Hilfsorganisation beurteilt geplante Wahlmöglichkeit bei Dauer und Ausgestaltung als "praktikabel und attraktiv", einheitliche Grundausbildung als "Aufwertung"
Feldkirch, 23.09.2026 (KAP) Die Caritas Vorarlberg bewertet die von der Bundesregierung präsentierten Eckpunkte zur Reform des Zivildienstes positiv. Vor allem die geplanten Wahlmöglichkeiten bei Dauer und Ausgestaltung des Dienstes schafften mehr Flexibilität und könnten dazu beitragen, den Zivildienst "praktikabel und attraktiv" zu halten, teilte die Caritas der Diözese Feldkirch am Mittwoch mit. Wichtig sei zugleich, dass die neuen Regelungen für die Trägerorganisationen praxisnah umsetzbar blieben und keinen übermäßigen Verwaltungsaufwand verursachten.
Hintergrund ist das Regierungsvorhaben, den Präsenzdienst beim Bundesheer von sechs auf neun Monate zu verlängern, wodurch dieser vorerst die gleiche Dauer wie der Zivildienst hätte. Sinkt jedoch die Zahl der Grundwehrdiener in einem Jahr unter 13.875, soll die Verlängerung des Zivildienstes auf neun plus zwei Monate ab dem Folgejahr verpflichtend werden.
Nach dem von der Regierung vorgestellten Modell soll es im Fall einer notwendigen Verlängerung drei Möglichkeiten geben, die zusätzlichen zwei Monate zu leisten: entweder direkt im Anschluss an die regulären neun Monaten an derselben Einsatzstelle, zu einem späteren Zeitpunkt in Abstimmung mit der jeweiligen Organisation oder in Form von 400 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit innerhalb von fünf Jahren. Zudem ist für alle Zivildiener eine verpflichtende Ausbildung vorgesehen. Für die jeweiligen Einsatzbereiche sollen per Verordnung verbindliche Ausbildungskataloge mit einheitlichen Standards und Mindestdauern festgelegt werden.
"Der Zivildienst ist ein wesentliches und nachhaltig wirksames Element des solidarischen Zusammenhalts in unserer Gesellschaft", erklärte der Vorarlberger Caritas-Direktor Walter Schmolly. Die Arbeit der Zivildienstleistenden sei in vielen Bereichen unverzichtbar und für viele prägend. Mit dem angekündigten Modell könne die Caritas "gut leben", so Schmolly. "Es ist gerade durch die Wahlmöglichkeiten auch attraktiv für die Zivildienstleistenden."
Die Caritas unterstützt auch die geplante Stärkung des Ausbildungscharakters. "Eine einheitliche Grundausbildung kann den Zivildienst aufwerten", sagte Schmolly. Wenn damit zusätzliche Inhalte, etwa im Bereich der zivilen Landesverteidigung, verbunden seien, "müssen die dafür anfallenden Kosten vom Bund getragen werden". Zusätzliche Anforderungen dürften nicht zulasten sozialer Organisationen gehen.
Positiv bewertet die Caritas zudem, dass Freiwilliges Soziales Jahr und Auslandsdienste weiterhin Möglichkeiten des Zivilersatzdienstes bleiben sollen. Allerdings sieht der Regierungsentwurf für deren Anrechnung künftig strengere Voraussetzungen und eine Kontingentierung vor. Maximal ein Prozent der Stellungspflichtigen soll sich eine solche Tätigkeit anrechnen lassen können; dafür sind zwölf Monate Vollzeit oder insgesamt 2.000 Stunden vorgesehen. Für die Umsetzung der Reform sei entscheidend, diese gemeinsam mit den Trägerorganisationen "einfach, effizient und praxistauglich" zu gestalten, so Schmolly.
Auch die Johanniter Österreich begrüßten die Einigung als "richtigen Schritt zur Stärkung des Zivildienstes". Bundesgeschäftsführerin Petra Grell-Kunzinger verwies in einer Aussendung vom Mittwoch zugleich darauf, dass für den Beschluss noch die Zustimmung von FPÖ oder Grünen nötig sei; zum Erreichen der notwendigen Zweidrittelmehrheit im Nationalrat will die Koalition daher auch mit FPÖ und Grünen über den Entwurf beraten. Positiv bewertet die Organisation die Möglichkeit, zusätzliche Monate direkt am bisherigen Einsatzort zu leisten, sowie die geplante verpflichtende und standardisierte Ausbildung.