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Thomas Söding
Bild Copyright: © Kathpress/Paul Wuthe

Theologe Söding: Europa muss Einheit und Vielfalt zusammenhalten

23.09.2026 12:55
Österreich/Deutschland/Kirche/Europa/Synodalität
Vizepräsident des deutschen Katholikenkomitees betont in "Herder Korrespondenz"-Gastbeitrag über Symposium "Shaping Synodality in Europe" in Oberösterreich Verantwortung der Kirche für mehr Verständigung
Freiburg, 23.09.2026 (KAP/KNA) Der deutsche Theologe Thomas Söding hat die Kirchen aufgefordert, eine einende Rolle in Europa einzunehmen. "Ohne Einheit und Vielfalt zu vermitteln, wird es den Kontinent zerreißen - und die Kirche auch", schreibt der Theologe in einem Gastbeitrag für die "Herder Korrespondenz" (online). Europa sei ein Kontinent, in dem Einheit und Vielfalt so eng aufeinander bezogen seien wie an kaum einem anderen Ort auf der Welt.

Mit Blick auf das internationale Symposium "Shaping Synodality in Europe", das in der vergangenen Woche im oberösterreichischen Puchberg bei Wels stattgefunden hatte, schildert Söding die Suche der europäischen Kirchenvertreter nach Antworten auf die Fragen, welche Vielfalt bereichere und welche Einheit Zusammenhalt stiften könne. Der Neutestamentler, der selbst an der Tagung teilgenommen hatte, warnte: "Wenn die Kirche ein produktiver Faktor in Europa sein will, darf sie sich nicht durch Unterschiede in der Individual-, besonders der Sexualethik auseinandertreiben lassen."

Die Rolle der Vernunft beim Glauben

Europa ist laut dem Vizepräsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) der Kontinent, "in dem das Verhältnis von Glauben und Vernunft aufgebaut, verraten und wiederentdeckt worden ist". In einer Zeit, in der Religionen ideologisch verfälscht und Ideologien religiös überhöht würden, sei die Kritik der Religion durch die Vernunft weltweit wichtiger denn je - "so wie es allerdings auch weltweit niemals wichtiger war, nachzuweisen, dass der Glaube zu denken gibt".

Österreich mit seiner "langen Tradition als Brückenbauer" sah Söding vor einer "neuen Bewährungsprobe". Nach einer von Spannungen zwischen Ost- und Westeuropa geprägten Kontinentalversammlung in Prag 2023 sei es in Linz 2024 bei einer europäischen Vorbereitungskonferenz für die letzte Weltbischofssynoden-Generalversammlung gelungen, einen anderen Ton zwischen den europäischen Kirchenvertretern zu finden und Begegnung zu fördern. Daran habe man nun in Puchberg anschließen können.

Bei dem nunmehrigen Symposium sei es durchweg um die Frage gegangen, was die katholische Kirche in die Gesellschaften Europas und in die Weltkirche einbringen könne, so Söding. Dabei sei es weniger um Umsetzungsprozesse gegangen, weil dafür die Ausgangspunkte, Geschwindigkeiten und Ziele zu unterschiedlich seien.

Söding sieht Rat der Bischofskonferenzen gefordert

"Eine europäische Zentralsteuerung anzustreben, wäre nicht nur illusorisch, sondern auch kontraproduktiv", so Söding. Es brauche bessere wechselseitige Informationen. "Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen hätte hier eine wichtige Aufgabe."

Söding bemängelte, dass das überbuchte Symposium stattdessen erneut auf die Initiative der Pastoraltheologin Klara Csiszar von der Katholischen Privat-Universität Linz (KU Linz) zurückgehe, die als Teil einer europäischen Theologiegruppe eng mit dem römischen Synodensekretariat kooperiere. "Wieder einmal war der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) nur willens und in der Lage, eine Schirmherrschaft zu übernehmen - obwohl sich Europa weit schwerer als andere Kontinente tut, auf kirchlicher Ebene zusammenzufinden."

(Gesammelte Berichterstattung über das Synodalitäts-Symposium in Puchberg unter www.kathpress.at/synodenworkshop2026)
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