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Expertin: Afrika macht Fortschritte beim Schutz von Ordensfrauen

24.09.2026 13:44
Deutschland/Togo/Kirche/Afrika/Europa/Missbrauch/Orden
Schwester Mary Lembo ist seit August Beraterin des vatikanischen Ordensdikasteriums zum Thema Schutz von Ordensfrauen
Bonn, 24.09.2026 (KAP/KNA) Beim Schutz von Ordensfrauen vor Missbrauch kommt Afrika nach Einschätzung einer Expertin langsam voran. Der Wille der Kongregationen und Institutionen zum Aufbau von Schutzkonzepten nehme zu, sagte Schwester Mary Lembo, Psychologin und Ordensfrau aus Togo, in einem am Donnerstag auf dem Portal "katholisch.de" veröffentlichten Interview, berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA). Gemeint ist das Verhindern von Missbrauch durch ein sicheres und respektvolles Umfeld.

Beim Missbrauch gebe es zwischen Europa und Afrika keine großen Unterschiede, sondern ähnliche Muster, sagte die Forscherin. Allerdings trauten sich afrikanische Ordensfrauen seltener, von ihren Erfahrungen zu berichten.

Schwester Mary hat in fünf afrikanischen Ländern Ordensschwestern zu ihren Anliegen und Problemen befragt und zum Thema sexueller Missbrauch geforscht. Seit August ist sie Beraterin des vatikanischen Ordensdikasteriums zum Thema Schutz von Ordensfrauen. Zu Beginn ihrer Recherchen im Jahr 2014 hätten viele Frauen gezögert, mit ihr zu sprechen, berichtete sie. Viele wollten anonym bleiben.

Rauswurf und Erpressung

Viele Ordensschwestern hätten Konsequenzen befürchtet, wie einen Rauswurf aus dem Orden oder Erpressung. "Den Schwestern wird gesagt, entweder du verlässt den Orden, oder es wird anders gegen dich vorgegangen, so dass die Frauen lieber schweigen. Sie haben Angst, dass es den Ruf ihres Ordens, der Kirche oder sie selbst beschädigen könnte", sagte Schwester Mary. Außerdem sei die Scham über das Geschehene groß.

Das in Afrika noch häufig zu findende Bild des Mannes als respektierte Autorität der Familie übertrage sich auf den Priester. "Manchmal entwickelt sich dadurch ein falsches Verständnis der Gelübde", erklärte die Psychologin. Das Gehorsamsgelübde bedeute nicht, dass die Nonne dem Priester zu gehorchen habe, sondern dass Dialog stattfinden solle. "Doch mit dem falschen Verständnis wird Machtmissbrauch vereinfacht."

Positive Entwicklungen

Inzwischen beobachteten Mitschwestern vor Ort, dass mehr Frauen über ihre Erfahrungen sprechen wollten. "Wir haben Workshops, in denen die Leiterinnen und Leiter der religiösen Institutionen ermutigt werden sollen, diesen Frauen den nötigen Raum und Sicherheit zu geben", sagte Schwester Mary. Es gebe Kurse zur Stärkung des Selbstbewusstseins und Forderungen an die Kongregationen, Schutzkonzepte einzuführen. "Wenn ich mir ansehe, wie es zu Beginn meiner Forschung 2014 aussah im Vergleich zu heute, dann bekomme ich Hoffnung. Ich sehe die Fortschritte, die gemacht wurden, und weiß, dass es weiter vorangeht."
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