Rom, 23.09.2026 (KAP) Fünf mutmaßliche Missbrauchsopfer von Marko Rupnik verlangen vom Papst Klarheit über den Prozess gegen den Ex-Jesuiten. In einem offenen Brief an Leo XIV. forderten die Frauen am Mittwoch ein Verfahren, in dem beide Seiten angehört werden. Klarheit, Transparenz, zügige Bearbeitung, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit der Richter müssten gewährleistet sein. "Wir brauchen die Wahrheit, Heiligkeit, aber genauso wie wir, braucht sie auch die Kirche dringend", heißt es in dem Schreiben an den Papst.
Die fünf Frauen kritisieren, dass sie bislang keine Informationen vom Vatikan zum Verfahren erhalten hätten - trotz mehrfacher Anfragen ihrer Anwältin beim zuständigen Glaubensdikasterium. Die Unterzeichnerinnen sowie weitere Frauen werfen dem slowenischen Priester, Mosaik-Künstler und Gründer des römischen Centro Aletti vor, ihnen sexuelle, körperliche, psychische und spirituelle Gewalt angetan zu haben.
Seit vergangenem Herbst befasst sich ein fünfköpfiges Sondergericht im Auftrag der vatikanischen Glaubensbehörde mit dem Fall. Auf öffentlichen Druck veröffentlichte der Vatikan Ende Juli einen Zwischenstand des Verfahrens: Das Richterkollegium prüfe derzeit Unterlagen der betroffenen Diözesen, des Jesuitenordens, der Beteiligten sowie Medienberichte. Aus dem laufenden Verfahren würden keine Informationen veröffentlicht. Sollten weitere Erkenntnisse erforderlich sein, werde das Gericht sie selbst einholen.
Klägerinnen: Nutzlose Anzeigen und weitere Gewalt
In ihrem Brief beklagen die Frauen, nicht in den Prozess involviert zu sein. Sie erlebten dieses "lautstarke und anhaltende Schweigen" als eine weitere Form der Gewalt. Zudem schreckten die Vorgänge andere mögliche Opfer davon ab, Anzeige zu erstatten, so die Befürchtung der Frauen. Denn die Botschaft laute: "Es ist nutzlos einen Missbrauch bei der kirchlichen Behörde anzuzeigen, denn es passiert sowieso nichts, niemand wird dafür bezahlen und die Opfer werden niemals Gerechtigkeit erfahren."
Anlass ihres Schreibens ist die bevorstehende Papstreise nach Frankreich. Dort wird Leo XIV. am Wochenende auch den Wallfahrtsort Lourdes besuchen. Die Fassade der dortigen zentralen Basilika wurde von Rupnik gestaltet. 2025 hatte der örtliche Bischof Teile des Mosaiks verdecken lassen. Anlässlich des Papstbesuchs wurden nun auch die übrigen Stellen abgedeckt. Das Vorgehen bezeichnen die Frauen als "sehr starke und mutige Geste".
Den Papst bitten sie, seine "höchste Urteils- und Gnadengewalt auszuüben und unser Anliegen zu erhören - das Anliegen jedes Missbrauchsopfers, das sich die Anerkennung der Wahrheit durch ein gerechtes Verfahren wünscht".
Papst Leo XIV.: Prozesse brauchen Zeit
Papst Leo XIV., der in Frankreich andere Missbrauchsbetroffene treffen wird, äußerte sich zuletzt im November zum Fall Rupnik. Prozesse brauchten Zeit, so der Papst. "Ich weiß, dass es schwierig ist, von den Opfern Geduld zu verlangen, aber die Kirche muss die Rechte aller Menschen respektieren." Er hoffe, dass der Prozess Gerechtigkeit und Klarheit schaffe.
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