vieles sofort verfügbar sein müsse. Es brauche daher eine "Kultur der Aussaat" und die Bereitschaft, Hoffnung zu säen. Um in Zeiten der Unsicherheit zu einer "Kultur der Hoffnung" beizutragen, sollten Christen "Profil zeigen" und ihr Christsein als "Lebensprogramm" sehen.

Auch persönliche Krisen könnten dabei zu Erfahrungen werden, aus denen Menschen gestärkt hervorgehen, sagte Schwarz. Schicksalsschläge, Todesfälle oder zerbrochene Beziehungen würden Menschen herausfordern. "Der Härteste des Lebens ist manchmal der größte Lehrmeister." Entscheidend sei, aus schwierigen Situationen etwas mitzunehmen und sich zu fragen: "Was lernen wir daraus?"

Würdigung der Landjugend

Mit Blick auf die junge Generation forderte Schwarz zugleich mehr Orientierung und Perspektiven. Junge Menschen wollten nicht weniger leisten, sondern Antworten darauf, "warum sie das machen sollen". Sie wollten wissen, welche Chancen und welche Hoffnung ihnen offenstehen. Gerade deshalb müssten Christen heute "Profil zeigen", so der Bischof. Er verwies auf die 80-jährige Geschichte der Landjugend und deren Verbindung von Glauben, Gemeinschaft und gesellschaftlichem Engagement.

Schwarz plädierte außerdem für mehr Ruhe und Aufmerksamkeit füreinander. In einer Welt, in der vieles um Aufmerksamkeit kämpfe, brauche es "zeitweise Stille". Die Wallfahrt selbst sei ein Beispiel dafür, wie Gemeinschaft funktionieren könne: Man nehme aufeinander Rücksicht, schaue aufeinander und lasse sich aufeinander ein.

Die Wallfahrt bezeichnete Schwarz schließlich als "Programm der Hoffnung". Die Teilnehmer sollten diese Hoffnung in eine zunehmend unüberschaubare Welt tragen. "Wir sind Leute, die Hoffnung säen", sagte der Bischof mit einem Verweis auf das Veranstaltungsmotto "Glauben leben - Hoffnung säen". Verwurzelt im Glauben könne daraus neue Kraft entstehen. "Wenn Sie mit dem Heimgehen, dann ist Niederösterreich anders."

Landesspitze pilgerte mit

An der Jubiläumswallfahrt nahmen zahlreiche Vertreter aus Politik, Landwirtschaft und Bauernbund teil. Unter den Ehrengästen waren Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Österreichs Bauernbundpräsident Georg Strasser, LH-Stv. Stephan Pernkopf, NÖ Bauernbunddirektor Paul Nemecek, LKNÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager, EU-Abgeordneter Alexander Bernhuber, Finanzlandesrat Anton Kasser sowie die früheren Landeshauptleute Erwin Pröll und Sissi Pröll.

Pröll hatte in seiner Wallfahreransprache die Bedeutung von Demokratie, Freiheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt hervorgehoben. "Demokratie braucht eine Kultur der Freiheit, in der nicht jeder Streit zur Spaltung wird", sagte der frühere Landeshauptmann. Zugleich verwies er auf die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen: "Was uns verbindet, müssen wir bewahren. Was uns anvertraut ist, müssen wir weitergeben."

80. Einlösung eines Gelöbnisses

Die Mariazell-Wallfahrt des NÖ Bauernbundes fand heuer zum 80. Mal statt. Sie geht zurück auf ein Gelöbnis der früheren niederösterreichischen Bauernbundpolitiker Leopold Figl und Josef Reither während ihrer Gefangenschaft im Konzentrationslager Dachau. Figl und Reither hatten gelobt, im Fall der Wiedererlangung der Freiheit und Selbstständigkeit Österreichs jedes Jahr eine Wallfahrt niederösterreichischer Bauern nach Mariazell zu führen. Erstmals eingelöst wurde das Versprechen 1947. Seitdem ist die Wallfahrt ein jährlicher Fixpunkt des niederösterreichischen Bauernbundes.

Im Rahmen der 80. Wallfahrt wurden langjährige Teilnehmer geehrt, unter ihnen auch ein Landwirt aus dem Bezirk Korneuburg, der bereits bei der ersten Bauernbundwallfahrt nach Mariazell im Jahr 1947 dabei gewesen war.

Begonnen hatte die Wallfahrt bereits am Samstag mit einer Fußwallfahrt der Landjugend Niederösterreich, an der rund 200 Jugendliche teilnahmen. Eine Lichterprozession durch Mariazell bildete den Abschluss des ersten Tages. Beim Pontifikalamt am Sonntag übernahm der Bäuerinnenchor aus dem Bezirk Zistersdorf gemeinsam mit einem Bläserquartett aus Dobermannsdorf die musikalische Gestaltung. Ein Platzkonzert der Blasmusikkapelle Göllersdorf ergänzte das Programm.
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