Nitsch-Museum beleuchtet Verhältnis von Kunst, Glaube und Liturgie
22.09.202611:21
Österreich/Kirche/Kunst/Ausstellung
Zwei Veranstaltungen zu sakralem Einfluss auf Werk des österreichischen Aktionskünstlers - Podiumsdiskussion mit Dompfarrer Faber und "liturgische Intervention" von Jesuit Mennekes
Wien, 22.09.2026 (KAP) Das Nitsch-Museum in Mistelbach widmet sich im Herbst in zwei hochkarätigen Veranstaltungen der Auseinandersetzung mit Kunst, Glaube und christlicher Liturgie im Werk von Hermann Nitsch. Den Auftakt bildet am 24. Oktober eine prominent besetzte Podiumsdiskussion, bei der Wiens Dompfarrer Toni Faber gemeinsam mit Kuratorin Julia Moebus-Puck und Journalist Michael Fleischhacker über das Verhältnis des Aktionskünstlers zur Kirche spricht. Mit einer künstlerisch-rituellen Intervention widmet sich am 21. November der Jesuitenpater Friedhelm Mennekes dem Zusammenspiel von Ritual, Sinnlichkeit und Kunst. Das Herbstprogramm ergänzt die aktuelle Ausstellung "Hermann Nitsch. von sonnenaufgang an", die bis 29. November im Museum zu sehen ist.
Welche Bedeutung hatte Religion für Hermann Nitsch? Wo berühren sich Kunst und Glaube - und wo geraten sie aneinander? Diese Fragen stehen am 24. Oktober um 18 Uhr bei der Podiumsdiskussion mit Dompfarrer Faber auf dem Programm. Dabei soll eine Seite des Künstlers beleuchtet werden, der über sich selbst sagte, er wollte eigentlich Kirchenmaler werden - eine Seite, die für das Verständnis seines Gesamtwerks von Bedeutung sei, heißt es im Programm.
Mit einer eigens für das Nitsch-Museum entwickelten 45-minütigen "liturgischen Intervention" will der langjährige Wegbegleiter des Künstlers, Friedhelm Mennekes, am 21. November um 18 Uhr das Verhältnis von Ritual und Sinnlichkeit in Nitschs Werk beleuchten. Religiöse Zeremonien und insbesondere die Liturgie spielten in Nitschs Werk eine wichtige Rolle. Bereits seit den späten 1960er-Jahren integrierte er liturgische Gewänder, Kelche, Monstranzen und andere sakrale Gegenstände in seine Aktionen. Die von ihm entwickelten Handlungsabläufe folgen einer eigenen Dramaturgie und greifen archetypische Bilder von Opfer, Ekstase, Schmerz und Erlösung auf.
Die Intervention versteht sich weder als Gottesdienst im klassischen Sinn noch als Rekonstruktion einer Aktion Hermann Nitschs, sondern als "offener ritueller Raum, in dem liturgische Formen, Gesten und Materialien in einen zeitgenössischen künstlerischen Zusammenhang treten", hieß es in der Ankündigung. Begleitet von Harfe, Orgel und elektronischer Musik werden nach Angaben des Museums sakrale Objekte aus dem Besitz Nitschs ebenso eingesetzt wie Gewänder, Brot, Wein, Blut und andere Materialien aus dem Vokabular seiner Kunst.
Die Ausstellung ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet, an Feiertagen auch montags. Sie zeigt zentrale Arbeiten aus den Jahren 1980 bis 2022 und widmet sich Nitschs Auseinandersetzung mit dem Sakralen. (Info: www.nitschmuseum.at)