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"Märsche für das Leben" in Berlin und Köln mit großer Beteiligung

20.09.2026 19:52
Deutschland/Demonstration/Schwangerschaftsabbruch/Kirche/Gesellschaft
Laut Veranstalter demonstrierten über 6.000 Personen gegen Abtreibungen, darunter sechs Bischöfe - Gegendemonstrationen in beiden Städten - Bischof Oster: Lebensschutz-Anliegen nicht von Politik kapern lassen
Berlin, 20.09.2026 (KAP) Mehr als 6.000 Menschen haben am Samstag nach Angaben des Veranstalters, des deutschen Bundesverbands Lebensrecht (BVL), an "Märschen für das Leben" in Berlin und Köln teilgenommen. Der BVL sprach von 4.200 Teilnehmern in Berlin und 2.100 in Köln. Die Polizei nannte für Berlin rund 2.000 Teilnehmer; für Köln lagen laut Polizei keine Angaben zu den tatsächlichen Teilnehmerzahlen vor. Der BVL bezeichnete die Veranstaltungen als Demonstrationen für die Menschenwürde und das Lebensrecht.

Die Kundgebungen richteten sich vor allem gegen Schwangerschaftsabbrüche und für den Schutz des ungeborenen Lebens. In Berlin führte der Marsch vom Washingtonplatz unter anderem über die Invalidenstraße, den Potsdamer Platz und Unter den Linden. Der Zug wurde im Bereich der Charité Klinik zeitweise durch Gegendemonstranten behindert. In Köln startete die Veranstaltung am Neumarkt und führte durch die Innenstadt. Parallel fanden jeweils Proteste von Abtreibungsbefürwortern statt.

Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Seniorenunion, Hubert Hüppe, wandte sich bei der Demonstration in Berlin gegen vorgeburtliche Bluttests zur Bestimmung der Chromosomenstörungen Trisomie 13, 18 und 21. Diese dienten nur der Selektion von Menschen mit Downsyndrom. Die Vorsitzende der Aktion "Lebensrecht für Alle", Cornelia Kaminski, forderte ein internationales Verbot der Leihmutterschaft.

An den Veranstaltungen beteiligten sich auch Vertreter verschiedener Kirchen und christlicher Organisationen, darunter mehrere katholische Bischöfe. In Berlin waren nach Angaben der Diözese Regensburg mit Rudolf Voderholzer, Stefan Oster, Josef Graf, Florian Wörner und Gregor Maria Hanke fünf bayerische Bischöfe dabei. In Köln nahm Weihbischof Dominikus Schwaderlapp teil.

Marsch in Wien am 10. Oktober

Auch in Zürich fand am Samstag der "Marsch fürs Läbe" statt. Nach Angaben der Veranstalter nahmen rund 2.200 Menschen teil. Hauptredner war der SVP Politiker Nicolas Kolly, der über "die Perspektive von Männern, die von einer unerwarteten Schwangerschaft oder einer Abtreibung betroffen sind", sprach. Die Polizei berichtete von mehreren Blockadeversuchen durch Gegendemonstranten und setzte unter anderem Wasserwerfer ein. Weitere Märsche fürs Leben finden am 3. Oktober in Ljubljana, am 10. Oktober in Wien und am 14. November in Den Haag statt.

Oster warnt vor Instrumentalisierung

Vor dem Hintergrund des Marsches erklärte Bischof Stefan Oster in einem Interview mit der Kirchenzeitung von Passau, hinter seiner Teilnahme stehe eine längere Abwägung. "Die vielen, meist gläubigen Menschen auf dem Marsch wollen sich ihr Anliegen nicht aus der Hand nehmen lassen, auch wenn es andere für sich politisch instrumentalisieren wollen, die zeitlich später dazugekommen sind", sagte der Bischof. Dies sei für ihn nachvollziehbar. Ein Wegbleiben könne auch gedeutet werden als: "Wir überlassen denen das Feld, die das Anliegen für sich kapern wollen", was er selbst nicht wolle.

Oster spielte dabei darauf an, dass in der Vergangenheit teils rechtsextreme Aktivisten und AfD-Vertreter wie Beatrix von Storch bei den Demonstrationen mitgelaufen waren. Deshalb ist der "Marsch für das Leben" auch in Deutschland bei manchen Kirchenvertretern umstritten, und auch Oster hatte im Vorjahr erklärt, er sei sich nicht sicher, "ob der Begriff Marsch für die Veranstaltung tatsächlich noch in die Zeit passt". Zugleich sei er "offen für gute neue Ideen", um dem wichtigen Anliegen des Lebensschutzes mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Anfang, Ende und auch dazwischen

Im kirchlichen Verständnis sei Lebensschutz weit gefasst, betonte Bischof Oster. Er umfasse auch das Ende des Lebens. So stehe etwa das Ermöglichen von Suizidassistenz als Geschäftsmodell "fundamental gegen unsere Überzeugungen von Gott als dem Herrn über Leben und Tod". Am Lebensbeginn gehöre für ihn auch Leihmutterschaft dazu. Er sei überzeugt, "dass es kein Recht auf ein Kind gibt, aber ein Recht des Kindes auf seine natürlichen Eltern, sofern das irgend möglich und vernünftig ist". Auch die Reproduktionsmedizin und Diagnostik von Embryonen auf genetische Defekte seien hier zu nennen, weiters die sogenannte "verbrauchende Embryonenforschung" zur Gewinnung von Stammzellen.

Oster reihte weiters auch das Verbot der Todesstrafe unter den Lebensschutz ein, "wie auch, positiv, unsere Sorge um Menschen, die gesellschaftlich tendenziell weniger erwünscht scheinen", etwa Flüchtlinge oder Menschen mit Behinderungen. Bei Abtreibungen gehe es für die Kirche zudem "selbstverständlich positiv auch um die Fürsorge für Frauen, die ungewollt schwanger sind".
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