Großes Programm in Assisi zum 800. Todestag des heiligen Franziskus
22.09.202610:20
Italien/Vatikan/Kirche/Heilige/Franziskus/Orden
"In Sachen Frieden und Versöhnung ist uns Franziskus weit voraus" - Hintergrundbericht von Kathpress-Korrespondentin Sabine Kleyboldt
Rom/Assisi, 22.09.2026 (KAP) Zum 800. Todestag des heiligen Franziskus erwartet Assisi Tausende Besucher, darunter auch Prominente aus Kirche und Politik. "Die ganze Welt" sei eingeladen, am ersten Oktober-Wochenende persönlich oder über die Medien an den Feiern zu Ehren Franz von Assisis teilzunehmen, sagte der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Maria Zuppi, in Rom bei der Vorstellung des Programms.
Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella wird demnach am Festgottesdienst am Sonntag (4. Oktober) in der Franziskus-Basilika teilnehmen und anschließend eine Rede an die Nation halten. Als päpstlicher Beauftragter reist Kurienkardinal Ángel Fernández Artime an. Außerdem sind alle rund 180 in Italien akkreditierten Botschafter anderer Länder eingeladen.
Symbolfigur des interreligiösen Dialogs
Franz von Assisi, 1181 oder 1182 als Sohn eines reichen Kaufmanns geboren, begann mit Mitte 20 ein Leben als Bettel-Prediger und gründete später einen Orden. Der Nationalheilige Italiens und Dichter des "Sonnengesangs" ist Patron unter anderem der Umwelt und der Tiere sowie Symbolfigur für Frieden und interreligiösen Dialog. Er starb am Abend des 3. Oktober 1226.
"In Assisi sehen wir Pilger aus aller Welt, ebenso 'Freunde' von Franziskus, auch aus vielen anderen Glaubensrichtungen und Kulturen", sagte Bruder Marco Moroni, Kustos des Konvents an der Franziskus-Basilika, der Nachrichtenagentur Kathpress und führte aus: "Franziskus baut weiterhin Brücken in die ganze Welt."
Kardinal Zuppi erinnerte an das Vorbild des Heiligen für Solidarität und Liebe. "In einer Zeit, die von scheinbar ausweglosen Konflikten geprägt ist, erinnert uns sein Beispiel daran, dass Frieden keine Utopie, sondern ein konkreter Weg ist", so der Erzbischof von Bologna. "Dem heiligen Franziskus vertrauen wir Italien, Europa und eine Welt an, die sich noch immer zu ängstlich fühlt, die Waffen niederzulegen."
Prozessionen, Messen, Stadtfest
Zu den wichtigsten Punkten des umfangreichen Programms zählt eine Messe am Samstag, 3. Oktober, um 11 Uhr in der Basilika Santa Maria degli Angeli nahe Assisis Bahnhof. Die Kirche wurde über der kleinen Portiuncula-Kapelle errichtet, in der Franziskus starb.
Um 15 Uhr findet in der Oberstadt ein Gedenken der letzten Stunden im Leben des Franziskus statt. Ab 16.30 Uhr beginnt bei der Basilika Santa Maria degli Angeli eine historische Fahnenprozession.
In der Basilika selbst folgt ab 17.30 Uhr eine Messe, die unter anderen von Kardinal Artime und Assisis Diöezsanbischof Felice Accrocca geleitet wird. Um 20.30 Uhr schließt sich dort eine nächtliche Wallfahrt zu wichtigen Stationen im Leben des Heiligen an, etwa die Kirche San Damiano, die Basilika Santa Chiara und endet an der Franziskus-Basilika in der Oberstadt, wo sein Grab ist.
Zugleich wird auf der zentralen Piazza bis 23.30 Uhr ein Fest mit Verkostung regionaler Produkte gefeiert. Um Mitternacht folgt in der Franziskus-Basilika eine Messe.
Segen für Italien und die Welt
Am Sonntag, 4. Oktober, führt ab 8.50 Uhr eine Fahnenprozession vom Gemeindeplatz zur Franziskus-Basilika, wo um 9.45 Uhr die Festmesse unter anderen mit den Kardinälen Zuppi und Artime sowie Vertretern der Franziskaner zelebriert wird.
Ab 11.20 Uhr wird Staatspräsident Mattarella von der Loggia des Sacro Convento aus eine Rede an die Nation halten; Franziskaner-Kustos Moroni spricht ein Grußwort namens der aus sechs Gemeinschaften bestehenden franziskanischen Ordensfamilie. Die Feiern enden um 16 Uhr mit einer Vesper, einer Prozession und dem Segen von Erzbischof Accrocca für Italien und die Welt.
Friedensinitiativen für Russland und Ukraine
Der seit dem Frühjahr amtierende Bischof verwies auf Franziskus' beherztes Eintreten für Verständigung mit anderen Religionen. Mitten im Kreuzzug gelang es ihm, den Sultan im Heerlager der Sarazenen aufzusuchen. "Dieser wehrlose Mann durchbrach Mauern, an denen die Kriegsmaschinen seiner Zeit scheiterten."
Auch heute brauche es mutige Initiativen, so der Diözesanbischof von Assisi-Nocera. Konkret forderte er Freiwilligencamps etwa mit jungen Menschen aus Russland und der Ukraine, aus Israel und Palästina. Franziskus sei es gelungen, Grenzen zu überwinden, sagte Accrocca. "Er liegt nicht acht Jahrhunderte hinter uns, in Sachen Frieden und Versöhnung ist Franziskus uns immer noch voraus."