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Nach Mladic-Beisetzung: Kardinal warnt vor Ausgrenzung Serbiens

23.09.2026 13:58
Serbien/Kirche/Gesellschaft/Politik/Kriegsverbrechen
Belgrader katholischer Erzbischof Nemet appelliert an westliche Regierungen nicht zuzulassen, dass die Kontroversen um das orthodoxe Begräbnis des Kriegsverbrechers dazu führen, dass die Beziehungen Serbiens zu Europa Schaden nehmen
Belgrad, 23.09.2026 (KAP) Nach den Ehrbezeugungen beim öffentlichen Begräbnis für den wegen Völkermords verurteilten bosnisch-serbischen General Ratko Mladic laut gewordene Forderungen zu einer weiteren Verzögerung der Westintegration Serbiens kann Kardinal Ladislav Nemet nicht nachvollziehen. Entsprechende Reaktionen aus der internationalen Gemeinschaft hätten ihn "besonders überrascht", sagte der katholische Erzbischof von Belgrad dem Nachrichtenportal "OSV News" (Dienstag). Westliche Regierungen dürften nicht zulassen, dass die Kontroversen um das Begräbnis dazu führen, dass die Beziehungen Serbiens zu Europa Schaden nehmen, appellierte Nemet.

In der 1,7-Millionen-Metropole Belgrad hätten vor Ort nur rund 12.500 Menschen an der u. a. vom serbisch-orthodoxen Patriarchen Porfirije (Peric) geleiteten Trauerfeiern teilgenommen. Er bedauere, dass der Vorfall von internationalen Medien genutzt worden sei, um Serbien "als einen Ort darzustellen, an dem Schlimmes geschieht", meinte der Kardinal.

"Jeder hat ein Recht auf ein würdiges Begräbnis - und wenn jemand von einigen als Nationalheld stilisiert wird, überlässt man das kaum einem einfachen Gemeindepfarrer", sagte Nemet, der auch Vizepräsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) ist, laut "OSV News".

Man könne kritisieren, "wie mit der Veranstaltung umgegangen wurde", wurde Nemet weiter zitiert. Viele Serben teilen aus Sicht des Kardinals nationalistische Gedanken aber nicht. Auch er selbst lebe in Serbien und seit dort geboren worden, habe aber persönlich nie nationalistische Gefühle verspürt, sagte der Kardinal. "Wie viele andere habe ich eine andere Weltsicht und andere Wertvorstellungen."

"Schlächter des Balkan"

Der auch als "Schlächter des Balkan" bezeichnete Mladic war Ende August 84-jährig in einem UN-Gefängniskrankenhaus in Den Haag gestorben. In der Haftanstalt hatte er eine lebenslange Freiheitsstrafe für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord während des Bosnienkriegs (1992-1995) verbüßt. Als Armeechef der Republika Srpska war er einer der Hauptverantwortlichen etwa für das Massaker von Srebrenica mit mehr als 8.000 Ermordeten, ebenso für die knapp vierjährige Belagerung der Hauptstadt Sarajevo.

Nationalistische Kräfte und einige ethnische Serben verehren Mladic bis heute als Volkshelden. An seiner Beisetzung am 7. September in Belgrad nahmen neben Mladics Familie mehr als 300 orthodoxe Priester und mehrere serbische Minister teil. Nach einem vom orthodoxen Patriarchen Porfirije geleiteten Gottesdienst in der St.-Lukas-Kirche geleiteten Tausende mit Flaggen und Plakaten, die Mladics Porträt trugen, den Sarg zu einem Friedhof.

Die Ehrenbezeigungen für Mladic sorgten für Spannungen zwischen Serbien, seinen Nachbarstaaten und der EU. EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos sagte einen geplanten Besuch in Belgrad ab. Die Verherrlichung Mladics sei unvereinbar mit den Werten, auf denen der Weg in die EU gründe. Serbiens Präsident Vucic nannte die Kritik der EU-Vertreterin "dumm".

Patriarch: Mladic' Leben mit "schrecklicher Epoche verbunden"

Kardinal Nemet erklärte nun, die Beisetzung sei dem Wunsch Mladics entsprechend erfolgt: Dieser habe an der Seite seiner Tochter ruhen wollen, die sich 1994 im Alter von 23 Jahren aus Verzweiflung über seine Taten das Leben genommen haben soll. "Während die Menschen von seinen Verbrechen wissen, sind ihnen die tragischen Ereignisse in seinem Privatleben weniger bewusst", sagte der Kardinal gegenüber "OSV News".

Der serbisch-orthodoxe Patriarch Porfirije hatte bei den Trauerfeiern gesagt, dass sich ein Großteil des serbisch-orthodoxen Volkes an Mladic erinnere als Soldaten und Befehlshaber, "der in einer schwierigen und tragischen Zeit an der Spitze der Armee seines Volkes stand und sein Leben für die Freiheit und das Überleben seines Volkes opferte".

"Wir stehen vor einem Leben, das untrennbar mit einer schrecklichen Epoche verbunden ist - einem grauenhaften Krieg, verlorenen Heimen, verlorenen Leben und Gräbern. Deshalb beten wir, während wir für die Seele des Verstorbenen beten, auch für all jene, deren Leben ausgelöscht wurde", sagte der Patriarch.
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