Sheen gewann ab den 1930er Jahren in den USA breite Popularität als Radioprediger und wurde in den 1950er Jahren zu einem Pionier des religiösen Fernsehens
Wien/Rom/Washington, 21.09.2026 (KAP) Der US-amerikanische Erzbischof und Fernsehprediger Fulton John Sheen (1895-1979) wird am Donnerstag (24. September) seliggesprochen. In Vertretung von Papst Leo XIV. leitet Kurienkardinal Luis Antonio Tagle, Pro-Präfekt der Vatikanbehörde für die Evangelisierung, die Feier in der Metropole St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Nach Angaben der Diözese Norwich werden fast 45.000 Pilgerinnen und Pilgern aus 48 US-Bundesstaaten und 12 Ländern erwartet sowie mehr als 80 Bischöfe und Hunderte Priester.
Sheen gewann in den Vereinigten Staaten breite Popularität durch die ab 1930 ausgestrahlte wöchentliche Radiosendung "The Catholic Hour", später auch mit dem TV-Programm "Life Is Worth Living" (1952-1957), das wahrscheinlich die höchsten Zuschauerzahlen im US-Fernsehen der Nachkriegszeit erreichte. Zweimal wurde der Prediger mit dem "Emmy Award" ausgezeichnet. Er gründete außerdem die Zeitschrift "Christ to the World" und verfasste rund 300 Bücher und Artikel.
Der konservative und scholastisch geprägte Theologe studierte an der Katholischen Universität von Amerika in Washington, an der Uni Leuven in Belgien und in Rom. Von 1926 bis 1950 lehrte er in Washington. Als Prediger erreichte viele Millionen Menschen mit der christlichen Botschaft und wurde damit zu einem Pionier medialer Verkündigung. Sheens Themen waren Ehe und Familie, Verantwortung und Gewissen, die Eucharistie, die Marienverehrung sowie die Auseinandersetzung mit Materialismus und Kommunismus. Seine Medienaktivitäten setzte er auch noch nach seiner Ernennung zum Weihbischof in New York 1951 fort. Von 1966 bis zu seiner Emeritierung 1969 leitete er als Diözesanbischof die Diözese Rochester im US-Bundesstaat New York. Nach seinem Rücktritt als Diözesanbischof wurde er zum Erzbischof ernannt.
"Unerschütterlich im Glauben"
Sheen, der im TV stets klar als Bischof erkennbar als Bischof mit Umhang zum Talar, Brustkreuz und Scheitelkäppchen auftrat, sei ein "strenger Katholik" gewesen und habe "glasklar" die katholischen Moralvorstellungen vertreten, sagte Susanne Held, Übersetzerin der deutschen Ausgabe von Fulton Sheens Autobiographie "Unerschütterlich im Glauben", der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" (Ausgabe 20. September). Manche seiner Gedanken über Sünde, Umkehr oder Beichte stünden auch heute quer zum Zeitgeist. Doch die Übersetzerin ist überzeugt, dass darin eine bleibende Aktualität liegt: "Dass die Auseinandersetzung mit dem Sündengewissen für den Menschen und sein Seelenheil von Wert ist, das macht Fulton Sheen sehr klar."
Besonders beeindruckt ist Held von einer Gewohnheit Sheens, wie sie dem "Sonntag" schilderte: seine tägliche "Heilige Stunde" vor dem Allerheiligsten. "Am meisten berührt mich die Darstellung seiner Heiligen Stunde. Dass er einfach alles, was er tut, darauf aufbaut, dass er jeden Tag eine Stunde vor dem Tabernakel verbringt." Für Held liegt genau darin das Geheimnis seines Erfolges. "Seine ganze Wirksamkeit beruht auf dieser einen Stunde."
In den Jahren 1950 bis 1966 leitete Sheen auch die US-Niederlassung der Päpstlichen Missionswerke. Österreichs Missio-Nationaldirektor Johannes Laichner sieht im Wirken Fulton Sheens bis heute Vorbildfunktionen. "Jeden Tag verbrachte er eine Stunde vor dem Allerheiligsten. Aus dieser Nähe zu Christus schöpfte er die Kraft, mit großer Leidenschaft zu den Menschen zu gehen - als Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in den USA und als Verkünder über die Medien", erklärte Laichner im Vorfeld der Seligsprechung. Diese Verbindung von Gebet und missionarischem Mut "bleibt für uns bis heute wegweisend".
Seligsprechung war schon 2019 geplant
Im Rahmen eines Seligsprechungsverfahrens wurde Erzbischof Sheen 2012 von Papst Benedikt XVI. (2005-2015) für verehrungswürdig erklärt. 2019 hatte Papst Franziskus (2013-2025) ein auf Fürsprache Sheens gewirktes Wunder anerkannt.
Die für dasselbe Jahr bereits terminierte Seligsprechungsfeier wurde auf Bitten einiger US-Bischöfe aber kurzfristig ausgesetzt - offenbar weil in der Diözese Rochester vor dem Hintergrund der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen neue Untersuchungen zur Amtsführung früherer Bischöfe liefen und die US-Justiz dazu ermittelte. Mehrere Medien, darunter das US-Portal "The Pillar", berichteten später, dass in den Akten des New Yorker Generalstaatsanwalts keine neuen oder ungelösten Vorwürfe gegen Sheen zu finden seien.
Im Februar 2026 teilte die US-Diözese Peoria (Illinois), wo das Seligsprechungsverfahren für Fulton Sheen eröffnet worden war, dann mit, dass der Weg für die Seligsprechung des Erzbischofs nun frei sei. Peorias Bischof Louis Tylka würdigte Sheen als "eine der größten Stimmen der Evangelisierung in der Kirche und in der Welt im 20. Jahrhundert". Wenige Wochen später gab der Vatikan den Termin der Seligsprechung bekannt.