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Religionsvertreter besorgt nach Wahlen in Berlin und Mecklenburg

21.09.2026 11:14
(zuletzt bearbeitet am 21.09.2026 um 14:56 Uhr)
Deutschland/Wahl/Politik/Religion
Vertreter von Christen, Juden und Muslimen in Mecklenburg-Vorpommern in gemeinsamer Stellungnahme: "Sorgen und Nöte der Menschen wahrnehmen" - Kirche in Berlin wollen kritisch beobachten
Berlin/Schwerin, 21.09.2026 (KAP/KNA) Mit Sorge reagieren Kirchen- und Religionsvertreter in Deutschland auf die Ergebnisse der Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. "Die Landtagswahl ist ein Appell an die Politik und alle gesellschaftlichen Institutionen, auch an uns Religionsgemeinschaften", erklärten die Vertreter von Christen, Juden und Muslimen in Mecklenburg-Vorpommern laut Nachrichtenagentur KNA in der Nacht von Sonntag auf Montag in einer gemeinsamen Stellungnahme. "Es kommt jetzt darauf an, die erkennbaren Sorgen und Nöte der Menschen wahrzunehmen." Der Ausgang der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus stieß auf ein gemischtes Echo. Beunruhigt über den Wahlsieg der Linken zeigte sich der Zentralrat der Juden.

In Mecklenburg-Vorpommern war am Wahlabend lange Zeit offen, wie sich der künftige Landtag zusammensetzt: Laut vorläufigem Wahlergebnis ist die AfD mit 38,2 Prozent Wahlsieger. Zweitstärkste Kraft wurde die SPD mit 35,5 Prozent. Dahinter folgen die Linkspartei mit 6,5 Prozent und die Grünen mit 5,7 Prozent. Die CDU mit 4,9 Prozent und die FDP mit 1,0 Prozent schieden aus dem Landtag aus; das BSW verpasste mit 4,8 Prozent den Einzug. Mangels Koalitionspartner für die AfD wird die SPD-Politikerin Manuela Schwesig aller Voraussicht nach Regierungschefin bleiben.

Eine demokratische Regierungsbildung sei möglich, betonte die Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Kristina Kühnbaum-Schmidt. "Das ist ein wichtiges Zeichen für Menschenwürde, Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt." Zugleich sei die AfD stärkste Kraft geworden, fügte die Landesbischöfin hinzu. "Es muss die Politik und uns alle als Gesellschaft dringlicher denn je beschäftigen, wenn Wählerinnen und Wähler auf diese Weise Sorgen und Protest zum Ausdruck bringen. Als Kirche stehen wir weiterhin klar und entschieden für eine demokratische Kultur, die Minderheiten schützt und Nächstenliebe lebt."

Auch der katholische Hamburger Erzbischof Stefan Heße, zu dessen Erzdiözese Mecklenburg gehört, sagte, es komme jetzt darauf an, "eine gute Koalition zu bilden und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken". Kirche habe die Aufgabe, Räume für Begegnung und Verständigung zu öffnen. "Das machen wir gerne mit Herz und Haltung für Demokratie und Nächstenliebe." Heßes Berliner Amtskollege Heiner Koch unterstrich: "Unsere demokratische Gesellschaft lebt davon, dass wir aufeinander zugehen, füreinander Verantwortung übernehmen und miteinander Lösungen suchen."

Vor der Landtagswahl hatten die Religionsgemeinschaften erstmals in der Geschichte des Landes Mecklenburg-Vorpommern einen Aufruf veröffentlicht, in dem sie deutlich machten, dass sie trotz unterschiedlicher Glaubensbekenntnisse gemeinsam für die Würde aller Menschen und für eine friedliche Gesellschaft eintreten. Der muslimische Vertreter Maher Fakhouri bezeichnete das Wahlergebnis nun als Herausforderung, "noch entschiedener für den Zusammenhalt, die Religionsfreiheit und den Schutz aller Minderheiten einzustehen". Der Landesrabbiner der Jüdischen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern, Yuriy Kadnykov, erinnerte an ein Gebet am jüdischen Ruhetag Schabbat für das Vaterland: "Segne die, denen das Volk Autorität gegeben hat, mit Weisheit und Verstand, damit sie Frieden und Freiheit im Inneren und Äußeren erhalten und verfestigen."

Berlin: Kirchen wollen kritisch beobachten

In Berlin brachten sich die Kirche nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus als kritische Beobachter in Stellung. Sie mahnten Fairness an, äußerten aber auch Besorgnis. Beim Zentralrat der Juden in Deutschland stieß der Wahlsieg der Linken auf harsche Kritik, während die evangelische Diakonie der Spitzenkandidatin der Linken gratulierte. Die Partei liegt knapp sieben Prozentpunkte vor der CDU, die bislang den Regierenden Bürgermeister stellte.

Der katholische Erzbischof Heiner Koch erklärte laut einer Meldung der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Sonntagabend: "Als Kirche werden wir die Politik weiter kritisch begleiten, vor vermeintlich einfachen Lösungen warnen und anwaltlich für die einstehen, die in der politischen Debatte zu wenig gesehen und gehört werden." Berlin sei und bleibe vielfältig. In unterschiedlichen Bezirken erwarte die Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner eine Antwort auf die drängenden Fragen von unterschiedlichen Parteien.

"Wir sind als Kirche dem christlichen Menschenbild und der Würde jedes Menschen verpflichtet. Dies ist der Maßstab, mit dem wir als Kirche die Arbeit des neu zu bildenden Senats aufmerksam beobachten werden", sagte der evangelische Bischof Christian Stäblein. Die Stadt brauche einen Senat, "der das Wohl aller Menschen im Blick hat". Stäblein äußerte seine Besorgnis, dass die in Teilen rechtsextreme AfD drittstärkste Kraft in Berlin wurde. Gleichwohl habe eine breite Mehrheit für eine liberale Demokratie sowie eine weltoffene und vielfältige Gesellschaft gestimmt.

Laut vorläufigem Ergebnis kam die Linke auf 25,7 Prozent, die CDU auf 18,8 Prozent, die AfD auf 16,3 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 14,3 Prozent und der SPD mit 12,1 Prozent. Das BSW landet bei 4,7 Prozent. Damit wäre es möglich, dass Berlin das zweite Bundesland überhaupt wäre, in dem die Linken die Landesregierung anführen. Bisher hatte es das nur in Thüringen gegeben, wo Bodo Ramelow von 2014 bis 2024 Ministerpräsident war. Allerdings sieht sich die Berliner Linke mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert.

Sorge beim Zentralrat der Juden

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, zeigte sich angesichts des Wahlergebnisses "zutiefst beunruhigt". Im Wahlkampf sei die Linke wiederholt mit antisemitischen Grenzüberschreitungen aufgefallen. "Bis heute gab es keine personellen oder politischen Konsequenzen. Beteuerungen der Linke sind nichts anderes als Lippenbekenntnisse." In der Bekämpfung des Judenhasses besitze die Linke keinerlei Glaubwürdigkeit mehr, so Schuster.

Unterdessen gratulierte die Direktorin der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Ursula Schoen, der Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp zum Wahlsieg und bedankte sich für ihr Engagement "in einem fairen und sachbezogenen Wahlkampf". Sie habe "genau die Freude und anpackende Zugewandtheit" mitgebracht, die Berlin in den nächsten Jahren brauche.
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