Diözese St. Pölten: Wachsendes Interesse Jugendlicher am Orgelspiel
23.09.202613:39
Österreich/Musik/Kirche/Jugendliche/Instrumente
Nachwuchsorganistin in "Kirche bunt": Enorme Vielfalt macht Orgel auch für junge Menschen interessant - Trend durch Star-Organisten auf Sozialen Medien befeuert
St. Pölten, 23.09.2026 (KAP) Über ein wachsendes Interesse junger Menschen am Orgelspiel berichtet die Diözese St. Pölten. In jeder fünften Pfarre im westlichen Niederösterreich sind nach Angaben der diözesanen Kirchenmusik Organistinnen oder Organisten unter 30 Jahren tätig. Insgesamt seien im Diözesangebiet derzeit 785 Orgelspieler erfasst, geht aus einem Bericht der St. Pöltner Kirchenzeitung "Kirche bunt" hervor.
Die 16-jährige Nachwuchsorganistin Magdalena Salzmann beschreibt in einem Gastbeitrag die Orgel als Instrument, das weit über klassische Kirchenmusik hinausgeht. Auch sie sehe ein gesteigertes Interesse durch junge Organistinnen und Organisten. Dazu trage bei, dass Orgelunterricht an etlichen Musikschulen und in Niederösterreich etwa an den Stiftsgymnasien Melk und Seitenstetten angeboten werde. Am Konservatorium für Kirchenmusik St. Pölten reiche das Angebot von Schnupperkursen bis zur umfassenden Ausbildung.
Auslöser für den aktuellen Trend seien auch die jungen Stars der Orgel-Szene, die teils soziale Medien nutzen, wie etwa die britische Organistin Anna Lapwood: Bei ihrem Konzert im Kölner Dom wollten im Sommer 2025 mehr als 10.000 Menschen zuhören, wegen des Andrangs musste der Dom gesperrt werden. Lapwood verbindet klassische Orgelmusik mit Filmmusik und erreicht mehr als 1,7 Millionen Follower auf Instagram und TikTok. Salzmann verweist auch auf den US-Amerikaner Cameron Carpenter sowie die deutschen Organisten Jan Liebermann und Alexander Uhl. Sie würden zeigen, "was in der Orgel steckt" - mit einem Repertoire von Barockmusik bis zu modernen Stücken und Coverversionen. Gerade diese Vielfalt mache das Instrument für junge Menschen interessant.
Üben in leerer Kirche
Salzmann selbst gab an, sie habe mit 13 Jahren die Orgel in ihrer Heimatpfarre Purgstall entdeckt und ein Jahr später begonnen, Gottesdienste zu begleiten. Besonders schätze sie die Verbindung von Musik und Glauben. Beim Üben in der leeren Kirche könne sie "den Trubel des Alltags hinter mir lassen" und einen Moment der Nähe zu Gott erleben.
Weitere befragte junge Orgelspieler nennen in "Kirche bunt" vor allem die klangliche Vielfalt des Instruments und die Möglichkeit, Gottesdienste mitzugestalten, als Motivation. Der 18-jährige Lukas Prischl aus Kilb fasziniert sich für die "Größe und Klangvarietät" der Orgel, zu der Caroline Ofenauer (17) aus Markersdorf durch ihre Mutter kam. Der 16-jährige Benedikt Neumayr aus Purgstall gab an, er wolle mit modernen Stücken und Eigenkompositionen "ein wenig Schwung" in die Kirche bringen.
Begeisterung wichtiger als Vorkenntnisse
Nach Angaben von Kirchenmusik-Leiter Johann Simon Kreuzpointner gibt es keinen einheitlichen Ausbildungsweg. Häufig bringen Musiklehrer oder andere Organisten Jugendliche mit dem Instrument in Kontakt. Klavierkenntnisse seien hilfreich, wichtiger seien jedoch Interesse und Begeisterung. Trotz des zunehmenden Interesses Jugendlicher fehle es in manchen Pfarren an regelmäßigen Organisten.